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Rund zwei Wochen nach dem Hochwasser im Landkreis Fürth gibt es für die Betroffenen noch viel zu tun. Gemeinden diskutieren bereits über bessere Schutzmaßnahmen für die Zukunft.

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Mittelfranken: Hoffnung schöpfen nach dem Hochwasser

Nach den Überschwemmungen in den Landkreisen Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Fürth laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Viele Existenzen stehen auf dem Spiel – die Spendenbereitschaft ist groß.

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Von
  • Inga Pflug

Ausräumen, Aufräumen und Aussortieren – das ist seit der Überschwemmung der Alltag von Familie Ritter in Wilhermsdorf im Landkreis Fürth. Die Flut hatte das Raumausstattungsgeschäft voll erwischt. Zwei komplette Container voller zerstörter Waren sind bei dem Familienbetrieb inzwischen zusammengekommen.

Gesten geben Auftrieb nach der Flutkatastrophe

Ein bisschen Auftrieb geben Ursula Ritter die kleinen Gesten: Eine wildfremde Frau etwa habe einfach so einen Blumenstrauß vorbeigebracht – das gebe etwas Auftrieb, beschreibt die Unternehmerin. Deswegen könne sie nicht sagen, dass sie traurig sei. Spurlos geht die Sache dennoch nicht an der Raumausstatterin vorbei. Sie fühle sich manchmal leer und müde: "Wir sind einfach gerade an einem Punkt, wo wir müde sind. Müde vom Räumen, müde vom Putzen."

Viel Unterstützung von der Gemeinde

Seitens der Gemeinde hat die Familie viel Unterstützung erfahren, berichtet Unternehmerin Ritter. Beschäftigte des Bauhofs kamen, um beim Ausräumen des vollgelaufenen Kellers zu helfen. Auch die Versicherungen zeigten sich entgegenkommend. Schließlich seien alle Unterlagen durch das Hochwasser kaputtgegangen. Ob sie zahlen werden, sei aber noch fraglich. Zwischenzeitlich habe sie sich gefragt ob das alles noch hinzukriegen sei – inzwischen sei die Familie aber wieder "ganz guter Hoffnung", sagt Ritter. "Es gibt auch positive Aspekte."

Betroffene erwartet sich wenig von der Politik

Der Familienbetrieb soll daher auf jeden Fall weiter bestehen bleiben. Nötig sei jetzt aber vor allem schnelle und unbürokratische Hilfe, meint die Wilhermsdorferin und räumt gleichzeitig ein, dass sie die von der Politik nicht erwarte: Nach Katastrophen werde immer viel gesprochen und versprochen. Und dann dauere doch alles ewig.

Familie lebt nun zu sechst in einem Wohnanhänger

Ähnlich geht es auch der Schaustellerfamilie Schubert in Großweismannsdorf im Landkreis Fürth: Es soll weitergehen – auch wenn gerade noch nicht klar ist, wie. Das Wasser hat nicht nur Fahrgeschäfte und Buden zerstört, sondern auch zwei Wohnanhänger. Im Wohnwagen von Tochter Sheila und seinem Enkelkind habe das Wasser eineinhalb Meter hoch gestanden, berichtet Martin Schubert. Den könne man nicht mehr bewohnen. Seither lebt die Familie zu sechst in nur einem einzigen Wohnanhänger. Geld für einen neuen hat sie nicht – denn vor dem Hochwasser hat schon die Corona-Pandemie der Existenz der Schausteller zugesetzt. Spenden seien jederzeit willkommen, so der Schausteller.

Neuer Standort für Hochwasser-Betroffene gesucht

Außerdem suchen die Schausteller einen neuen Stellplatz: Das Gelände, auf dem die Schuberts für gewöhnlich ihr Hab und Gut abstellen, wenn sie nicht gerade auf Kirchweihen oder Volksfesten unterwegs sind, sei immer noch völlig matschig und könne beim nächsten Starkregen wieder überschwemmt werden, meint Schubert. Für sechs Wochen könne man nun auf einem Grundstück in Roßtal bleiben, dass die Gemeinde zur Verfügung gestellt hat. Allerdings werde dort bald gebaut. "Dann müssen wir weg sein", so Schubert.

Große Hilfsbereitschaft in Wilhermsdorf

In Wilhermsdorf bestand die Soforthilfe der Gemeinde zunächst einmal aus Tatkraft: Betroffene Anwohner konnten ihren Sperrmüll bei einer Sonderaktion direkt am Grundstück abholen lassen, berichtet Bürgermeister Uwe Emmert. Straßen müssten noch repariert werden – ansonsten sei in der Ortschaft kaum noch etwas von der Flutkatastrophe zu sehen.

Durch Spendenaktionen in Wilhermsdorf und Langenzenn seien bislang mehrere tausend Euro eingegangen. Bürgermeister Emmert rechnet für Langenzenn und Wilhermsdorf mit mindestens 50.000 Euro. So habe die Sparkassenstiftung für beide Orte zusammen 35.000 Euro gespendet, weiter 18.000 Euro habe ihm ein Verein angekündigt. In Langenzenn seien bisher rund 10.000 Euro von circa 120 Einzelpersonen eingegangen. Das gehe alles auf ein gemeinsames Spendenkonto und erst später wisse man genau, wie hoch die Spendensumme ist, so der Bürgermeister. Es gelte nun einen Überblick zu bekommen: Wer ist versichert, wer kann das noch stemmen, wer braucht Unterstützung. Bedarf für Soforthilfen – wie von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigt – sieht Emmert für Wilhermsdorf aktuell nicht.

Intensiver Hochwasserdialog zwischen Ämtern und Kommunen

Im Vergleich zur Unwetterkatastrophe in den anderen Bundesländern zeige sich auch, dass die Gemeinde noch vergleichsweise glimpflich davongekommen sei. Jeder könne noch in seiner eigenen Wohnung leben, kein Haus sei unbewohnbar, so der Bürgermeister. Im Nachgang müsse nun geklärt werden, wie bei solchen Überschwemmungen künftig besser reagiert werden könne – und wie sie vermieden werden könnten. Um diese Fragen ging es am Nachmittag bei einem virtuellen runden Tisch zur Zenn mit den Kommunen im Landkreis Fürth und den zuständigen Wasserwirtschaftsämtern. Sie wollen nun in einen intensiven Hochwasserdialog einsteigen, so Landrat Matthias Dießl (CSU). Um künftig Hochwasser und Überschwemmungen zu verhindern und mögliche Folgen abzuschwächen, würden die Wasserwirtschaftsämter nun gezielt das Gespräch mit den betroffenen Gemeinden suchen, um die Situation zumindest zu verbessern, so Dießl.

© BR24/Schwandner

Das Raumausstattungsgeschäft der Familie Ritter in Wilhermsdorf

© BR24/Ina Schwandner

Das Raumausstattungsgeschäft der Familie Ritter in Wilhermsdorf

© BR24/Ina Schwandner

Ursula Ritter steht vor einem Haufen Sperrmüll

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