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Mit staatlicher Prüfstelle: Bayern nimmt Schutzmasken ins Visier | BR24

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In München gibt es eine neue staatliche Prüfstelle für Schutzgüter. Das sind zum Beispiel Schutzmasken und Handschuhe. Die Experten sollen dort Mund-Nase-Masken der Kategorien FFP2 und FFP3 im Labor auf ihre tatsächliche Filterleistung prüfen.

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Mit staatlicher Prüfstelle: Bayern nimmt Schutzmasken ins Visier

Der Freistaat hat eine staatliche Prüfstelle eingerichtet, die die Qualität von Masken, Schutzanzügen und Handschuhen prüft. Sie soll private Prüfstellen entlasten. Die Staatsregierung will damit schwarzen Schafen der Branche das Handwerk legen.

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In Bayern nimmt ab sofort die "Prüfstelle für Schutzgüter" (BayPfS) ihre Arbeit auf. Ziel ist es, unsichere Schutzausrüstungen wie Mund-Nasen-Masken vom Markt zu nehmen. Das Labor wurde am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in München aufgebaut. Der Freistaat stellt dafür rund 2,7 Millionen Euro aus dem Sonderfonds "Corona-Pandemie" bereit. Zehn Fachleute sollen dort künftig tätig sein, sieben sind bereits im Einsatz.

Erste staatliche Prüfstelle Deutschlands

Die Experten untersuchen beispielsweise Schutzmasken, Anzüge und Handschuhe. "Die Menschen müssen sich darauf verlassen können, dass die Schutzgüter auf dem Markt auch funktionieren. Schwarzen Schafen muss das Handwerk gelegt werden", so Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). Die Prüfstelle in München ist dem Verbraucherschutzministerium zufolge die bislang erste staatliche in Deutschland und soll vorhandene private Prüfstellen wie TÜV oder DEKRA entlasten.

Sicherheit vor Schnelligkeit

Für Thorsten Glauber steht fest: "Wir müssen aus der Corona-Pandemie lernen und bei der Schutzausrüstung auf Sicherheit statt Schnelligkeit setzen." Man habe erlebt, dass Bundesgesundheitsminister Spahn plötzlich warnen musste, dass unsichere Masken im Umlauf sind. Das will Glauber mit der Prüfstelle verhindern.

Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel

Zunächst sollen die in großer Zahl auf dem freien Markt erhältlichen Schutzmasken der Kategorien FFP2 und FFP3 insbesondere auf ihre Filterleistung hin untersucht werden. Die Masken werden von der Gewerbeaufsicht bei Kontrollen vor Ort eingezogen und in dem neuen Labor der BayPfS auf ihre Tauglichkeit geprüft. Dazu wurden unter anderem ein Wärmeschrank, eine künstliche Lunge und eine Prüfanlage für die Wirksamkeit von Filtermaterialen angeschafft. Bei Qualitätsmängeln werden die Schutzmittel dann für die Verwendung gesperrt.

Check von Verpackung und Beschriftung

Zudem hat das Verbraucherschutzministerium den "ProduktCHECK Corona" ins Leben gerufen. Hier werden momentan direkt beim Händler vor Ort vor allem Desinfektionsmittel auf richtige Kennzeichnung und Verpackung überprüft. Fehlerhafte Produkte ziehen die Gewerbeaufsichtsämter direkt aus dem Verkehr.

Immer wieder Probleme mit unsicheren Masken

Wie BR-Recherchen Anfang des Monats zeigten, lieferte das Bundesgesundheitsministerium in der Hochphase der Corona-Pandemie mehr als 800.000 unsichere Schutzmasken aus, die für Ärztinnen und Ärzte bestimmt waren. Die Masken wiesen Mängel auf oder entsprachen nicht den Anforderungen.

Auch an bayerische Arztpraxen wurden mangelhafte Masken geliefert. Das Ministerium begründet diese Fehlzustellungen unter anderem mit dem Zeitdruck in der Pandemiesituation. Die fehlerhafte Ware sei zurückgerufen worden.

Schnellwarnsystem Rapex

Ob eine Maske unsicher ist oder nicht, ist mit bloßem Auge nicht erkennbar. Nur Labortests können Klarheit schaffen, ob eine Maske genügend abdichtet oder genügend filtert. Sonst könnten Mikroorganismen oder Partikel trotz Maske eingeatmet werden. Unter anderem solche Meldungen finden sich in der EU-weiten Rapex-Datenbank beziehungsweise in ihrer deutschen Entsprechung bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Im EU-Schnellwarnsystem Rapex wird aktuell vor 90 Modellen unsicherer Schutzmasken gewarnt. Meist handelt es sich um Masken vom Typ FFP2 oder KN95, bei denen das Ansteckungsrisiko für den Träger erhöht ist.

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