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"Mitarbeiter ausgeblutet": Wieder Streik bei Amazon in Graben | BR24

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Pünktlich zum Schnäppchen-Event bei Amazon hat die Gewerkschaft Verdi die rund 1.700 Mitarbeiter in Graben zum Streik aufgerufen. Insgesamt begann an sechs Standorten in Deutschland ein Streik.

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"Mitarbeiter ausgeblutet": Wieder Streik bei Amazon in Graben

Pünktlich zum jährlichen zweitägigen Schnäppchen-Event bei Amazon ruft Verdi auch die rund 1.700 Mitarbeiter in Graben zum Streik auf. Die Gewerkschaft kämpft seit Jahren für einen Tarifvertrag. Dabei könne sich das Unternehmen mehr Lohn leisten.

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Nach wie vor sperrt sich Amazon gegen einen Tarifvertrag, nach wie vor möchte die Gewerkschaft einen solchen erreichen. Außerdem kämpft Verdi für eine bessere Vergütung der Beschäftigten, die seit Beginn der Corona-Krise "ausgeblutet" würden, so die Verdi-Vertreterin.

Überstunden und hoher Arbeitsdruck

Der Boom des Online-Handels sei ungebrochen. Für die Mitarbeiter bedeute das: viele Überstunden und hoher Arbeitsdruck. Volle zwei Tage sollen nun die Beschäftigten aus allen Schichten die Möglichkeit zum Streik haben.

Deshalb hat die Aktion in Graben (Landkreis Augsburg) mit der ersten Nachtschicht gestern Abend begonnen und endet am Donnerstag in den Morgenstunden nach der Nachtschicht. Um eine große Ansammlung vor den Werkstoren zu vermeiden, soll der Streik gestaffelt stattfinden.

"Amazon kann sich Gehaltssteigerung leisten"

Amazon könne sich höhere Gehaltssteigerungen durchaus leisten, erklärte der Verdi-Experte für den Einzel- und Versandhandel, Orhan Akman. "Von den wirtschaftlichen Problemen, mit denen sich Ketten des stationären Einzelhandels durch Lockdown und andere Corona-Beschränkungen konfrontiert sehen, ist Amazon weit entfernt", betonte er.

Verdi beklagt Gehalts-Lücke

Der Konzern habe den Beschäftigten im September zwar eine Gehaltserhöhung von 1,8 Prozent gewährt und sich damit an den tarifvertraglich im Einzelhandel vereinbarten Einkommenssteigerungen orientiert. "Allerdings klafft nach wie vor eine Lücke bei Sonderzahlungen wie dem Weihnachts- und Urlaubsgeld", kritisierte Akman. Deshalb gebe es keine Alternative zum Abschluss eines Tarifvertrags.

Amazon wehrt sich

Amazon wehrt sich gegen die Vorwürfe. Man zahle "bereits exzellente Löhne, exzellente Zusatzleistungen" und biete "exzellente Karrierechancen" in einer sicheren Arbeitsumgebung. In einer Pressemitteilung führt PR-Manager Michael Schneider an, dass die Beschäftigten in Graben aktuell zwischen 12,12 Euro und 14,51 Euro brutto in der Stunde verdienten. Zwischen Mitte März und Ende Mai seien zusätzlich zwei Euro pro Stunde ausgezahlt worden, die Vollzeitmitarbeiter hätten außerdem einen Bonus von 500 Euro für den Juni erhalten.

"Streik hat keine Auswirkungen auf Abläufe"

Schneider betont, der Streik habe keine Auswirkungen auf die Abläufe bei dem Dienstleister - die Pakete würden pünktlich ausgeliefert, der große Teil der Mitarbeiter arbeite heute wie üblich.

Verdi kämpft seit Jahren dafür, dass die Amazon-Beschäftigten einen Tarifvertrag bekommen und nach dem Tarif für den Einzel- und Versandhandel bezahlt werden. Amazon weist die Forderungen stets zurück. Nach Angaben des Unternehmens gibt es in Deutschland 13.000 fest angestellte Mitarbeiter in den insgesamt 13 Logistikzentren; hinzu kommen Saisonkräfte.

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