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Der Maibaumkletterer wirkt aus der Entfernung wie ein kleiner Käfer. In Petersthal wurde die Tradition nach langer Pause heuer fortgesetzt.

Bildrechte: BR / Thomas Pösl
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Mit Harz an Händen und Füßen - Die Kunst des Maibaumkletterns

Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause wurde in Petersthal im Landkreis Oberallgäu die Tradition des Maibaumkletterns wieder aufgenommen. Für den Aufstieg braucht es Mut, Kraft und eine Geheimrezeptur.

Von
Thomas PöslThomas PöslTorsten ThierbachTorsten Thierbach
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Corona hat das Ausüben vieler bayerischer Traditionen verhindert. So auch das Maibaumklettern. Vier Jahre lang pausierte das Ereignis in Petersthal im Kreis Oberallgäu. Jetzt fand es wieder statt und das ganze Dorf war dabei.

"Endlich wieder klettern"

Magnus Jörg aus Petersthal ist der erste, der auf den Maibaum hochklettert. Barfuß und mit bloßen Händen hält er sich fest. Von der Bergwacht durch ein Kletterseil gesichert, geht es Meter um Meter nach oben. Das ganze Dorf feuert Magnus an.

Petersthal, ein Ortsteil von Oy-Mittelberg, ist stolz auf das Maibaumklettern, sagt Thomas Reiser. Der Vorsitzende des Trachtenvereins richtet das Maibaumklettern alle zwei Jahre aus. Zuletzt war die Pause allerdings länger. "Wir haben zuletzt 2018 das Maibaumklettern gehabt. Corona hat das ganze verzögert. Jetzt können wir endlich wieder klettern."

Geheimnisvolle Harzmischung soll Aufstieg erleichtern

Stolze 40 Meter hoch ist der Maibaum heuer in Petersthal. Es ist eine Fichte ohne Rinde. Wer oben ankommt, muss eine Glocke schlagen. "Das Klettern am Stamm hoch heißt Häzen bei uns im Dialekt", erzählt Reiser. Damit die Kletterer auch hinaufkommen, haben die Mitglieder des örtlichen Trachtenvereins einige Vorbereitungen getroffen: einen Brenner und eine spezielle Harzmischung nach eigener Rezeptur. Die sollen sich die Kletterer an Arme, Beine, Hände und Füße schmieren, für mehr Haftung am Maibaum. "Das ist das Entscheidende am Schluss, ob es dann klebt oder nicht. Ob man schnell ist oder langsam."

Buben wie Mädchen versuchen den Maibaum zu erklimmen

Magnus Jörg, der erste Kletterer, schafft es bis hoch oben an die Glocke am Kranz. Etwa 20 weitere Kletterer wagen sich ebenfalls an den Maibaum, Buben wie Mädchen. Außerdem sind einige dabei, die auch schon in den vergangenen Jahren beim Petersthaler Maibaumklettern erfolgreich waren. Jakob Ritter hat den Maibaum in den vergangenen Jahren schon in 37 Sekunden erklettert und weiß, worauf es ankommt: eiserner Wille und etwas in Form sein müsse man auch. Und das ist der vollbärtige Allgäuer, der schnurstracks nach oben steigt und keine Minute später die Glocke erreicht.

Beim Maibaumklettern gibt es mehrere Sieger in unterschiedlichen Altersstufen, sie dürfen einen Pokal mit nach Hause nehmen. Außerdem eine Urkunde, Wurst und Allgäuer Käse. Das gibt Kraft fürs nächste Maibaumklettern in Petersthal.

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