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Molkereien fordern Ausstieg aus der Anbindehaltung von Kühen | BR24

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Die Anbindehaltung bei Kühen steht in der Kritik, vor allem, wenn die Tiere das ganze Jahr über im Stall stehen. In Österreich ist die ganzjährige Anbindehaltung seit 2012 verboten. Ein Modell für Deutschland?

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Molkereien fordern Ausstieg aus der Anbindehaltung von Kühen

Die meisten Verbraucher wünschen sich "glückliche" Kühe mit viel Platz und Auslauf, doch in Bayern ist die Anbindehaltung nach wie vor weit verbreitet. 60 Prozent der Milchvieh-Betriebe haben noch Anbindeställe. Das soll sich ändern.

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Bis 2030 soll es keine ganzjährige Anbindehaltung mehr geben - das wünschen sich die fünf Molkerei-Verbände aus Bayern und Baden-Württemberg. Ihnen sei es um eine einheitliche Linie bei dem Thema gegangen, deshalb habe man sich zusammengetan, erklärt Ludwig Huber vom Verband milch.bayern. Der vertritt große Molkereien wie Berchtesgadener Land, Zott, Goldsteig und Müller: "Es geht auch darum, alle, die betroffenen sind, darauf hinzuweisen, es kommt etwas, da wird sich was verändern."

Nicht nur verschieben

Und zwar nicht von heute auf morgen, so Ludwig Huber von milch.bayern: "Aber es kann nicht sein, dass man eine schwierige Sache auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschiebt, sondern dass man sagt: Wir unterstützen das bis zu einem gewissen Punkt und dann wird es von unserer Seite her auch etwas schwieriger werden, das heißt nicht, dass man nach 2030 zum Beispiel jedem, der noch Anbindehaltung hat, die Milch stehen lässt.“

Trotzdem wächst der Druck auf die Bauern, Anbindehaltung ist ein Auslaufmodell. Wer heute neu baut, baut einen Laufstall, in dem sich die Kühe frei bewegen können. Doch gerade kleinere Betriebe haben oft nicht das Geld und den Platz, um neu zu bauen. Wer nur zehn oder zwanzig Kühe hält, kann nicht viele hunderttausend Euro investieren. Darauf weist der Bauernverband hin. Verbandssprecher Markus Peters erklärt: "Wir wollen diese kleinen Betriebe erhalten und wir wollen in der Anbindehaltung Wege aufzeigen, wie man das Tierwohl verbessern kann, ohne gleichzeitig die Bauernhöfe ans Messer zu liefern."

Langfristig heißt die Lösung: Laufställe

Auch die Molkereien wollen zunächst Zwischenlösungen wie Anbindehaltung plus Weidegang unterstützen, aber mittel- und langfristig gesehen wird es wohl auf Lauställe hinauslaufen. Denn der Handel, aber auch die Verbraucher wünschen sich immer mehr von den Bauern in punkto Tierwohl und Umweltschutz. Der Deutsche Tierschutz-Bund kritisiert, dass die angebundenen Tiere nur stehen oder liegen können, dass sie keine Bewegungsfreiheit haben. Sprecherin Lea Schmitz. "Wir kämpfen daher als Tierschutz-Bund für eine Ende der Anbindehaltung und hoffen, dass diese Haltungsform bald in ganz Deutschland der Vergangenheit angehört."

Milchbauer Josef Stuffer aus Oberbayern kann das nicht verstehen - seine zehn Kühe dürfen im Sommer auf die Weide, im Winter sind sie im Stall. Ob seine Kinder den Hof übernehmen und investieren wollen, ist unklar, sagt er: "Man macht nicht nur die Betriebe kaputt, wenn die bauen müssen, auch die Kulturlandschaft."

Angst vor den Vorschriften der Molkereien

Denn im Zweifelsfall hören die Kleinen einfach auf. Für die Molkereien dürfte das kein allzu großes Problem sein - Milch gibt es mehr als genug am Markt. Viele Bauern befürchten deshalb, die Molkereien würden ihnen schon bald vorschreiben, wie sie die Tiere zu halten haben. Bei Glyphosat habe es ja auch schon Verbote durch Molkereien gegeben, so Ludwig Huber vom Molkerei-Verband milch.bayern: "So einfach ist es nicht, das wäre so, wenn es nur zwei Molkereien gäbe in Bayern.“

Molkereien sitzen am längeren Hebel

Bei den Genossenschafts-Molkereien redeten die Bauern mit, bei den privat-wirtschaftlichen gebe es oft mehrjährige Lieferverträge. Dennoch sitzen schließlich und endlich die Molkereien am längeren Hebel, das sieht auch das bayerische Landwirtschaftsministerium so. In einer Stellungnahme heißt es: "Die Diskussion um die Anbindehaltung beobachten wir mit Sorge. Dass der Handel und einzelne Molkereien hier eine eigene Marktpolitik betreiben, um sich Marktanteile zu sichern ist zwar verständlich. Aber das gefährdet unseren Weg der sanften Umstellung und wird zu vorzeitigen Betriebsaufgaben führen."

Statt auf Fristen und Verbote setze man auf Freiwilligkeit und Förderung. Tatsächlich gibt es jetzt schon viel Beratung und Stallbau-Förderung für Bauern, die umsteigen wollen auf einen Laufstall - oder es vielleicht irgendwann auch müssen.