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Geld für Gasthöfe: Förderung für 23 Minuten | BR24

© dpa/pa

Der Eingang eines leerstehenden ehemaligen Dorfwirtshauses in Burggen (Bayern) im Landkreis Weilheim/Schongau

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    Geld für Gasthöfe: Förderung für 23 Minuten

    Als die Seite mit den Förderanträgen freigeschaltet wurde, saß die Wirtin vom Berggasthof Zottling schon am Rechner. Doch keine halbe Stunde später war die Website geschlossen, das Fördergeld alle. Wann die Staatsregierung nachlegt, ist offen.

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    Monika Schweizer vom Berggasthof Zottling im Landkreis Regen saß gemeinsam mit ihrer Tochter Anna Schwarz pünktlich um 10 Uhr vor dem Computer. Sobald die Seite frei geschalten worden war, füllten sie zusammen mehrere Seiten des Formulars aus, das als Antrag für das Förderprogramm des Wirtschaftsministeriums diente. Um 10.23 Uhr drückten sie den Button, mit dem sie den Antrag abschicken sollten. Aber da war das Programm schon geschlossen, es wurden keine neuen Anträge mehr angenommen.

    Hoffnung auf Förderung aus dem Programm

    Ohne die Zuschüsse aus der Förderung, sagt Monika Schweizer, kann sie sich die geplanten Investitionen nicht leisten. Der Berggasthof Zottling geht zwar gut, er liegt herrlich auf einem Berg im Bayerischen Wald, die Küche ist berühmt für ihre Wildspezialitäten. Vor der Eingangstür hängen so viele Auszeichnungen für Kochkunst und Teilnahme an Tourismusprogrammen, dass gar nicht mehr alle Platz haben.

    Und trotzdem sind Schweizer und Schwarz auf den Zuschuss vom Staat angewiesen. Sie wollten den Stadl neben dem Gasthaus ausbauen. Veranstaltungen sollen hier stattfinden, Hochzeiten, Familienfeiern. Das geht schon jetzt, aber alles hätte größer werden sollen, schöner - und barrierefrei, so dass Gäste auch mit Rollator oder Rollstuhl alles hätten erreichen können. 40 Prozent der Investitionssumme von mehreren hunderttausend Euro hätte das Wirtschaftsministerium im Erfolgsfall beigesteuert. Ob das klappt? Das kann noch keiner sagen.

    Zu viele Anträge - es wird geprüft

    Im Wirtschaftsministerium beschwichtigt man. Bei der ersten Antragswelle sei man bei jedem Antrag von der maximalen Fördersumme von 200.000 Euro ausgegangen. Als so viele Anträge eingegangen waren, dass das Budget für 2019, 15 Millionen Euro, ausgeschöpft gewesen wäre, habe man erstmal keine Anträge mehr angenommen. Jetzt werden die eingegangenen Anträge geprüft, und wenn man wisse, wie viel Geld übrig bleibe, werde es eine zweite Runde geben.

    Gastronomie ist ein hartes Geschäft

    Für den Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband spricht der Run auf das Fördergeld für sich. Frank-Ulrich John, Pressesprecher des Verbandes, spricht von einem Investitionsstau im Gaststättengewerbe und erklärt, warum das so ist: die meisten Wirte, so John, arbeiteten für einen Stundenlohn weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn. Rücklagen kann man mit solchen Einnahmen natürlich kaum bilden.

    John hofft, der Freistaat werde das Förderprogramm "verstetigen", sprich, in den kommenden Jahren einfach beibehalten. Wirtschaftlich könnte das Vorteile haben. Die Tourismusbranche, rechnet der Hotel- und Gaststättenverband vor, sei nach der Industrie Bayerns Leitbranche Nummer zwei. Aber zwischen 2006 und 2015 hätten ein Viertel aller bayerischen Gasthäuser aufgegeben. Nichts sei schlimmer für den Tourismus, als wenn der Gast mittags kein Lokal findet, im dem er essen kann.

    John argumentiert, die 30 Millionen staatliches Fördergeld ziehen bis zu 100 Millionen Euro an Investitionen nach sich, die praktisch direkt ins heimische Handwerk fließen. Monika Schweizer vom Berggasthof Zottling kann das bestätigen. Sollte ihr Stadl irgendwann ausgebaut werden, will sie mit heimischen Materialien bauen und regionale Handwerker beschäftigen. Schon im eigenen Interesse. Es komme eben vor, dass sie am Wochenende den Elektriker oder den Installateur brauche, dann müssten die auch bereit sein zu kommen.

    Auf jeden Fall wollen es die zwei Wirtinnen beim nächsten Mal wieder versuchen, ins Förderprogramm zu kommen. Wann es soweit ist, kann man im Wirtschaftsministerium nicht sagen. Man werde aber rechtzeitig darüber informieren.