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Mittags bei Gloria - Regensburgs Notstandsküche wird 100 | BR24

© Bayern1

Seit 100 Jahren gibt es in Regensburg eine Hilfseinrichtung der besonderen Art: Die Notstandsküche der Familie Thurn und Taxis. Von Montag bis Freitag werden hier bedürftige Menschen bekocht - kostenlos. Am Wochenende wird das Jubiläum gefeiert.

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Mittags bei Gloria - Regensburgs Notstandsküche wird 100

Seit 100 Jahren gibt es in Regensburg eine Hilfseinrichtung der besonderen Art: Die Notstandsküche der Familie Thurn und Taxis. Von Montag bis Freitag werden hier bedürftige Menschen bekocht - kostenlos. Am Wochenende wird das Jubiläum gefeiert.

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Heute gibt es Seelachsfilet, Kartoffelstampf und Karottensalat. Vorher Suppe, hinterher Dessert: Drei Gänge sind Pflicht in der Fürstlichen Notstandsküche. Seit 100 Jahren gibt es im Regensburger Schloss Sankt Emmeram eine Hilfseinrichtung der besonderen Art: Die Notstandsküche der Familie Thurn und Taxis. Von Montag bis Freitag werden hier bis zu 150 bedürftige Menschen bekocht - kostenlos.

Am Samstag wurde groß gefeiert

Zum 100-jährigen Bestehen der Fürstlichen Notstandsküche luden Albert Fürst von Thurn und Taxis und seine Mutter Gloria zu einem Gottesdienst in der Basilika St. Emmeram und zu einer Feierstunde ein. Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kam. Die Notstandsküche sei der Familie ein Herzensanliegen, sagt Peter Styra, der Hausarchivar. Mehrere Hunderttausend Euro kostet der Betrieb jährlich.

© Archiv Thurn und Taxis

Fürst Albert I. vor der Notstandsküche. Er hat die Einrichtung gegründet. Das Foto stammt vermutlich aus dem Jahr 1950.

Nach dem Ersten Weltkrieg fehlt es den Menschen in Regensburg am Nötigsten. Anfang des Jahres 1919 kommt es zu Ausschreitungen, Geschäfte werden geplündert. Um die Not der Menschen ein wenig zu lindern, gründet Fürst Albert I. die Notstandsküche. In den ersten Jahren ist sie nur während der Wintermonate geöffnet, dann ganzjährig.

© pa/dpa/A. Weigel

Seit 20 Jahren für das Essen in der Notstandsküche verantwortlich: Koch Helmut Seitz

Helmut Seitz ist seit 20 Jahren Küchenchef. Er stellt den Speiseplan zusammen, steht am Herd und an der Essensausgabe. Unterstützt wird er von zwei Mitarbeitern. Die Caritas stellt die Berechtigungsscheine aus. In den Genuss einer warmen Mittagsmahlzeit kommen unter anderem Geringverdiener, Rentner, Alleinerziehende, Sozialhilfeempfänger und Studenten.

Die Küche ist vor einigen Jahren erneuert worden. Die Besucher können in der kleinen Gaststube neben der Küche essen oder im dahinter liegenden, prachtvollen ehemaligen Mönchsrefektorium, das zum Speisesaal umfunktioniert worden ist. An der Gewölbedecke zeigen Gemälde die biblische Szene der Speisung der Viertausend.

"Es ist toll, in so einem Saal essen zu dürfen", sagt einer der Besucher. Ein älterer Mann balanciert freudestrahlend seinen Teller auf einem Tablett in die Gaststube. Ein halbes Dutzend Leute ist schon da. Sie essen schweigend oder unterhalten sich leise. Die soziale Komponente sei auch wichtig, weiß Koch Seitz. Manche verabredeten sich hier zum Essen, müssten nicht selber kochen, kämen raus aus ihrem Zuhause.

© BR/Uli Scherr

Hausarchivar Peter Styra und Gloria von Thurn und Taxis haben zum Jubiläum eine Ausstellung vorbereitet.

Neben dem Festakt am Wochenende gibt es auch eine Jubiläumsausstellung zum 100-jährigen Bestehen der Notstandsküche. Hausarchivar Peter Styra und Hausherrin Gloria haben Fotos und Dokumente aus der hundertjährigen Geschichte der Einrichtung zusammengetragen. Hausherrin Gloria hat 1980 in die Familie Thurn und Taxis eingeheiratet. Das Erbe der Notstandsküche verwaltet sie gerne:

"Es war eine sehr katholische Familie und in einem katholisch geprägten Haus ist natürlich die Caritas ein wichtiger Bestandteil. Zu den sieben Gaben der Barmherzigkeit gehört ja: Hungrige speisen. Die haben das ernst genommen." Gloria von Thurn und Taxis