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Mobil im Alter: Zu wenige öffentliche Verkehrsangebote | BR24

© pa / dpa / Bernd Wüstneck

Seniorin mit Rollator steigt in einen Bus ein

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Mobil im Alter: Zu wenige öffentliche Verkehrsangebote

Ohne eigenes Auto mobil sein ist auf dem Land und generell für die Generation 65 plus ein Problem. Aktuell leben rund 2,6 Millionen Senioren in Bayern, der Sozialverband VdK fordert deshalb bessere öffentliche Verkehrsangebote für ältere Menschen.

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Rosemarie, 76 Jahre alt, ist viel unterwegs. Sie ist an Parkinson erkrankt und auf einen Rollator angewiesen. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist es für sie sehr wichtig, mobil zu sein und etwas zu unternehmen.

Die Münchnerin fährt auch noch Auto – gegen den Rat ihrer Familie. Das lässt sie sich nicht nehmen, sagt Rosemarie, auch wenn sie in der Stadt ein umfangreiches Angebot an öffentlichem Nahverkehr hätte. Autofahren sei aber "viel angenehmer als die Trambahn oder die U-Bahn". Sie fühle sich gut als Autofahrerin.

Bus und Bahn: in der Stadt zu umständlich, auf dem Land zu wenig

So wie Rosemarie geht es vielen Senioren: Sie hängen an ihrem Führerschein - ihn abzugeben, wäre für sie ein großer Einschnitt. Auf dem Land ist die Situation dabei nochmal viel schwieriger als in der Stadt. Spontan irgendwo hinfahren, zum Einkaufen oder an den See: Das Auto macht mobil.

Lässt aber die Fahrtüchtigkeit im Alter nach, wird es schwierig. Zum einen muss der Betroffene einsehen, dass es besser für ihn und seine Mitmenschen ist, das Auto stehen zu lassen. Zum anderen stellt sich dann das Problem: Wie komme ich jetzt von A nach B? Busse und Bahnen gibt es zwar in vielen Städten, sie sind aber oft zu teuer und man ist an feste Fahrzeiten gebunden. Auf dem Land sind die Menschen oft auf die Hilfe von Nachbarn, Freunden und Angehörigen angewiesen, die sie fahren.

"Der Freistaat setzt zu sehr aufs Ehrenamt"

Dabei ist es gerade für die Generation 65 plus sehr wichtig, mobil zu sein, sagt die Landesvorsitzende des Sozialverbandes VdK in Bayern, Ulrike Mascher. "Die Angst ist groß, unmobil zu sein."

Deshalb fordert der VdK flächendeckend zuverlässigere Strukturen für Senioren. "Die Situation in Bayern ist nicht zufriedenstellend", sagt Ulrike Mascher. Sie ist selbst 82 Jahre alt.

"Der Freistaat setzt zu sehr auf ehrenamtliches Engagement. Er muss als großes Flächenland dafür sorgen, dass auch die kleinen Gemeinden gut an ein öffentliches Verkehrsangebot angeschlossen sind." Ulrike Mascher, Landesvorsitzende des Sozialverbandes VdK in Bayern

Rund 2,6 Millionen Senioren leben in Bayern. Durch die demographische Entwicklung wird in wenigen Jahren jeder Vierte über 65 sein, prognostizieren Experten.

Flexibus oder Fahrgemeinschaften?

Einige bayerische Städte gehen mit positivem Beispiel voran: So können in Kaufbeuren, Augsburg, Fürth und seit kurzem auch in Bamberg Senioren ein Jahr lang kostenlos Bus fahren, wenn sie ihren Führerschein freiwillig abgeben. Im Landkreis Günzburg verkehrt der sogenannte Flexibus. Er fährt je nach Wunsch und Bedarf der angemeldeten Fahrgäste.

Ein "schwieriges Thema", sagt Bürgermeister Josef Steigenberger der Gemeinde Bernried. In seinem Landkreis, Weilheim-Schongau, gibt es Einkaufsfahrgemeinschaften und Bürgerbusse, aber vieles basiert eben doch auf Nachbarschaftshilfe und ehrenamtlichem Engagement. Die Pendelbusse sind laut Steigenberger unrentabel, weil sie zu wenige nutzen, oft gibt es nur individuell gestrickte Lösungen für Senioren. Das alles reicht aber nicht, kritisiert Ulrike Mascher vom VdK. Es müsse mehr passieren. Der Freistaat sei gefordert.

Bayern fördert mit mehr als 20 Millionen Euro

Der bayerische Verkehrsminister Hans Reichart lobt dagegen die Mobilitäts-Maßnahmen im Freistaat.

"Allein im vergangenen Jahr sind viele Angebote für Senioren dazugekommen: Wie Rufbusse und Bürgerbusse. Man muss nicht mehr ein paar hundert Meter bis zur nächsten Bushaltestelle laufen, sondern wird fast direkt vor der Haustür abgeholt." Hans Reichhart (CSU), bayerischer Verkehrsminister

Mehr als 20 Millionen Euro hat das Ministerium für das flächendeckende Förderprogramm gegeben. Reichart stellt dennoch fest: Es bleibt ein Nachholbedarf. Die Mobilität auf dem Land muss professionell aufgestellt sein, man darf sich nicht auf ehrenamtliche Hilfe verlassen. Aber klar ist auch, so der Verkehrsminister: Der Freistaat gibt das Geld, die Kreise und kreisfreien Städte müssen es nutzen und umsetzen. Sie sind zuständig für den öffentlichen Personennahverkehr.

© BR

Seit diesem Jahr können Senioren in Bamberg den Führerschein abgeben und bekommen dafür einmalig ein gratis ÖPNV Jahresticket. Hört sich gut an, aber bieten die öffentlichen Verkehrsmittel wirklich eine Alternative? Und was ist im Jahr darauf?

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Von
  • Katrin Bohlmann
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