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Motorraddemos: Protest gegen drohende Fahrverbote | BR24

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In München haben rund 6.000 Motorradfahrer ein Verkehrschaos auf dem Mittleren Ring ausgelöst. Mit der Aktion wollten die Biker in vielen deutschen Städten gegen das geplante Fahrverbote für Motorräder an Sonn- und Feiertagen protestieren.

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Motorraddemos: Protest gegen drohende Fahrverbote

Über zehntausend Biker haben am Samstag in Bayern mit Motorradkonvois gegen drohende Fahrverbote demonstriert. Denn eine Initiative des Bundesrats will Motorradlärm reduzieren und Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglichen.

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Tausende Motorradfahrer haben sich am Samstag in München trotz Verbot zu einer Motorraddemonstration versammelt. Dabei verstopften sie über vier Stunden teilweise den Mittleren Ring. Immer wieder kam es durch die - laut Polizei bis zu 10.000 - Biker zu Staus. Sie waren in Gruppen von 50 bis 100 Teilnehmern unterwegs und demonstrierten gegen drohende Fahrverbote, die der Bundesrat wegen Motorradlärms plant.

Hupkonzerte, laute Musik und jubelnde Passanten

Schon am Morgen hatten sich rund um München Biker-Gruppen mit meist je 50 bis 100 Teilnehmern getroffen. Sie waren mit Hupkonzerten, Jubelrufen und lauter Musik unterwegs. "Fahren dürfen wir auf dem Mittleren Ring, das kann uns keiner verbieten", sagte einer der Motorradfahrer, der aus dem Raum Erding kam.

Auch von Passanten bekamen sie reichlich Zuspruch. Vor allem auf den Brücken über dem Mittleren Ring standen viele und winkten und jubelten den Bikern zu, die mitunter recht gemächlich unterwegs waren.

Eine ursprünglich geplante zentrale Kundgebung auf der Münchner Theresienwiese hatten die Veranstalter wegen der vielen Auflagen abgesagt.

Verbot durch Stadt München

Weil das Münchner Kreisverwaltungsreferat mit 8.000 Motorradfahrern gerechnet und ein Verkehrschaos befürchtet hatte, war die Veranstaltung am Freitag untersagt worden. Insbesondere Rettungskräfte könnten womöglich nicht mehr richtig durchkommen, hieß es.

Gravierende Folgen hatte die Rundfahrt der Motorräder aber nicht. Versammlungsrechtlich könne man den Bikern nichts vorwerfen, erklärte ein Polizeisprecher. Die Beamten hätten mit ihnen gesprochen und hätten sie immer wieder ermahnt, nicht auf der Straße stehen zu bleiben und vor allem auch in angemessenem Tempo zu fahren.

Motorraddemo auch in Schweinfurt

In Schweinfurt sind am Samstag 5.000 Motorradfahrer zusammengekommen - angekündigt waren nur 250. Ähnliche Aktionen waren unter anderem in Schwerin, Stuttgart, Wiesbaden, Friedrichshafen und Dresden geplant.

Bundesrat plant Fahrverbote für Motorradfahrer an Sonn- und Feiertagen

Anlass für die Protestfahrt ist eine eine Initiative des Bundesrats, mit der Motorradlärm etwa in beliebten Ausflugsgegenden reduziert werden soll. Die Länderkammer plädiert dafür, Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen aus Lärmschutzgründen leichter zu ermöglichen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sprach sich gegen weitere Motorrad-Fahrverbote aus, Fahrer- und Herstellerverbände kritisierten die Vorschläge als "wirklichkeitsfremd" und "populistisch".

Auch Gabor Kovacs, der die Veranstaltung in München organisiert hat, hält nichts davon und fordert stattdessen einen Motorradbeauftragten der bayerischen Staatsregierung. Dann müssten Konflikte zwischen Fahrern und Anwohnern nicht immer auf der lokalen Ebene gelöst werden, so Kovacs. Durch Fahrverbote werde das Lärmproblem nur verlagert. Er setze auf Rücksichtnahme und die Suche nach einem Konsens. Fahrer mit illegal veränderten, lauteren Maschinen müssten zudem konsequent aus dem Verkehr gezogen werden.

Applaus und Kritik im Netz

Viele Motorradfahrer reagieren begeistert auf Artikel und Videos über den Biker-Andrang auf dem Münchner Mittleren Ring. "Macht weiter so", "Respekt, find ich top" oder "Wir Biker halten zusammen", schreiben viele in den sozialen Medien. Auf der Seite des Veranstalters kommentiert ein Motorradfahrer sogar: "Das war heute wohl einer der emotionalsten Momente meines Lebens. Was hier für ein Spirit unterwegs war, ist unbeschreiblich gewesen. Ich bin stolz, ein Biker zu sein und da heute mitgemacht zu haben." Eine Bikerin schreibt, auch Passanten hätten ihnen applaudiert.

Andere zeigen sich weniger begeistert: Ein User schreibt beispielsweise: "Wenn ich Motorradfahrer wäre, würde ich mich über diese rücksichtslose und illegale Aktion sehr ärgern. Ein besseres Argument für Verbote kann man nicht liefern!" Eine andere Userin ist der gleichen Meinung: "Wenn es verboten wurde, eine Demo zu machen zum jetzigen Zeitpunkt, dann ist das so und Punkt." So ein Verkehrschaos zu veranstalten sei das letzte. Die Userin empfiehlt den Bikern, auch an andere Verkehrsteilnehmer zu denken, die deshalb stundenlang im Stau standen.

Die Demo war aus diesem Grund vom Kreisverwaltungsreferat auch am Freitagnachmittag untersagt worden. Ein Motorradfahrer sagt dazu nur: "Ist ja keine Demo, fahren alle nur zum Weißwurst essen nach München." Ein anderer nennt es "die beste Veranstaltung, die nie stattgefunden hat".

Der Schlagerstar Patrik Lindner schreibt etwa: "Es ist eine Unverschämtheit, was die Motorradfahrer sich erlauben ... und wollen damit Verständnis erreichen ... mit Krach erreicht man nichts."

Bundesweit bereits 157 Fahrverbote für Motorradfahrer

Fahrverbote gibt es bereits an manchen Orten: Stand Ende Februar waren nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Motorradfahrer 157 Strecken in der Nacht, an Sonn- und Feiertagen oder gar komplett gesperrt. In Bayern ist zum Beispiel der Kesselberg zwischen Kochel und dem Walchensee betroffen.

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Eine Motorrad-Demo hat in der Schweinfurter Innenstadt am Samstagnachmittag für Aufsehen gesorgt. 250 Motorradfahrer waren angekündigt, gekommen sind laut Polizei 5.000.

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