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Mit dem Autoführerschein Motorrad fahren: Eine Bilanz | BR24

© picture alliance/Thomas Frey/dpa

Motorradfahrer auf einer Yamaha mit 125 ccm.

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    Mit dem Autoführerschein Motorrad fahren: Eine Bilanz

    Für viele Motorradfans ist ein Traum wahr geworden: Seit Anfang des Jahres können sie auch als Autofahrer den sogenannten "Führerschein B196" machen - und damit kleinere Motorräder fahren. Ganz ohne praktische oder theoretische Prüfung.

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    Seit Beginn dieses Jahres können Autofahrer den sogenannten "Führerschein B196" machen. Eine günstige Gelegenheit für alle, die schon immer eine sportlichere Variante von Zweirädern fahren wollten.

    So können etwa kleine Motorräder oder Roller genutzt werden. Mindestens neun Unterrichtseinheiten zu jeweils 90 Minuten, braucht es dafür. Eine Prüfung müssen die Autofahrer jedoch nicht absolvieren.

    Voraussetzungen: Alter und Autoführerschein

    Dieter Fehringer hat sich so eine Möglichkeit schon immer gewünscht. Jetzt, mit 51 Jahren, kann er sich endlich seinen Traum vom Motorradfahren erfüllen, ohne eine Prüfung ablegen zu müssen. Denn seit Januar kann jeder die Führerschein-Erweiterung B196 machen. Jeder, der mindestens 25 Jahre alt ist und den Autoführerschein seit fünf Jahren besitzt.

    In seiner Jugend ist Fehringer bereits Mofa gefahren - Motorrad aber nie. Nochmal komplett neu den Zweiradführerschein machen, büffeln für die theoretische Prüfung und dann eventuell "mit 50 Jahren durch die Prüfungen rasseln", sagt der Ingolstädter, "das wollte ich auf keinen Fall". Zwei Praxisstunden à 90 Minuten hat er bisher geleistet.

    Christian Sutor, sein Fahrschullehrer, besitzt seit fast dreißig Jahren eine Fahrschule in Ingolstadt. Vor allem Motorradfahren liegt ihm am Herzen und so findet er die Erweiterung des Zweiradführerscheins grundsätzlich gut: "Wer den B196 macht, fährt ja schon meist vorher einen 50 Kubik Scooter und will dann einfach ein flotteres Gefährt." Fehringer sei aus seiner Sicht wirklich eine große Ausnahme, mit so wenig Zweirad-Erfahrung und doch einem so guten Handling.

    Üben der Vollbremsung besonders wichtig

    In den ersten Stunden üben die beiden sogenannte "Grundfahraufgaben". Christian Sutor zeigt dem 51-Jährigen beim Slalomfahren, wie wichtig die richtige Blickführung und das Handling der Kupplung sind.

    Auch eine Vollbremsung gehört mit zur Ausbildung, sie ist schließlich eine der wichtigsten Übungen. Denn gerade bei den kleinen Motorrädern ist eine ABS-Bremse bis jetzt noch nicht vom Gesetzgeber vorgeschrieben, weswegen die Vollbremsung gut sitzen muss.

    Fahrlehrer entscheidet über Kompetenz der Schüler

    "Wenn ich das Gefühl hätte, es reichen die vorgeschriebenen fünf Praxisdoppelstunden nicht, würde ich natürlich die Erweiterung nicht unterschreiben", so Sutor. Das sei aber bisher nicht passiert. Das nennt sich "Fahrkompetenzdiagnose" und ist laut Fahrlehrerverband auch so erwünscht. Letztendlich entscheide der Fahrschullehrer, ob der Fahrschüler auch in der Lage ist, eine "125 Kubik" zu fahren.

    Führerschein-Erweiterung in Bayern erfolgreich

    Im Freistaat hätten mittlerweile viele die Erweiterung zum 125 Kubik-Motorrad genutzt, meint Jürgen Kopp. Der Vorsitzende des Landesverbands Bayerischer Fahrlehrer spricht deshalb von einem Erfolgsmodell. In Bayern hätten bereits 5.000 Menschen die Erweiterung B196 im Führerschein vermerkt.

    Geschätzte 1.500 Personen warten noch auf den Eintrag vom Kraftfahrtbundesamt. Wegen Corona dauere es leider etwas länger, einen neuen Führerschein zu bekommen.

    Viele Interessenten springen schnell wieder ab

    Fahrschullehrer Sutor ist von den Bedingungen der Erweiterung nicht ganz so begeistert. Natürlich sei er froh, dass wieder mehr Menschen Motorrad fahren wollten. Doch die Hälfte seiner Kunden sei ihm vorab bereits abgesprungen.

    Beim Vorgespräch frage er immer nach, für was sie den Führerschein denn gerne nutzen würden: "Da waren zum Beispiel zwei Mädels, die sagten, dass sie im Urlaub nicht immer mit so einer langsamen 50er rumfahren wollten." Da habe sich die Ausbildung dann erübrigt, denn die Erweiterung B196 gilt nur in Deutschland. Denn im Ausland wird die neue Klasse B196 - auch innerhalb der EU - nicht anerkannt.

    "B196" im Ausland nicht anerkannt

    Ein weiterer Wermutstropfen: Wer sich danach entschließt, den "großen" Motorradführerschein B1 zu machen, kann nicht auf seine Fahrerlaubnis für 125 Kubik aufbauen, sondern muss ganz von vorne anfangen - mit allen Pflichtstunden, der praktischen und theoretischen Prüfung.

    Fehringer ist das egal. Die Schulung, die ihn 750 Euro kostet, zahlt er gern. Hauptsache, er muss keine Prüfung machen. Sein erstes Motorrad hat er sich bereits bestellt und freut sich darauf. Auch, wenn die Motorradsaison praktisch vorbei ist und er erst nächstes Jahr so richtig loslegen kann.

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