BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Jörg Beckmann, Tiergarten Nürnberg
Bildrechte: Jörg Beckmann, Tiergarten Nürnberg

Die beiden Bartgeier, die ausgewildert werden, sind erst etwa 90 Tage alt. Dementsprechend fehlt ihnen noch die rote Färbung.

2
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Mit GPS-Sendern ausgestattet: Bartgeier bereit für Auswilderung

Langsam, aber sicher wird es ernst für die beiden Bartgeier, die derzeit noch in der Quarantäne-Station des Nürnberger Tiergartens untergebracht sind. Alle Vorbereitungen sind abgeschlossen. Nun steht dem Weg in die Freiheit fast nichts mehr im Wege.

2
Per Mail sharen
Von
  • Florian Deglmann

Es handelt sich aus Naturschutzsicht um eine Sensation: Am Mittwoch sind zwei Bartgeier-Junge in Schwaig bei Nürnberg für die Auswilderung im deutschen Alpenraum vorbereitet worden. Es ist das erste Mal seit über 100 Jahren, dass die Tiere wieder deutschen Boden "betreten" und in die freie Wildbahn entlassen werden.

Bartgeier bekommen GPS-Sender

Die beiden 90 Tage alten Vögel kamen bereits am Samstag aus Andalusien in Spanien und wurden heute in der Quarantäne-Station des Nürnberger Tiergartens in Schwaig für die Nachverfolgung mit GPS-Satellitensendern ausgestattet und ihr Gefieder zur Wiedererkennung mit etwas Bleichmittel markiert. Beringt waren sie bereits.

LBV und Partner planten Geier-Projekt drei Jahre lang

"Es ist unglaublich, dass das jetzt wirklich passiert. Ich kann es noch gar nicht fassen. Es fühlt sich nicht real an", freut sich Tino Wegscheider vom Landesbund für Vogelschutz (LBV), der das Projekt von LBV, dem Tiergarten Nürnberg und dem Nationalpark Berchtesgaden leitet. Drei Jahre hätten die Vorbereitungen gedauert. "Rekordverdächtig", sagt Wegscheider. So schnell sei ein solches Projekt noch nirgends realisiert worden.

Auswilderung im Nationalpark Berchtesgaden

Am Donnerstag kommt schließlich der große Tag und die beiden Bartgeier werden in den Nationalpark gebracht, wo die Auswilderung beginnt. Zunächst sollen die beiden Aasfresser in einer Felsnische ausgesetzt werden. Denn die Vögel sind in ihrem jungen Alter noch nicht flugfähig. Deshalb werden sie während der Eingewöhnungsphase mit Futter versorgt.

Alpen bieten Bartgeiern gute Überlebenschancen

Die Chancen, dass alles gutgeht, stehen laut Tino Wegscheider sehr gut: "Die Tiere sind ja genetisch darauf gepolt, dass sie im Alpenraum überleben können." Zudem sei die Methodik für diese Art der Auswilderung sehr erprobt, nur eben bislang noch nicht in Deutschland durchgeführt worden. Statistisch gesehen haben die Tiere im ersten Lebensjahr eine Überlebenswahrscheinlichkeit von 88 Prozent. In den Folgejahren steige sie sogar auf 96 Prozent, so Wegscheider: "Da kann eigentlich nicht viel passieren."

Wetterbedingungen nicht optimal

Unwägbarkeiten gebe es immer, gesteht der Geier-Experte ein. Die Wettervorhersage für morgen ist nicht optimal: Gewitter könnten das Aussetzen der kleinen Geier durchaus erschweren. "Wir hoffen einfach mal das Beste. Wenn morgen Mensch und Tier glücklich da ankommen, wo sie hinsollen, dann sind wir alle happy. Alles was für die Vorbereitung möglich war, haben wir gemacht."

Geier-Bestand soll gesichert werden

In der Zukunft wolle man nun weiter den gesamten Gen-Pool und die Population im ostalpinen Raum stärken, da sei man nicht auf Deutschland festgelegt, sagte Toni Wegscheider im BR-Interview. "Unsere Geier dürfen gerne nach Österreich düsen, sich dort verpaaren und dort leben." Für die kommenden zehn Jahre sind weitere Projekte mit Bartgeiern in diesem Gebiet geplant. In der Hoffnung, dass bis dahin genügend Geier über den Ostalpen kreisen, um den Bestand zu sichern.

Tiergarten Nürnberg hofft auf fränkischen Bartgeier in Deutschland

Auch im Tiergarten Nürnberg wird die Zucht und Auswilderung von Bartgeiern vorangetrieben. In der Vergangenheit habe man schon einige dieser Tiere auswildern können, allerdings noch nicht in Deutschland. In diesen Jahr hatte der Tiergarten Pech, sagte Jörg Beckmann, stellvertretender Direktor des Tiergartens, dem BR: "Es wurden zwei Eier gelegt, die waren auch beide befruchtet. Das eine ist allerdings während der Brut kaputt gegangen. Und aus dem zweiten ist leider auch nichts geschlüpft." Das komme vor, so Beckmann.

Trotzdem freue er sich, das Projekt mit den zwei andalusischen Vögeln unterstützen zu können und hofft auf die Zukunft: "Wer weiß, vielleicht klappt es ja nächstes Jahr und dann kann ein fränkischer Geier nach Berchtesgaden umziehen."

© BR
Bildrechte: BR

In Deutschland gibt es Bartgeier schon seit langer Zeit nicht mehr. Nun wird versucht, sie in den bayerischen Alpen wieder anzusiedeln. Zwei Bartgeier sollen im Nationalpark Berchtesgaden ausgewildert werden.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!