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Mondscheinhäuser: Gebaut über ein langes Wochenende | BR24

© Archiv des Heimatmuseums Karlsfeld
Bildrechte: Archiv des Heimatmuseums Karlsfeld

Mondscheinsiedlung: Die ganze Familie und Verwandtschaft arbeitet mit beim Bau eines Mondscheinhauses.

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    Mondscheinhäuser: Gebaut über ein langes Wochenende

    Das Gebiet westlich von München und das Dachauer Hinterland wurden so, wie wir es heute kennen, erst nach dem Zweiten Weltkrieg bebaut. Hier entstanden oftmals sogenannte "Mondscheinhäuser" - die teils erst sehr viel später legalisiert wurden.

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    Von
    • Chris Baumann

    Die Mondscheinhäuser, oder weiter westlich unter den Namen "Pfingst- bzw. Osterhäuser" bekannten kleinen Häuschen, wurden über ein langes Wochenende gebaut. Über die Feiertage bauen, das war ein einfacher Trick, um vollendete Tatsachen zu schaffen. Um sesshaft zu werden, ohne dass die Gemeinde etwas mitbekommt.

    Ehemalige Zwangsarbeiter schufen sich neuen Wohnraum

    Um 1950 haben in der Umgebung von Karlsfeld statt früher 1.500 Menschen bis zu 10.000 Menschen gelebt. Während des Krieges und am Kriegsende gab es große Industriebetriebe in Allach, Feldmoching und Ludwigsfeld, die sehr viele Beschäftigte hatten - während des Krieges in erster Linie Zwangsarbeiter, Fremdarbeiter und KZ-Häftlinge. "Die wurden dann in so Baracken untergebracht und auf diese Art und Weise sind große Lagerkomplexe entstanden in unmittelbarer Umgebung der Gemeinde Karlsfeld", erklärt der Diplom-Ingenieur und Heimatforscher Horst Pajung.

    Nach dem Krieg lief die Wirtschaft langsam wieder an und die Bewohner wollten raus aus der spartanischen und beengenden Wohnsituation. Land, auf dem gebaut werden konnte, gab es genügend – nur sollte es günstig sein.

    Je weiter vom Ortszentrum und dem Bahnhof entfernt, umso billiger war der Baugrund, erzählt Pajung: "Man hat etwa 400 D-Mark für so ein Grundstück bezahlt. Zum Vergleich vielleicht: Das durchschnittliche Monatsgehalt lag bei etwa 200 D-Mark." So ein Grundstück war sehr billig, aber auch nicht erschlossen. Es gab kein Wasser, keinen Strom, keine Kanalisation, keine Zufahrtsstraßen.

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    Mondscheinsiedlung: Die Frau schaufelt, der Mann fährt mit der hölzernen Schubkarre über die Baustelle.

    Bauen war damals Handarbeit

    Das Bauen war damals beschwerlich und kräfteraubend. Bagger gab es nicht. Betonmischer gab es nicht. Bohrmaschinen gab es nicht. Pajung belegt das mit Fotos aus dieser Zeit. "In der Regel wurde die Baugrube auch noch mit der Hand ausgehoben, um sich teure Geräte zu sparen. Der Mörtel wurde von Hand angemischt, die gesamte Verwandtschaft hat mitgeholfen. Man sieht auf dem Foto, dass die Frau die Schubkarre verfüllt hat, der Mann musste mit der hölzernen Schubkarre dann über die Baustelle fahren. Also das war schon alles eine sehr mühsame Angelegenheit."

    Klein, aber mein: 60 Quadratmeter Wohnfläche mit zwei Räumen für vier Menschen waren damals schon das höchste der Gefühle. Die Grundstücke hingegen waren für heutige Verhältnisse mit 1.000 Quadratmetern richtig groß, das war aber nicht purer Luxus.

    Man ist davon ausgegangen, dass "die Siedler auf diesen Grundstücken ein wenig für die Selbstversorgung tun sollten, also sollte Gemüse angebaut werden, man hat kleine Ställe gebaut für Hühner, Kaninchen manchmal auch ein Schwein," erzählt Pajung.

    Illegale Mondschein-Siedlungen

    Die Gemeinden bekamen die Bautätigkeit nicht sofort mit, denn die Siedler setzten sich meist zuerst mit den jeweiligen Landeigentümern, also den Bauern, zusammen, dann wurde das Land gekauft und bebaut. In Karlsfeld, Dachau und dem westlichen Hinterland sind viele Ortsteile und Dörfer nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Besiedelung mit diesen Mondscheinhäusern entstanden – die so heißen, weil sie in kürzester Zeit gebaut wurden, sagt Pajung.

    "Das Ziel war immer, am Ende der Bauzeit – in der Regel waren das in etwa vier Tage – eingezogen zu sein und einen Ofen, eine Feuerstelle in Betrieb genommen zu haben. Damit musste man natürlich auch nachts arbeiten. So ist dann dieser Begriff Mondscheinhäuser oder Mondscheinsiedlung entstanden."

    Bevorzugt wurden das verlängerte Pfingst- oder das Osterwochenende genutzt. Deshalb kennt man diese Häuser in den weiter westlich gelegenen Orten Bergkirchen und Lauterbach auch als Oster- beziehungsweise Pfingsthäuser.

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    Bestandsplan Karlsfeld 1952

    Oft wurde die Bebauung von der Gemeinde erst bemerkt, als die Siedler sich als Einwohner angemeldeten und eine Baugenehmigung beantragten. Die einfachste Entscheidung wäre es zwar gewesen, die Schwarzbauten abreißen zu lassen. "Aber die Gemeinde wäre verpflichtet gewesen, einem Obdachlosen eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen, auch für die Kosten aufzukommen", so Pajung.

    Weil die Gemeinde keine Möglichkeit hatte, die illegalen Siedler anderweitig unterzubringen, beließ sie es bei einer Geldstrafe in der Hoffnung, dass es sich schon irgendwie regeln werde.

    Manche Häuser erst 2018 legalisiert

    Offiziell anerkannt haben die Gemeinden die Siedlungen dadurch aber nicht -zumindest nicht gleich. "Die Legalisierung seitens der Gemeinde wurde immer davon abhängig gemacht, dass man dort tatsächlich auch eine Infrastruktur zur Verfügung hatte", sagt Pajung. "Das heißt also praktisch, dass eine Wasserleitung da war, später dann auch eine Kanalisation. Dass natürlich auch Strom dorthin gelegt wurde und dass eine Zufahrtsstraße gebaut worden ist." Normalerweise dauerte das ein paar Jahre und war in den 1960ern abgeschlossen.

    Bis auf die Siedlung am Burgfrieden in Karlsfeld. Die gehörte bis 1999, trotz der weit entfernten Lage, zu München und kam dann erst zur Gemeinde Karlsfeld. Diese 20 Häuser am Würmkanal sind erst seit Ende 2018 legalisiert und seitdem keine Schwarzbauten mehr.

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