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Die deutschlandweite Initiative Maria 2.0 fordert mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirche. Die Würzburger Ortsgruppe hat sich nun in einem offenen Brief an Bischof Franz Jung gewandt und drängt auf Veränderungen.

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Missstände in der Kirche: Brief von Maria 2.0 an Bischof Jung

Frauen als Priesterinnen, Segnung homosexueller Paare, Aufklärung von sexuellem Missbrauch in der Kirche: Das fordert die Frauen-Initiative Maria 2.0. Die Würzburger Ortsgruppe hat sich jetzt mit einem offenen Brief an Bischof Franz Jung gewandt.

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Von
  • Carolin Hasenauer
  • BR24 Redaktion

"Wir können und wollen nicht länger zu den Machtstrukturen der katholischen Kirche und damit einhergehend zu Machtmissbrauch und Ungleichberechtigung schweigen", heißt es in dem offenen Brief von Maria 2.0. Dieser wurde am Donnerstag zum Gedenktag der Heiligen Katharina von Siena, der Patronin der Diakoninnen, veröffentlicht. Bischof Jung hat den Brief bereits am Montag vorab erhalten.

Katholische Gruppierungen stecken hinter dem Brief an den Bischof

Unterzeichnerinnen des Briefs sind Frauen unterschiedlicher katholischer Gruppierungen in Würzburg: Von der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG) über die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) und den Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) bis hin zur Katholischen Hochschulgemeinde (KHG).

Kirchliche Probleme betreffen jede Altersgruppe und jedes Geschlecht

Die Arbeitskreise tauschen sich regelmäßig über die Problematik aus. "In unserem Zusammenkommen stellen wir immer wieder fest, dass die kirchlichen Probleme nicht an bestimmte Lebensabschnitte oder Altersgrenzen gebunden sind, genauso wenig wie an Geschlecht oder Position", heißt es.

Maria 2.0 fordert Segnung homosexueller Paare

In drei Kategorien prangert die Würzburger Ortsgruppe von Maria 2.0 dringend notwendige Veränderungen in der katholischen Kirche an: "Wir setzen uns ein für eine diskriminierungsfreie und gerechte Kirche" ein, lautet die erste Forderung. Das beinhaltet auch, dass Mann und Frau gleichberechtigt sein sollen, dass auch homosexuelle Paare gesegnet werden dürfen, dass Geschiedene und Wiederverheiratete die Sakramente erhalten dürfen.

Sexueller Missbrauch in der Kirche muss aufgearbeitet werden

Weiter fordern die Würzburgerinnen die zügige Aufarbeitung der Missbrauchsverbrechen in der katholischen Kirche und in dem Zusammenhang die Kooperation mit den Strafbehörden. "Eine rein kirchenrechtliche Verfolgung reicht nicht aus", schreiben sie. Und in einer dritten Kategorie heißt es: "Wir setzen uns ein für ein Aufbrechen vorherrschender Machtstrukturen ein, sodass ein Miteinander von allen in der Kirche Aktiven auf Augenhöhe möglich wird."

Maria 2.0: Frauen sollen zu Priesterinnen geweiht werden

Vor allem ist damit gemeint, dass es Frauen nach wie vor nicht erlaubt ist, Priesterin zu werden, also die Weihe zu empfangen. "Hierarchien, die verhindern, dass Frauen ihre Berufung leben, müssen aufgebrochen werden. Frauen, die in der Kirche bereits diakonisch, pastoral und liturgisch arbeiten, soll auch die Weihe erteilt werden können", heißt es weiter. Am Ende des Briefes fordern die Frauen der Maria 2.0-Ortsgruppe den Bischof dazu auf, klar Position zu beziehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Bischof Franz Jung nimmt Vorwürfe ernst

Bischof Franz Jung hat sich nach Erhalt des Briefes gleich mit den Unterzeichnerinnen in Verbindung gesetzt: "Ich war zum Teil überrascht, zum Teil nicht: Ich bekomme ja mit, dass in der katholischen Kirche in Deutschland gerade große Unruhe herrscht." Denn die Themen, die die Frauen in ihrem Brief anprangern, entsprechen im Grunde denen des Synodalen Wegs, dem Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, der seit Januar 2020 läuft. Wegen der Corona-Pandemie hätten einige vielleicht das Gefühl, dass der Prozess zum Stehen gekommen sei, mutmaßt Bischof Jung. Dem sei aber nicht so.

Probleme sollen im "Synodalen Weg" aufgearbeitet werden

"Genau diese Themen werden ja gerade hinter den Kulissen in den Synodalforen durchgearbeitet und für die nächste Vollversammlung vorbereitet." Dennoch nehme er die Anliegen der Würzburger Maria 2.0-Gruppe ernst, wolle das Gespräch suchen und konstruktiv führen. Im Bistum Würzburg jetzt einen eigenen Weg einzuschlagen, die Forderungen selbst anzugehen – das lehnt Bischof Jung ab. "Ich möchte gerne an dem Verfahren des Synodalen Wegs festhalten, sonst verlieren wir den Überblick. Aber ich möchte beim Reformprozess und im Gespräch mit Maria 2.0 einen Blick darauf werfen, was von den Veränderungen in unserem Bistum möglich ist."

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