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Die Stadt Wunsiedel hat einen eigenen Energiepark der für die Energieversorgung der Stadt zuständig ist. Das Ziel: emissionsfrei zu sein.

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Gegen den Klimawandel: Wie Wunsiedel die Energiewende wuppt

Dezentrale Versorgung, neue Speichertechnologien, grüner Wasserstoff: Wunsiedel arbeitet intensiv daran, die Energiewende mit Leben zu füllen. Weil die Stadt damit viel Erfolg hat, blicken inzwischen Experten aus aller Welt ins Fichtelgebirge.

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Von
  • Christoph Röder
  • Christina Küfner

Die Ressourcen vor Ort bestmöglich nutzen und so intelligent wie möglich miteinander vernetzen - das ist einer der Kerngedanken hinter dem Fahrplan, den Wunsiedel beim Thema Energiewende verfolgt. Angefangen hat die Stadt damit allerdings nicht erst, seit die Klimawandel-Diskussion Fahrt aufgenommen hat, sondern schon vor 20 Jahren. Von diesem Vorsprung an Erfahrung profitiert die Stadt jetzt.

Null Emissionen lautet das Ziel

Einer der führenden Köpfe hinter der Wunsiedler Energiewende-Strategie ist Marko Krasser, der Geschäftsführer der Stadtwerke. Er war es, der im Jahr 2001 ein Dekarbonisierungskonzept für die Stadt entwarf und maßgeblich mithalf, es im Laufe der Jahre mit Leben zu füllen. "Man muss die Energiewende vom Ende her denken", sagt er. Null C02-Emissionen heißt dieses Ende für ihn. Und wer das erreichen will, sollte aus Krassers Sicht zur Umstellung zunächst alles nutzen, was vor Ort zur Verfügung steht.

Ressource Holz wird ganzheitlich genutzt

Wunsiedel setzt deshalb unter anderem auf die Ressource Holz, von der im bewaldeten Fichtelgebirge ja reichlich vorhanden ist. Im Energiepark der Stadt wandern die Reste aus der Holzproduktion direkt in ein großes Biomasse-Heizkraftwerk. Dort werden sie so ganzheitlich wie möglich verwendet - einerseits zur Erzeugung von Strom. Und andererseits zur Herstellung von Pellets, die wiederum in kleineren Satellitenkraftwerken verbrannt werden und so ein Nahwärme-Netz für angrenzende Ortsteile speisen.

Wunsiedel setzt auf grünen Wasserstoff

Ein weiterer Baustein, auf den Wunsiedel setzt, ist die Produktion von so genanntem grünem Wasserstoff - grün deshalb, weil die Gewinnung ausschließlich mit Strom aus regenerativen Quellen erfolgt. Gemeinsam mit Siemens baut die Stadt in ihrem Energiepark Deutschlands größte Anlage zur Gewinnung des Gases. Wasserstoff gilt als bedeutender Bestandteil einer umwelt- und klimaschonenden Energieversorgung. Die Bundesregierung stellt im Rahmen der nationalen Wasserstoffstrategie, die im vergangenen Jahr beschlossen wurde, hunderte Millionen an Fördergeldern dafür bereit.

"Wunsiedler Weg" stößt international auf Interesse

Der "Wunsiedler Weg" mit seinem Mix aus dezentraler Ressourcennutzung und neuen Technologien findet inzwischen viel Beachtung - auch bei Experten aus anderen Ländern. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima reiste eine Delegation aus Japan ins Fichtelgebirge, um sich über mögliche Alternativen zur Atomkraft zu informieren. Auch eine staatliche Abordnung aus Polen hatte man in Wunsiedel bereits zu Gast. Belege dafür, dass die Stadt inzwischen eine Art Vorbildfunktion hat.

Als nächstes steht Klärschlamm auf dem Programm

Der Wunsiedler Energiepark wächst derweil weiter. Neben der Anlage zur Wasserstoff-Gewinnung steht bereits das nächste Projekt in den Startlöchern - eine Anlage zur Trocknung von Klärschlamm, die ähnlich wie das Biomasse-Heizkraftwerk die Abwärme weiterverwendet und Strom produziert. Damit passt sie aus der Sicht von Stadtwerke-Chef Marko Krasser perfekt ins Wunsiedler Konzept: Eine Ressource, die ohnehin da ist, so effizient wie möglich zu nutzen und intelligent zu vernetzen.

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