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Mit einem neuentwickelten Simulator können etwa Einsatzkräfte der Feuerwehr die Fahrt zu einem Einsatz üben. Eines dieser Geräte steht derzeit bei der Feuerwehr in Freihung in der Oberpfalz

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Mit dem Feuerwehrauto-Simulator auf Übungsfahrt zum Einsatzort

Sie rücken aus, um Leben zu retten: Doch auf der Fahrt zum Einsatzort ist das Unfallrisiko auch für die Feuerwehrkräfte selbst groß. Mit neuen Simulatoren möchte ein bayernweites Pilotprojekt Abhilfe schaffen.

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Von
  • Annalena Sippl

Sirenen heulen unaufhörlich, Blaulicht blinkt auf, Regen prasselt auf die Straße: Am Steuer des Wagens sitzt Feuerwehrfrau Melanie Kirschner. Ihr Ziel: trotz aller Schwierigkeiten sicher am Einsatzort ankommen. Doch überfahrene Ampeln oder Zusammenstöße sind an diesem Freitagabend kein Problem, denn die 26-Jährige steuert kein echtes Feuerwehrauto, sondern einen Simulator.

Dieser ist in einem Anhänger verbaut und steht in einer Halle der Freiwilligen Feuerwehr Freihung. "Ich bin total aufgeregt, weil so etwas habe ich noch nie gemacht", sagt Melanie Kirchner.

Feuerwehrauto-Simulator ist 175.000 Euro wert

Neben dem Simulator, der momentan in Freihung steht, gibt es noch einen zweiten. Beide Geräte wurden gemeinsam vom Bayerischen Staatsministerium des Innern für Sport und Integration und der Versicherungskammer Bayern angeschafft. Ihr Wert liegt jeweils bei rund 175.000 Euro. Die Simulatoren sind Teil eines Pilotprojektes, das im Landkreis Amberg-Sulzbach seine erste Station hat. Von nun an werden die Einsatzfahrten-Simulatoren vielerorts in Bayern Halt machen und jeweils für zwei bis vier Wochen in verschiedenen Städten und Landkreisen bleiben.

Üben von Einsatzfahrten in der Realität quasi unmöglich

Neben Melanie Kirschner sind an diesem Abend noch vier weitere Feuerwehrkräfte vor Ort, die an dem Gerät üben möchten. Nach 45 Minuten Theorie-Auffrischung nehmen sie nacheinander am Steuer des Simulators Platz. Für alle eine ganz neue Situation, wie Florian Ramsl von der Versicherungskammer Bayern weiß. Er begleitet heute das Training.

"Das Handling der Fahrzeuge können sie am Platz oder auf der Straße üben", so Ramsl. Doch Einsatzfahrten unter Zeitdruck, mit Blaulicht und Martinshorn, das könne man in der Realität nicht üben. "Zum einen würde man die anderen Verkehrsteilnehmer gefährden, zum anderen trifft man nur selten auf brenzlige Situationen." Im Simulator, so Ramsl, könne man die Gefahrensituationen aber durchspielen, vom Überfahren von roten Ampeln bis hin zu Überholmanövern auf der Landstraße.

Fußgänger sorgt für Schrecksekunde

Nach einer kurzen Eingewöhnungsfahrt um den Simulator kennenzulernen, beginnt für Melanie Kirschner die erste virtuelle Einsatzfahrt. Während sie im Führerhaus sitzt und fährt, beobachten die anderen ihre Fahrt auf einem großen Monitor hinter ihr. Ein Fußgänger taucht plötzlich hinter einem abgestellten Wagen auf. Nur sehr knapp kann die 26-Jährige ausweichen.

Plötzlich bremsende Autos und eingehende Funksprüche sorgen für zusätzlichen Stress. "Eigentlich läuft es ganz gut", sagt die Feuerwehrfrau. "Bis auf den Fußgänger", fügt sie an und erntet Gelächter. Kurze Zeit später tritt sie auf die Bremse. "Angekommen, heil angekommen. Vielleicht hätte ich noch ein bisschen mehr auf meine Geschwindigkeit schauen können", resümiert Kirschner, "aber im Großen und Ganzen hat es gepasst!"

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Alle verfolgen die Fahrt mit dem Simulator. Auch Florian Ramsl (r.) von der Versicherungskammer Bayern ist beim Training in Freihung dabei.

Risiko für Unfälle im Einsatz ist hoch

Seit etwa sieben Jahren ist sie bei Feuerwehren aktiv. Einen Unfall auf dem Weg zum Einsatz hat sie in dieser Zeit noch nicht erlebt. Dass solche Unglücke aber vorkommen, weiß Florian Ramsl. "Man kann davon ausgehen, dass jährlich in Bayern zehn bis 20 schwere Unfälle auf Einsatzfahrten passieren. Und das Risiko, während einer Einsatzfahrt schwer zu verunglücken, liegt ungefähr 20 Mal höher als bei einer normalen Fahrt." Durch Fahrtrainings wie mit dem Simulator sollen Feuerkräfte mehr Sicherheit bekommen und das eigene Fahrverhalten gegebenenfalls anpassen.

Gemeinsame Auswertung nach der Fahrt

Damit die virtuelle Fahrt für alle Teilnehmenden nicht nur ein Erlebnis bleibt, sondern auch einen Lerneffekt hat, werden die Fahrten anschließend in der Runde ausgewertet. "Da war ich viel zu schnell, oder?", fragt Kirschner den Trainer. Er bejaht. Das zu hohe Tempo ist sein Hauptkritikpunkt an Melanie Kirschners erster virtuellen Einsatzfahrt. Dann kommen die anderen an die Reihe. Auf jeden wartet eine neue Strecke, mit neuen Herausforderungen: Wildschweine auf der Fahrbahn, dichter Nebel oder eine blockierte Rettungsgasse.

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Nach jeder Übungsfahrt im Simulator werden Details und Fahrmanöver in der Gruppe ausgewertet.

Simulator hat viele Vorteile

Dass sie alle hier an einem späten Freitagabend noch üben können ist einer der Vorteile des Pilotprojektes: "Die neuen Simulatoren können von den Feuerwehrausbildern vor Ort selbst betrieben werden", so Ramsl. "Dadurch können nun ehrenamtsfreundlich auch abends und an Wochenenden Trainings angeboten werden." Hinzu kommt, dass die Einsatzkräfte dank des Simulators kostengünstig und ohne Unfallgefahr üben können und auch Abgase werden nicht freigesetzt.

Auf Pilotphase soll Regelbetrieb folgen

Auch bei Melanie Kirschner kommt der Simulator gut an. "Ich finde schon, dass es dem echten Fahren sehr nah kommt. Und zu Anschauen, Ausprobieren und Üben finde ich ihn echt gut." Schon bald wird der Simulator den Landkreis Amberg-Sulzbach verlassen. Die nächsten geplanten Stationen sind Ansbach, der Landkreis Bamberg, Rosenheim und der Landkreis Regen. Diese Pilotphase soll für etwa ein halbes Jahr durchgeführt werden. Danach wolle man mit den beiden Simulatoren in den Regelbetrieb übergehen, so Florian Ramsl. "Das heißt, alle Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern können die Simulatoren dann anfordern."

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Rund 175.000 Euro kostet ein Einsatzfahrten-Simulator.

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