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Derzeit bestellen einige doch mal die Bluse oder die Jeans online. Aber geliefert wird am Ende nicht nur das Kleidungsstück - sondern auch eine ganze Menge Müll. Ein Fotoprojekt in Würzburg macht das sichtbar.

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Mode aus Müll: Würzburger Fotoprojekt hinterfragt Bestell-Boom

Bequem nach Hause liefern lassen: Derzeit bestellen einige doch mal die Bluse oder die Jeans online. Aber geliefert wird am Ende nicht nur das Kleidungsstück – sondern auch eine ganze Menge Müll. Ein Fotoprojekt in Würzburg macht das sichtbar.

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Von
  • Carolin Hasenauer

Nur ein paar Klicks – und schon hat man die neue Jeans bestellt. Drei Tage später wird das Paket bequem nach Hause geliefert. Gerade in Zeiten von Corona bestellen viele ganz gerne mal im Internet. Denn mit den Inzidenzzahlen ändern sich kurzfristig die Maßnahmen für den Einzelhandel in der eigenen Stadt. Auch Cornelia Guju aus Würzburg hat vor Kurzem online bestellt: "Ich habe Umstandshosen gebraucht. Dann war aber Corona-Lockdown. Ich hätte sonst keine bestellt, sondern vor Ort gekauft."

Fotoprojekt hinterfragt Online-Shopping

Doch die Hosen kommen in Begleitung: Mehrere Flyer, die Jeans eingepackt in jeweils zwei Plastiktüten, und das Ganze in einem bedruckten Karton. "Jetzt ist ja fast mehr Müll gekommen als Kleidung." Cornelia ärgert es, dass ihre Bestellung in so viel Plastik eingepackt ist. Deshalb hat sie sich dazu entschlossen, bei einem Fotoprojekt mitzumachen. "Trashfashion" will die Folgen des Bestell-Booms im Internet hinterfragen.

Mode aus Müll

Christian Weiß, eigentlich Pressesprecher der Stadt Würzburg, arbeitet nebenbei als Fotograf. Derzeit studiert er im Fernstudium an der Falmouth University in England Fotografie. "Trashfashion" ist Teil eines Seminarprojekts in seinem Studium: Es entstehen Fotoserien mit Amateur-Models: Ein Foto zeigt die Models in der Kleidung, die sie im Internet bestellt haben. Auf einem zweiten Foto sind die Models in "Trashfashion" zu sehen. Sie tragen also Kleidungsstücke, die aus dem Verpackungsmüll der bestellten Ware entstanden sind.

Collage stellt Outfits gegenüber

Cornelia Guju bringt alles zu ihrem Foto-Shooting mit: Die neuen Hosen und die Plastiktüten, in denen sie geliefert wurden. Nach ein paar Aufnahmen in der neuen Hose geht’s ans Basteln: Aus vier Tüten und etwas Klebeband wird ein Rock und aus dem Karton ein Stiefel. "Wirklich angezogen fühle ich mich nicht", sagt Guju. "Aber warm ist es in dem Plastik-Rock." Ein Foto – zwei Outfits: Digital erstellt Weiß eine Collage, auf der Cornelia sowohl in der neuen Jeans als auch in ihrem Rock aus Plastikmüll zu sehen ist. Sie steht sich selbst gegenüber.

Retouren belasten die Umwelt zusätzlich

"Ich möchte zeigen, dass das Bestellen von Kleidung im Internet einen großen Einfluss auf die Umwelt hat: Meist bestellt man dann ja nicht nur das, was man braucht, sondern verschiedene Größen, verschiedene Hosen, Blusen oder Pullover", sagt Weiß. Auch Angebote wie kostenlose Retouren oder Same Day Delivery erhöhen die Umweltbelastungen noch zusätzlich durch mehr Verkehr, Lärm und Abgase.

Eigentlich viel mehr Müll als der gebastelte Mini-Rock

Allein an Verpackungsmüll kommen im Jahr laut Umweltbundesamt in Deutschland insgesamt mehr als 17 Millionen Tonnen zusammen. Das sind gut 100 Kilogramm pro Person. Wie viel davon auf das Online-Shopping entfallen, ist nicht erfasst. Bildet Cornelias Müll-Minirock tatsächlich ab, wie viele Plastikverpackungen ihre Jeans auf dem Gewissen hat? Nein, sagt Waltraud Galaske vom Bund Naturschutz. "Leider ist das nicht der ganze Müll sondern nur ein Teil, vielleicht ein Viertel vom Müll, der entsteht, damit dieses Produkt verschickt und verpackt, teilweise vom Ausland hergeschickt wird." Statt des Mini-Rocks könnte Cornelia also wohl eher ein mehrlagiges Abendkleid tragen.

Müll im stationären Handel weniger sichtbar

Galaske befürwortet solche Foto-Projekte wie die von Weiß, um Online-Shopping zu hinterfragen. Gleichzeitig dürfe man nicht vergessen, dass auch beim Modeshoppen im Einzelhandel vor Ort jede Menge Müll anfalle: "Im Handel und in der Industrie ist Verpackung, die erstmal nicht sichtbar ist. Die fällt an, indem sie von einem Ort zum anderen transportiert, verpackt und wieder ausgepackt werden muss. Im Laden hängt sie dann zwar unverpackt, aber die oft lange Lieferkette ist hier eben nicht sichtbar."

Collagen sollen als T-Shirts wieder zu Mode werden

Zurück im Fotostudio von Christian Weiß. Alle Bilder sind im Kasten. Was macht diese Erfahrung mit Cornelia? "Also es ist schon bequem, online einzukaufen, gerade aktuell ist mir das einfach lieber. Ich würde mir halt wünschen, dass sich die Firmen Gedanken machen, wie sie die Ware umweltfreundlicher verpacken und versenden können." Die Fotos und Collagen will Christian Weiß – sobald die aktuelle Corona Lage es zulässt – in der Würzburger Umweltstation ausstellen. "Zum anderen werde ich die Bilder auf T-Shirts drucken. Damit mach ich den Müll wieder zur Mode selber."

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