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Schüler stehen vor einer Tafel (Symbolbild)
© dpa-Bildfunk/Martin Schutt

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Astrid Uhr
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Schüler stehen vor einer Tafel (Symbolbild)

Pubertät ist eine anstrengende Entwicklungsphase, für Eltern und vor allem für die Jugendlichen selbst. Sie sind oft unzufrieden mit sich und der Welt. Wenn sie über ihre Probleme sprechen, dann bei ihren Freunden, bei Gleichaltrigen - und die treffen sie jeden Tag in der Schule. Deswegen macht die Petition der Unterhachinger Abiturienten Sinn: Aufklärung über psychische Krankheiten sollte im Unterricht einen festen Platz haben.

Schule muss aufklären: Prävention kann Suizide verhindern

"Es ist fast ein Skandal, dass unsere Kinder in der Schule bislang nicht über psychische Krankheiten aufgeklärt werden!", meint Isabelle Lang-Rollin, Fachärztin für Psychiatrie und Psychosomatik an der Psychosomatischen Klinik Windach. Denn Depression ist laut Weltgesundheitsorganisation die neue Volkskrankheit, von der auch immer mehr junge Menschen betroffen sind.

Im schlimmsten Fall führen depressive Störungen Jugendliche in den Suizid, nämlich dann, wenn die Symptome zu spät erkannt werden. Antriebslosigkeit, Reizbarkeit, Appetitlosigkeit, Rückzug: Das alles sind Anzeichen für eine Depression. Je früher diese Symptome erkannt werden, umso schneller kann dem Betroffenen geholfen werden.

Frühes Ansprechen in der Schule wichtig

Für Eltern, Lehrer und Mitschüler ist es nicht leicht, eine Depression zu erkennen, denn die Betroffenen reden selten offen über ihre Probleme. Depression zeichnet sich durch einen starken sozialen Rückzug aus.

"Mädchen verstummen eher, Jungen sind oft leichter reizbar, aggressiv. Dann fällt erstmal das störende Verhalten auf, und man denkt gar nicht an eine Depression." Prof. Martin Keck, Max Planck Institut für Psychiatrie in München

Die Betroffenen können sich nur schwer äußern, deswegen muss das Umfeld früh handeln, sagt Prof. Martin Keck, der sich auch beim Münchner Bündnis gegen Depression e. V. engagiert. Sein Credo: Frühes Erkennen, frühes Ansprechen, frühe Hilfe - bevor es zu spät ist. "Jede Depression ist potentiell eine tödliche Krankheit, mit Suizid als tragischste Konsequenz. Das können wir verhindern, zum Beispiel mit früher Aufklärung in der Schule", erklärt Keck.

Wenn Jugendliche Probleme haben, gehen sie zu Freunden

Im Lebensraum Schule verbringen die Jugendlichen viel Zeit, und sie sind gern unter Gleichaltrigen. "Wenn Jugendliche Probleme haben, gehen sie nicht zuerst zu ihren Eltern, sondern zu ihren Freunden. Deshalb sollten Mitschülerinnen und Mitschüler auch über Depressionen informiert sein", sagt Isabelle Lang-Rollin, die selbst schon Schulklassen besucht hat.

Dort hat sie ein großes Interesse an Aufklärung über psychische Krankheiten erlebt. "Wie kann ich meiner Freundin, meinem Freund helfen? Wie kann ich jemanden in der Schule ansprechen, wenn ich einen Verdacht habe?" Wenn Jugendliche sich mehr trauen würden, Betroffene anzusprechen, dann wäre das ein großer Erfolg, so Lang Rollin.

Symbolbild Depression

Symbolbild Depression

Möglichkeiten des Lehrplans

Bislang hat die Bayerische Staatsregierung nicht auf die Forderung der Abiturienten reagiert. Doch Alexander Spöri und seine Freunde gebe nicht auf. Sie überlegen bereits, wie man das Thema im Unterricht einbauen könnte. So wollen sie zum Beispiel im Rahmen des Ethik- oder Religionsunterrichtes in Rollenspielen erproben, wie man auf Betroffene zugehen könnte. Anhand von literarischen Texten aus der Epoche des Expressionismus sollen im Deutschunterricht Symptome von Depressionen gezeigt werden.

Auch Isabelle Lang-Rollin hat Ideen: "Im Biologie-Unterricht der Mittelstufe könnte verstärkt die Funktionsweise des Gehirns erklärt werden, um den Jugendlichen klar zu machen, welche chemischen Prozesse bei einer Depression ablaufen und welches konkrete Verhalten sich daraus ergibt."

Vorbildfunktion der Eltern

Immer höhere Leistungserwartungen von Seiten der Schule und der Eltern, das ist einer der Gründe für die Zunahme von Depression, da sind sich Experten einig. Deshalb kommt auch Eltern eine wichtige Rolle zu bei der Prävention, betont Prof. Martin Keck.

Eltern sollten ihren Kindern auch Inseln der Muße und Ruhe zugestehen, Hobbies frei machen von Leistungserwartungen. Denn: Fußball oder Tennis spielen kann auch Spaß machen, wenn man verliert. Der Kontakt mit Gleichaltrigen und die Bewegung steht im Vordergrund, so Prof. Martin Keck. Und das beugt auch der Depression vor.