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Missbrauchsprozess: Jahrelange Haft für Ex-Polizist aus Tutzing | BR24

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Er soll Kinder und Jugendliche mehrfach sexuell missbraucht haben - jetzt wurde ein suspendierter Polizist aus Tutzing am Landgericht München II zu einer Gefängnisstrafe von 4 Jahren und 4 Montaten verurteilt.

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Missbrauchsprozess: Jahrelange Haft für Ex-Polizist aus Tutzing

Er soll Kinder und Jugendliche mehrfach sexuell missbraucht haben - jetzt wurde ein suspendierter Polizist aus Tutzing am Landgericht München II zu einer Gefängnisstrafe von 4 Jahren und 4 Montaten verurteilt.

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Die Richter und Schöffen der Jugendschutz-Kammer sahen es als erwiesen an, dass der Angeklagte sich dutzendfach an minderjährigen Buben vegangen hat - entweder durch konkrete Übergriffe, aber auch, in dem er ihnen Porno-Bilder schickte. Mit dem Strafmaß blieben sie fast an der Untergrenze des Strafrahmens, auf den sich die Beteiligten schon zu Prozessbeginn in einem sogenannten Deal verständigt hatten. Er lag zwischen 4 Jahren und 3 Monaten und 5 Jahren und 3 Monaten. Im Anschluss an diese Einigung hatte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Geld für sexuelle Handlungen

In einigen Anklagepunkten ist das Verfahren auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Es blieb für den Prozess also bei sechs Buben, an denen sich der Ex-Polizist vergangen hat – unter anderem in den Räumen der Tutzinger Feuerwehr, auf einem Segelboot und im Ferienhaus einer befreundeten Familie. Einem damals 17-jährigen hat er Geld für sexuelle Handlungen gegeben. Außerdem sind bei ihm kinder- und jugendpornografische Bilder und Filme gefunden worden.

Umfassendes Geständnis

"Sie waren Polizist und bei der Feuerwehr und damit ein ehrbarer Bürger", so die Richterin in ihrer Begründung. "Und ausgerechnet als Person, die einen so großen Vertrauensvorschuss hat, missbrauchen sie diesen, um sich an Kindern zu vergehen." Für den 60-jährigen spreche, dass er umfassend gestanden hat und den Opfern damit eine Aussage vor Gericht erspart habe. Und, so die Richterin weiter, dass er glaubhaft Reue zeige: "sie haben deutlich gemacht, dass sie jetzt angefangen haben zu denken."

Gutachten: Voll schuldfähig

Als Motiv hatte der Mann gesagt, er sei neugierig gewesen – dabei habe er sich "nicht vorgestellt, dass das für die Jungs so belastend ist". Der psychiatrische Gutachter hatte dem Angeklagten volle Schuldfähigkeit bescheinigt, es lägen keine Erkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen vor. Außerdem sei der 60-jährige nicht pädophil, da er sich ausschließlich für Buben in der Pubertät interessiere.

Entschuldigungsbriefe geschrieben

An die Opfer aus der Anklage hat der Tutzinger Entschuldigungsbriefe geschrieben – sie werden nun gefragt, ob sie diese überhaupt bekommen wollen. Er hat auch bereits einen Täter-Opferausgleich von 10.500 Euro an drei der Opfer gezahlt. Bei zwei früheren Opfern, die am ersten Prozesstag als Zuhörer anwesend waren, hatte sich der Angeklagte entschuldigt.

Jugendwart und Vorstand bei der Freiwilligen Feuerwehr Tutzing

Der 60-jährige war jahrzehntelang bei der Freiwilligen Feuerwehr Tutzing aktiv, lange als Jugendwart, später dann als Vorstand. Fast alle seiner Missbrauchsopfer kannte er aus diesem Umfeld. Er habe intensive Vetrauensverhältnisse aufgebaut, und diese dann ausgenutzt, so die Richterin heute in der Urteilsbegründung. "Sie wollten egoistisch ihrem Sexualtrieb folgen."

Urteil noch nicht rechtskräftig

Beschäftigt war der Angeklagte zuletzt bei der Polizeiinspektion Starnberg , auch als Wasserschutzpolizist, das Disziplinarverfahren gegen den 60-jährigen ist bereits eröffnet. Einem Schülerpraktikanten, der ihm bei der Polizei zugeteilt war, hatte er nach dem Praktikum über Monate immer wieder Porno-Bilder geschickt. Der Vater des Buben wandte sich schließlich an die Polizei. Etwa zeitgleich hatte ein Mann nach fast 20 Jahren Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs erstattet - die Ermittlungen kamen ins Rollen, im März 2019 war der heute 60-jährige schließlich festgenommen worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskäftig, eine Woche lang kann Revision eingelegt werden.

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