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Mit gebremstem Elan nach Jerusalem: "Jesus Christ Superstar" | BR24

© Pamela Raith/Deutsches Theater

Verfolgt und verraten: Jesus Christ Superstar

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Mit gebremstem Elan nach Jerusalem: "Jesus Christ Superstar"

Kaum zu glauben, dass "Jesus Christ Superstar" bei Musical-Produzenten zunächst auf Desinteresse stieß. Erst eine Doppel-LP brachte 1971 den Durchbruch. Jetzt machte in München eine Tourneeproduktion Station. Nachtkritik von Peter Jungblut.

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Gern hätte sich Andrew Lloyd Webber ausführlicher mit der biblischen Geschichte beschäftigt, doch weil er Anfang der siebziger Jahre keine Bühne fand, die "Jesus Christ Superstar" herausbringen wollte, musste sich der Komponist auf die Spieldauer von zwei Langspielplatten beschränken, also knapp neunzig Minuten. Sehr viel länger dauert das Musical heute auch nicht, obwohl Webber sein Stück nach dem späteren legendären Erfolg um einige Nummern ergänzte.

Allzu routinierte Produktion

Am Deutschen Theater München war "Jesus Christ Superstar" jetzt in einer soliden, aber allzu routinierten Tourneeproduktion zu sehen. Optisch durchaus überzeugend, fehlte es der Produktion ganz offensichtlich an der Begeisterung und Einsatzfreude der Mitwirkenden. Womöglich sind sie schon allzu lange unterwegs, waren müde oder hatten einen "uninspirierten" Abend. Jedenfalls ließ die eigentlich anrührende Handlung weitgehend kalt. Glenn Carter als Jesus wirkte wenig charismatisch, ja zeitweise gelangweilt. Der burschikose und jugendliche Tim Oxbrow war als Judas fehlbesetzt. Ihm fehlten der zwiespältige Charakter und die dunkel-maskuline Stimmfärbung. Dagegen konnte Rebekah Lowings mit sanfter Stimme und zurückhaltender Gestik als Maria Magdalena überzeugen. Ebenfalls beeindruckend: Die Riege der "bösen" Pharisäer, die Jesus aus dem Weg räumen.

Weltweit 300 Inszenierungen jährlich

Ärgerlich war die Orchesterleistung: Laut und ruppig ging es im Graben zu, die Balance stimmte selten. Die Tonanlage ließ mal die Höhen, mal die Bässe vermissen. Von den vielen satirischen Anspielungen in der Partitur von Webber war nichts zu hören. Da "Jesus Christ Superstar" jedoch jedes Jahr weltweit sagenhafte 300 Mal allein von Laiengruppen neu inszeniert wird und auch auf etlichen deutschen Bühnen präsent ist, gibt es sicher bald abermals Gelegenheit, das mitreißende und nach wie vor jugendfrische Werk zu erleben. Die Augsburger Freilichtaufführung am Roten Tor von 2006 zum Beispiel ist auch zehn Jahre danach noch in bester Erinnerung.


© Pamela Raith/Deutsches Theater

Erlösung: Jesus Christ Superstar