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Große Sportvereine wie der Post SV Augsburg verlieren während der Corona-Pandemie viele Mitglieder – das Sportzentrum kann nicht genutzt werden

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Mitgliederschwund: Sportvereine sehnen Lockdown-Ende herbei

Der zweite Lockdown macht auch den Sportvereinen große Sorgen. Großvereine wie der TV Augsburg und der Post SV Augsburg verlieren mehr und mehr Mitglieder. Hält der Trend an, sehen sie sich vor existenziellen Herausforderungen.

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Von
  • René Kirsch
  • Torsten Thierbach
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Große Sportvereine wie der Post SV Augsburg verlieren während der Corona-Pandemie viele Mitglieder – das Sportzentrum kann nicht genutzt werden.

Heinz Krötz steht auf der Galerie seiner riesigen und menschenleeren Multifunktions-Sporthalle im Augsburger Westen und starrt ins Leere. Mit seinem Handy kann der Präsident des Post SV Augsburg jederzeit das Licht an- und ausschalten oder dimmen – doch für wen? Die Halle liegt im Halbdunkel und am Boden hat sich eine leichte Staubschicht angesammelt: "Das ist natürlich sehr traurig, das ist unser Schmuckstückchen im gesamten Sport- und Gesundheitszentrum – ausgestattet mit allem, was Sie sich vorstellen können. Das ist wirklich schwierig zu verarbeiten", sagt Krötz.

Millioneninvestitionen in Sportgelände liegen durch Corona brach

Für 17 Millionen Euro hat sich der Post SV ein top-modernes Sportgelände gegönnt, mit Fitnessstudio, Sauna und Wellness, Reha-Sport-Möglichkeiten und Tiefgarage. Gerade mal zwei Jahre ist das Gebäude alt, die Aufbruchstimmung beim Einzug war groß. Die Mitgliederzahlen wurden seit der Eröffnung mehr als verdoppelt, die riesige Investition begann sich zu amortisieren. Dann kam Corona und bei Heinz Krötz die Ernüchterung: "Wir haben sehr viel Geld in die Hand genommen, wollten durchstarten mit modernster Technik und jetzt sitzen wir hier schon wieder seit Monaten auf dem Trockenen. Da blutet das Herz sehr, muss man ganz klar sagen."

Jedes zehnte Mitglied hat in der Corona-Krise gekündigt

Zehn Prozent seiner Mitglieder und damit auch die Einnahmen hat der Post SV seit Beginn der Corona-Krise verloren. Er liege damit im bayerischen Durchschnitt, was Großvereine anbetrifft, sagt Doris Panacek. Sie ist beim Nachbarverein, dem TV Augsburg, als Geschäftsführerin für über 5.100 aktive Mitglieder verantwortlich und im regelmäßigen Austausch mit Verantwortlichen anderer bayerischer Großklubs wie dem MTV München oder dem Post SV Nürnberg. Sie alle haben laut Panacek ganz ähnliche Probleme: "Es dauert einfach zu lange, um wieder Sport treiben zu können. Am Anfang, im ersten Lockdown, war das noch relativ einfach, da haben die Leute gesagt: 'Naja, zwei bis drei Monate unterstützen wir euch.' Jetzt ist es der siebte Monat, den wir geschlossen sind, und jetzt ist zu beobachten, dass es von Monat zu Monat mehr werden, die uns den Rücken kehren." Dabei haben die Vereine mit ihren Hygiene-Konzepten alles versucht, beim TVA sogar Plexiglas in der Sauna eingebaut.

Sportreferent sieht Vereine vor "Riesen-Herausforderung"

Doch die Vereinstreue scheint auf dem Land deutlich ausgeprägter als in der Stadt, vermutet Panacek. Augsburger Sportreferent Jürgen Enninger mag ihr nicht widersprechen. Seit Oktober ist er im Amt. Er sieht unter den über 200 Sportvereinen der Stadt zwar noch kein Vereinssterben, den Mitgliederschwund aber mit großer Sorge: "Ich möchte nicht verheimlichen, dass es eine Riesen-Herausforderung ist, vor der wir stehen. Ziel muss einfach sein, dass wir bei sinkenden Infektionszahlen die Vereine schnellstmöglich wieder das machen zu lassen, was sie machen."

Augsburg unterstützt bei Fördergeld-Anträgen

Wann das sein wird? Wohl frühestens im April – da sind sich Sportreferent Enninger und die Vereinsvertreter einig. Bis dahin hilft die Stadt den Vereinen mit Online-Sprechstunden durch den Bürokratie-Dschungel beim Beantragen von Fördermöglichkeiten und Überbrückungsgeldern. Ob diese von Bund und Ländern aufgelegten Hilfen allerdings reichen werden, daran hat Bernd Zitzelsberger (CSU) massive Zweifel. Er sitzt im Sport-Ausschuss und Sport-Beirat der Stadt Augsburg und leitet beim Post SV die Schwimmabteilung mit über 400 Mitgliedern. Er kennt also beide Seiten: "Wir brauchen eigentlich einen Marshallplan für den Sport nach Corona. Mit Investitionen nicht im Millionen- sondern in Milliardenbereich - da sprechen wir schon mal über zwei, drei, vier, fünf Milliarden Euro." Mit dem Marshallplan halfen die Vereinigten Staaten von Amerika Europa nach dem Zweiten Weltkrieg mit Milliarden-Investitionen beim Wiederaufbau. Nur, wo soll jetzt derart viel Geld herkommen?

DOSB erwartet existenzielle Probleme für viele Sportvereine

Der Deutsche Olympische Sportbund – sozusagen der oberste Sportverein der Republik – erwartet, dass in den kommenden 12 Monaten etwas mehr als die Hälfte der Sportvereine in Deutschland in existenzielle Bedrängnis geraten. Heinz Krötz, seit über 30 Jahren Präsident des Post SV Augsburg, will sich daher lieber selbst helfen: "Sobald Corona vorbei ist, müssen wir mit dem Turbolader schauen, dass wir unsere Mitgliederzahlen in die Höhe kriegen."

Vereine hoffen auf Aufschwung nach dem Lockdown

Hoffnung zieht Krötz aus der Zeit nach dem ersten Lockdown, als die Mitgliederzahlen beim Post SV wieder deutlich stiegen – die Leute sich bewegen wollten. Vielleicht ist das jetzt auch die Hoffnung für Doris Panacek und den TV Augsburg: "Wir müssen schauen, dass wir zusammen durch diese Zeit kommen und dass wir dann halt wieder aufholen und wir hoffen einfach, dass die Mitglieder dann wiederkommen und sagen: Der TVA ist Super! Und den unterstützen wir."