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Mängel in Pflegeheimen: An wen man sich wenden kann | BR24

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Was tun, wenn die Pflege im Heim nicht passt?

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    Mängel in Pflegeheimen: An wen man sich wenden kann

    Fast täglich gehen beim MDK Bayern – dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen - Beschwerden über die Pflegesituation in den Heimen ein. Angehörige oder Pflegepersonal sehen häufig Missstände. Was bringt es, sich zu beschweren?

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    Von
    • Gabriele Knetsch

    Brigitte Bührlen, Gründerin der "Wir-Stiftung" – einer Stiftung pflegender Angehöriger - hatte in ihrem Leben viel mit dem MDK zu tun. Oft gab es Probleme mit dem Heim, in dem ihre demente Mutter lebte. Das Bett wurde wochenlang nicht frisch bezogen. Aber auch das Essen war täglich ein Drama – denn Brigitte Bührlens Mutter wollte am Ende ihres Lebens nur noch süßes essen. Keine ausgewogene Ernährung – argumentierte das Pflegepersonal.

    Doch Brigitte Bührlen war es wichtig, dass ihre Mutter überhaupt etwas zu sich nahm. Um den Konflikt zu lösen, schaltete die pflegende Angehörige den MDK ein. Brigitte Bührlen erlebte den Medizinischen Dienst der Krankenkassen vor allem als Vermittlungsinstanz zwischen Pflegepersonal und Angehörigen:

    "Das waren nette, freundliche Leute, sehr bemüht. Sie konnten mir nicht helfen in dem Sinn, dass sich im Heim wirklich zentral was geändert hätte. Aber im Fall meiner Mutter hat sich eine Mitarbeiterin mit der Heimleitung in Verbindung gesetzt und ein Beratungsgespräch geführt." Brigitte Bührlen, Wir-Stiftung

    Wenig Sanktionsmöglichkeiten

    Das Problem: der MDK hat wenig Sanktionsmöglichkeiten. Immerhin schaut der MDK Bayern einmal im Jahr bei sämtlichen Heimen im Freistaat stichprobenartig nach, ob die Bewohner richtig gepflegt werden. Auch Kontrollbesuche sind möglich, wenn sich Angehörige beschweren, etwa weil ihr Vater oder ihre Mutter nicht genügend zu trinken bekommen, die Hygiene nicht stimmt oder der Umgangston zu rüde ist. Welche Maßnahmen kann der MDK ergreifen, wenn wirklich krasse Zustände herrschen – wie jüngst in einem Pflegeheim in Schliersee? Dazu Cornelia Krüger vom MDK Bayern:

    "Der MDK hat in schwerwiegenden Fällen beispielsweise die Vergütung zu kürzen oder auch die Pflegedienstleitung zu Fortbildungsmaßnahmen zu verpflichten. Oder wenn es ganz, ganz gravierende Vorfälle sind, besteht die Möglichkeit, dass die Pflegeeinrichtung auch ihre Zulassung verliert." Cornelia Krüger, MDK Bayern

    Allein durch die jährliche Routine-Kontrolle fallen krasse Missstände wie die in Schliersee nicht unbedingt auf. Der MDK ist angewiesen darauf, dass sich Angehörige oder Pflegekräfte beschweren, wenn sie unzufrieden sind. Cornelia Krüger appelliert daher an Angehörige, aber auch Pflegekräfte, sich bei allen Auffälligkeiten in Heimen an die Beschwerdestelle des MDK zu wenden – damit der Dienst den Beschwerden nachgehen kann.

    Angst vor Repressalien

    Allerdings haben viele Angehörige Angst vor Repressalien gegenüber Mutter oder Vater im Heim. Viele Beschwerden, so heißt es beim MDK, gehen anonym ein. Brigitte Bührlen kennt das aus eigener Praxis. Die Angehörigen-Vertreterin ging einmal selbst auf die Barrikaden, weil sich in einem Heim Missstände häuften: Der Vater einer Angehörigen wurde immer wieder wegen Dehydrierung in die Klinik eingeliefert – das Personal achtete zu wenig darauf, ihm zu trinken zu geben.

    Eine unruhige Bewohnerin wurde in ihrem Zimmer eingesperrt, weil es auf der Station nicht genügend Personal gab. In drastischen Fällen wie diesen reicht es nicht, wenn der MDK mit der Heimleitung klärende Gespräche führt. Die Heimaufsicht, angesiedelt im bayerischen Sozialministerium, muss einschreiten - meist in enger Zusammenarbeit mit dem MDK. Dass die Beschwerde von Angehörigen etwas bewirken kann, zeigt das Beispiel von Brigitte Bührlen:

    "Die Heimaufsicht hat dann erstmal einen Aufnahmestopp verhängt. Nachdem wir da nicht nachgelassen haben und sich das nicht signifikant verbessert hat, wurde die Heimleitung ausgewechselt.", Brigitte Bührlen, Wir-Stiftung

    Das MDK-Reformgesetz

    Letztendlich ist der MDK aber Teil des Systems – im Prinzip ein Dienst der Krankenkassen, der sicherstellen soll, dass die Versicherten die vertraglich garantierte Leistung erhalten. Diese Struktur soll sich ändern: Anfang des Jahres ist das MDK-Reformgesetz in Kraft getreten: Ziel ist es, den Dienst organisatorisch unabhängig von den Krankenkassen machen.

    In Bayern wird das im Juni nächsten Jahres umgesetzt: Dann heißt der MDK nur noch MD – Medizinischer Dienst. Für die Praxis der Heimprüfungen ändert sich nach Auskunft des MDK Bayern aber nichts. Während Krankenhäuser künftig seltener, aber gezielter kontrolliert werden sollen, bleibt es bei den Pflegeheimen bei den jährlichen Kontrollbesuchen. Angehörige wünschen sich, dass der MDK künftig auch stärker sanktionieren kann.

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