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Mit 360 km/h unterwegs: Neuer Schnellzug von Siemens | BR24

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Siemens hat einen neuen Hochgeschwindigkeitszug entwickelt - den "Velaro Novo". Er soll bis zu 360 km/h schnell fahren. Entwickelt wurde der Zug zu großen Teilen in Franken. Getestet wird er derzeit zwischen Nürnberg und Ingolstadt.

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Mit 360 km/h unterwegs: Neuer Schnellzug von Siemens

"Velaro Novo" heißt der neue Hochgeschwindigkeitszug von Siemens Mobility. Zu großen Teilen wurde er in Erlangen entwickelt und soll mit bis zu 360 km/h unterwegs sein. Erste Tests laufen gerade auf der Strecke Nürnberg - Ingolstadt.

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Von
  • Julia Demel

Bisher gibt es in Deutschland kaum Strecken, auf denen der neue Schnellzug "Velaro Novo" von Siemens Mobility in Höchstgeschwindigkeit getestet werden kann. Im Moment ist nur die Strecke Nürnberg - Ingolstadt dafür geeignet. Doch auch hier war es notwendig einige Vorkehrungen zu treffen. So wurden zum Beispiel extra Lärmschutzwände abgebaut.

Mit 360 km/h durch die Nacht

Für die Testfahrten musste die Strecke komplett für den Zugverkehr gesperrt und alle Signale auf "grüne Welle" geschaltet werden, erklärt Projektleiter Michael Kopp. Deshalb sind diese Testfahrten auch nur in der Nacht möglich. An Bord des Zuges überwachen währenddessen Ingenieure, wie sich vor allem das Fahrwerk bei solchen Geschwindigkeiten verhält. Dazu haben sie etliche Messinstrumente und Kameras in und unter dem Zug installiert. Auch für die Ingenieure waren die ersten Testfahrten ein echtes Erlebnis:

"Das war schon sehr eindrucksvoll! Die Geschwindigkeit von 360 km/h sind wir nur nachts gefahren. Das ist also innerhalb von 18 Minuten von Nürnberg nach Ingolstadt. Und wenn man da so neben der Autobahn her fährt, ist es schon sehr beeindruckend, die Geschwindigkeit zu sehen. Das ist etwas, was man nicht alle Tage erlebt." Dirk Assel, Test-Manager Siemens Mobility

Deutlich weniger Energieverbrauch

Bisher sind die Strecken in Deutschland nur für rund 300 km/h ausgelegt, dieser Zug soll aber auch in Länder verkauft werden, in denen viel größere Distanzen ohne Halt überwunden werden müssen, zum Beispiel China. Und obwohl der Zug deutlich schneller fahren kann, verbraucht er trotzdem bis zu 30 Prozent weniger Energie. Das ist möglich, weil er aerodynamisch optimiert wurde, erklärt Projektleiter Michael Kopp: "Die Drehgestelle werden komplett verkleidet, das heißt man sieht das Fahrwerk von außen gar nicht mehr, weil es mit Schürzen verkleidet ist. Auch die Dachübergänge werden verkleidet, dadurch brauchen wir weniger Energie. Denn je schneller ein Zug unterwegs ist, desto wichtiger ist die Aerodynamik."

Mehr Platz für Passagiere

Noch attraktiver soll der Zug auch dadurch werden, dass er noch mehr Passagieren Platz bietet. Bisher hat ein ICE 3 rund 460 Sitzplätze, der "Velaro Novo" kann maximal mit bis zu 600 Sitzplätzen ausgestattet werden. Erreicht wird das durch die sogenannte "leere Röhre", das heißt es gibt praktisch keine Einbauten in den Waggons. Die gesamte Technik befindet sich unter dem Zug. Projektleiter Michael Kopp erklärt: "Damit können wir den Betreibern maximale Kapazität bieten." Sie können später den Innenraum frei gestalten - unterschiedlichste Sitzplatzaufteilungen, Bereiche für Gepäck und Sanitäranlagen sind möglich.

Einsatzbereit ab 2023

Wann und wo der "Velaro Novo" zum Einsatz kommen wird, ist noch nicht klar. Siemens will sich weltweit mit dem neuen Zug an Ausschreibungen beteiligen auch in Deutschland, wenn ein neuer Zug für den ICE 5 gesucht wird. Bis es soweit ist, wird weiter getestet. Dabei muss der Zug auch zehn Prozent schneller als seine normale Einsatzgeschwindigkeit fahren können. Damit kommt auf die Ingenieure eine noch größere Herausforderung zu, sagt Test-Manager Dirk Assel: "Wir haben uns für dieses Jahr noch vorgenommen, dass wir bis zu 400 km/h fahren wollen, um das Fahrzeug komplett zu erproben, und das werden wir auch hier in Deutschland machen."

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Der neue Hochgeschwindigkeitszug von Siemens befindet sich noch in der Testphase. Entwickelt wurde der Zug hauptsächlich in Erlangen und gebaut werden die Motoren zukünftig in Nürnberg.

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