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Bayerns Innenstädte: Mit Vielfalt gegen Verödung | BR24

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Die Innenstädte drohen zu veröden, weil die Menschen im Internet einkaufen. Warum auch mühsam die Dinge nach Hause schleppen, wenn der Paketbote sie liefert?! Was muss also passieren, damit die Menschen trotzdem weiter in die Innenstädte kommen?

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Bayerns Innenstädte: Mit Vielfalt gegen Verödung

Sie müssen sich ändern, um zu überleben. Bayerns Innenstädte und Fußgängerzonen drohen zu veröden. Um attraktiv zu bleiben, müssen sie andere und neue Attraktionen bieten. Die Nutzung soll bunter werden, aber es wird auch Verlierer geben.

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Seit Jahren ist zu beobachten, dass in den Fußgängerzonen Geschäfte schließen und Bayerns Innenstädte drohen zu veröden. Doch es gibt auch Gegenbewegungen und die Suche nach neuen Konzepten.

Jürgen Kellerhals geht schon mal ein Risiko ein. Jetzt hat er eine Immobilie gekauft, die sieben Jahre lang keiner wollte. Lässig schlendert der Immobilienentwickler durch die Ingolstädter Fußgängerzone, im saloppen Leinenanzug, Einstecktuch und Pferdeschwanz – eine unkonventionelle Erscheinung und er ist bereit, neue Wege zu gehen.

Öde Innenstädte

Jetzt steht er vor seinem neuen Besitz, so neu, dass er noch nicht einmal den Schlüssel dafür hat. Er findet ein Loch in der schmutzigen Folie, mit der die Glastüren verhängt sind. So kann er einen Blick auf die öden, ehemaligen Verkaufsflächen des alten C&A-Kaufhauses werfen. Kaum zu glauben, dass hier wieder Leben einkehren soll, aber Jürgen Kellerhals glaubt an sein Konzept. "Einen einzigen Mieter für das ganze Haus, wie früher C&A, das werden wir sicher nicht finden", da macht sich Kellerhals keine Illusionen. Er wird viele, unterschiedliche Mieter suchen: Kleine Shops, Restaurants, Büros, vielleicht hat sogar die Uni Interesse.

Neue Ideen um zu Überleben

Das Konzept findet Markus Wotruba gut. Er ist Leiter der Standortforschung bei der BBE Handelsberatungs GmbH. Das ist ein Beratungsinstitut, des Bayerischen Handelsverbandes und auf der Suche nach Konzepten für die Innenstadt von morgen.

"Unsere Straßen werden bunter. Wir bekommen zum Beispiel mehr Gastronomienutzung. Wir haben in den Obergeschossen auch mehr Dienstleistungen, zum Beispiel Arztpraxen, Fitnessstudios, Freizeitnutzung und auch das Thema Wohnen spielt eine große Rolle. Die Innenstädte werden auch ein immer attraktiverer Ort zum Leben. Hier wird die Nachfrage sicher steigen." Markus Wotruba, BBE Handelsberatungs GmbH

Verstärkung durch Corona

Es ist ein Problem, das nicht nur Ingolstadt hat. Das Sterben der Fußgängerzonen ist in ganz Bayern schon seit Jahren zu beobachten: Shoppingmalls auf der grünen Wiese und besonders der Internethandel haben den traditionellen Geschäften viele Kunden gekostet. Und jetzt noch Corona-Pandemie! Sie wirkt wie ein Beschleuniger, für den Wandel.

Manche wollen den Wandel aufhalten

Nicht Nostalgie treibt sie auf die Straße, sondern die pure Angst um ihr Existenz: Die Mitarbeiter des Kaufhofs, ebenfalls in der Ingolstädter Fußgängerzone. "Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz" steht auf einem Transparent, auf einem anderen: "Es geht um unsere Existenz" und "Ohne unser Warenhaus gehen hier die Lichter aus!" Viele arbeiten seit Jahrzehnten hier und können nicht verstehen, warum das Kaufhaus jetzt schließen soll. Einen neuen Job zu finden, wird für einige schwer werden.

Der Oberbürgermeister ist hilflos

Um Solidarität zu zeigen ist Oberbürgermeister Christian Scharpf in die Fußgängerzone gekommen. Er verfolgt bedrückt, wie die Menschen verbissen ihre Parolen rufen. "Das ist wirklich traurig", sagt Scharpf. "Weil die müssen jetzt das alles ausbaden, diese Entwicklung - diese Zeitenwende vor der wir jetzt stehen." Der OB weiß aber auch, dass die Arbeitsplätze aller Wahrscheinlichkeit nach verloren sind.

"Die Innenstadt ist immer Wandlungen unterworfen gewesen. Das ist ganz klar und darum müssen wir uns etwas Anderes überlegen. Mit den Konzepten von gestern kommen wir nicht weiter." Ingolstadts Oberbürgermeister Christian Scharpf

Ende und Neuanfang nebeneinander

Nur wenige Meter weiter steht das ehemalige C&A-Gebäude, die Neuerwerbung von Investor Jürgen Kellerhals. Während die Kaufhofmitarbeiter noch verzweifelt ihre Plakate schwenken und um Ihre Arbeitsplätze fürchten, könnten hier bald neue entstehen. Spätestens kommenden März soll die Eröffnung sein. Jürgen Kellerhals ist froh, dazu beizutragen, dass einige Arbeitnehmer wieder eine Perspektive haben werden. Er macht sich aber trotzdem keine Illusionen: "Ich meine, mit meinem Haus kann man nicht viel bewegen in der Stadt. Da ist die ganze Gemeinschaft gefragt: die Politik und besonders der neue Bürgermeister, der die Dinge in die richtigen Wege leiten muss."

Das Ziel dabei ist, dass die Stadt wieder zu einer Stätte der Begegnung wird, sozusagen ein Gegenentwurf zum Internet, wo jeder allein vor dem Bildschirm sitzt.

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