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Missbrauchsopfer: Bayerische Bistümer zahlten zwölf Millionen | BR24

© BR/Michael Buchner

Knapp zwölf Millionen Euro haben die bayerischen Bistümer an Missbrauchsopfer bisher ausgezahlt. Den größten Teil - zehn Millionen Euro - hat das Regensburger Bistum gezahlt. Betroffene sexualisierter Gewalt können bis zu 50.000 Euro erhalten.

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Missbrauchsopfer: Bayerische Bistümer zahlten zwölf Millionen

Knapp zwölf Millionen Euro haben die bayerischen Bistümer an Missbrauchsopfer bisher ausgezahlt. Den größten Teil - zehn Millionen Euro - hat das Regensburger Bistum gezahlt. Betroffene sexualisierter Gewalt können bis zu 50.000 Euro erhalten.

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Von
  • Michael Buchner
  • BR24 Redaktion

Die bayerischen Bistümer haben bisher mehr als 11,7 Millionen Euro an Opfer von Missbrauch und Misshandlung in der katholischen Kirche gezahlt. Das ergab eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). Insgesamt gingen mehr als 1.000 Anträge auf Anerkennungszahlungen für erlittenes Leid ein. Bundesweit waren es mehr als 2.500 Anträge und mehr als 19 Millionen Euro. Kirchensteuereinnahmen wurden in Bayern für die Zahlungen nicht verwendet.

Bistum Regensburg musste am meisten zahlen

Bundesweit mit Abstand die meisten Anerkennungsleistungen bezahlte das Bistum Regensburg mit etwa zehn Millionen Euro. Gründe gibt es dafür mehrere: So gab es dort zum einen mehrere Hundert Domspatzen-Sänger, die vor allem in den 60er- und 70er-Jahren sexualisierte oder massive körperliche Gewalt erleiden mussten.

Ein weiterer Grund sei einem Bistumssprecher zufolge, dass in Regensburg konsequent nicht nur Zahlungen wegen sexuellen Missbrauchs geleistet werden, sondern auch bei Körperverletzungen. Drittens zahlte Regensburg erst kürzlich rund 5,2 Millionen Euro an die bereits entschädigten Opfer nach. Und hat damit schon umgesetzt, was in den meisten anderen Bistümern in Deutschland erst seit Januar 2021 gilt: höhere und mehrfache Zahlungen an Opfer.

Betroffene können bis zu 50.000 Euro erhalten

Denn die katholische Bischofskonferenz beschloss im vergangenen Jahr die Neuregelung des Systems zur Anerkennung erlittenen Leids: Seit 1. Januar orientiert sich die Höhe der Zahlungen an zivilen Schmerzensgeldzahlungen. Betroffene sexualisierter Gewalt in der Kirche erhalten nun bis zu 50.000 Euro. Bisher erhielten Missbrauchsopfer meist einen Regelbetrag von 5.000 Euro, die höchste Einzelzahlung lag bei 20.000 Euro.

Nach dem neuen Verfahren können nun auch Betroffene, die schon einmal Geld erhalten haben, einen erneuten Antrag stellen. Dies wird in Bayern auch wahrgenommen: Fast alle Bistümer haben der Umfrage zufolge solche erneuten Anfragen erhalten. Entsprechend dürften sich die bisher bezahlten Beträge demnächst in allen Bistümern erhöhen.

So viel zahlten die Bistümer

In Augsburg waren es bis Ende 2020 etwa eine Million Euro, die Erzdiözese München und Freising bezahlte 300.000 Euro Anerkennungszahlungen, das Ordinariat Bamberg 233.500 Euro inklusive Therapiekosten. In der Diözese Würzburg waren es 132.000 Euro, im Bistum Eichstätt 50.000 Euro und im Bistum Passau 28.000 Euro.

Fast überall werden dafür die Täter herangezogen, wenn diese nicht mehr leben, wird das Geld aus dem Vermögen der Bistümer bezahlt.

"Mir ist bewusst, dass auch die höhere Anerkennungsleistung das erlittene Unrecht nicht wiedergutmacht." Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hoffe jedoch, dass Betroffene sie als Anerkennung ihres Leids sehen können und als Zeichen der Bereitschaft, zu einer Befriedung beizutragen.

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