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Missbrauchsstudie: Ausmaß in bayerischen Bistümern erschreckend | BR24

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© dpa/ Kay Nietfeld

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Missbrauchsstudie: Ausmaß in bayerischen Bistümern erschreckend

28 Beschuldigte im Bistum Passau, 85 in Augsburg, 41 in Bamberg, 65 in Regensburg, 62 in Würzburg: Das Ausmaß sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen in bayerischen Bistümern ist erschreckend hoch.

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Den Opfern sei zu wenig zugehört worden, betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx. Missbrauch sei oft bagatellisiert worden, sagte auch der Würzburger Bischof Franz Jung. Er plädiere deshalb für eine "Null-Toleranz" gegenüber den Tätern.

Zölibat als begünstigender Faktor

Die bundesweite Studie, die von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegeben worden war, benennt Faktoren, die Missbrauch bis heute begünstigen: Dazu zählen der Umgang mit Sexualität, Klerikalismus und der Pflichtzölibat.

Unter Bayerns Bischöfen zeichnet sich allmählich die Bereitschaft ab, über den Zölibat neu zu diskutieren, so zum Beispiel im Erzbistum Bamberg. Dort wurden im untersuchten Zeitraum insgesamt 88 Opfer im Alter von 4 und 20 Jahren gezählt.

Mangelhafte Aktenführung in Augsburg

Versäumnisse bei der Aktenführung und der Ahndung krimineller Handlungen räumte der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa ein. Dadurch hätten Verantwortliche auf verschiedenen Ebenen - bewusst oder unbewusst - "zur Verschleierung der Taten und damit zur weiteren Verletzung der Opfer beigetragen", so der Bischof in einem Brief an alle seine Mitarbeiter im Ordinariat und in der Seelsorge. Für sein Bistum wurde die Zahl von 164 Opfern und 85 Beschuldigten erhoben.

Acht Fälle aktuell in München und Freising

Bayerns größte Diözese, das Erzbistum München und Freising, hatte bereits 2010 eine unabhängige Studie zum Missbrauch veröffentlicht. Diese Studie hat ergeben, dass im Zeitraum von 1945 bis 2009 159 Priester, 15 Diakone, 96 Religionslehrer und sechs Personen aus der Gruppe der Pastoralreferenten, Gemeindereferenten, Seelsorgehelfer und Jugendpfleger auffällig geworden sind. Aktuell gibt es für die Jahre 2015 bis 2017 acht Fälle, in denen Verdacht auf Straftaten bestand.

Anhaltendes Problem mit hoher Dunkelziffer

Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche ist in Deutschland ein anhaltendes Problem. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der Missbrauchsstudie, die ein Forscherkonsortium in Fulda bei der Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe vorgestellt hat: Die Forscher betonten zugleich, dass 1.670 beschuldigte Kleriker und 3.677 Opfer nur die "Spitze eines Eisberges" darstellten.