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Missbrauchsfälle im Bistum Würzburg: Generalvikar zieht Bilanz | BR24

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© BR-Studio Mainfranken/Eberhard Schellenberger

Missbrauchsstudie: Generalvikar stellt Würzburger Ergebnisse vor

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Missbrauchsfälle im Bistum Würzburg: Generalvikar zieht Bilanz

Nachdem die Deutsche Bischofskonferenz heute in Fulda die Ergebnisse der Missbrauchsstudie veröffentlichte, nahm am Nachmittag auch das Bistum Würzburg zum Thema Stellung. Im Bistum Würzburg sind 157 Menschen von sexuellen Missbrauch betroffen.

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Bischof Franz Jung sendete eine Videobotschaft aus Fulda, in der er die Verfehlungen seiner Kirche offen anprangerte und die Opfer sexuellen Missbrauchs um Vergebung bat. Generalvikar Thomas Kessler schloss sich dem Bischof bei einer Pressekonferenz in Würzburg an und nannte Zahlen der Untersuchungen aus dem Bistum. Insgesamt wurden bisher 1.131 Personalakten und weitere einschlägige Datensammlungen nach Hinweisen auf sexuelle Missbrauchstaten untersucht. Die Erhebungen brachten zutage, dass 62 Kleriker des Missbrauchs beschuldigt wurden. Bei ihnen handelt es sich um 48 Priester der Diözese Würzburg, elf Ordenspriester und zwei Diakone. Ein beschuldigter Kleriker war namentlich nicht bekannt und kann deshalb nicht zugeordnet werden.

Weibliche und männliche Missbrauchsopfer

157 Personen sind von sexuellem Missbrauch betroffen. Das bedeutet, dass einzelne Kleriker auch von mehreren Betroffenen beschuldigt wurden. Die Zahl der weiblichen und männlichen Missbrauchsopfer hält sich dabei ungefähr die Waage. Exakt lässt sich dies jedoch nicht feststellen, da der Hinweis auf das Geschlecht bei einigen anonymisierten Vorwürfen nicht in den Akten festgehalten wurde. Das durchschnittliche Alter der Kleriker bei der Ersttat lag bei circa 40 Jahren. Der Zeitraum der erfassten Taten reicht von 1943 bis 2015.

Geldstrafen, Versetzung in den Ruhestand und Haft

Bei 17 Beschuldigten war laut Akten ein kirchenrechtliches Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger eingeleitet worden. In 28 Fällen kam es zu Strafanzeigen bei den staatlichen Strafverfolgungsbehörden. Zwölf Fälle wurden an die Glaubenskongregation in Rom weitergegeben. Bei den staatlichen Verfahren wurden 15 eingestellt, fünf endeten unbekannt und acht sind rechtskräftig abgeschlossen. Die Strafen reichten von Geldstrafen bis zu mehrjährigen Freiheitsstrafen. Die Kirchenstrafen umfassten die Entfernung aus dem Klerikerstand, das Verbot aller priesterlichen Dienste und Funktionen, ein Aufenthaltsverbot in den Pfarreien bzw. Dekanaten, die Versetzung in den Ruhestand, das Verbot des unkontrollierten Kontaktes mit Kindern und die Suspendierung.

Interventionsteam begleitet Gemeinden und Seelsorger

Seit 2010, so Generalvikar Thomas Kessler, habe das Bistum Würzburg viel unternommen, um sexuellen Missbrauch konsequent aufzuarbeiten und vorzubeugen. Unter anderem wurden externe Missbrauchsbeauftragte eingesetzt. Ein bereits bestehender Arbeitsstab „Sexueller Missbrauch und körperliche Gewalt“ wurde mit Fachleuten aus Medizin, Familien- und Lebensberatung, Sexualpädagogik, Psychologie, Justiz und Schule neu besetzt. Das Gremium ist heute ein Beraterstab des Generalvikars. Ein Interventionsteam begleitet betroffene Gemeinden und Seelsorger. 2012 wurden eine Koordinierungs- und Fachstelle „Prävention sexuelle Gewalt“ und ein eigenes Referat für Präventionsarbeit in der kirchlichen Jugendarbeit eingerichtet.

Zahl der Vorwürfe sei zurückgegangen

Seit März 2011 ist es Opfern zudem möglich, finanzielle Leistungen zu beantragen. Wie die stellvertretende Missbrauchsbeauftragte des Bistums, Sandrina Altenhöner, mitteilte, haben bisher 21 Personen, die als Minderjährige durch Priester oder andere kirchliche Mitarbeiter sexuell missbraucht wurden, Leistungen erhalten. Insgesamt zahlte die Diözese Würzburg bislang 101.000 Euro aus. Die Zahl der Vorwürfe ist nach Angaben der Missbrauchsbeauftragen in den vergangenen Jahren im Bistum Würzburg kontinuierlich zurückgegangen.