BR24 Logo
BR24 Logo
BR24

Missbrauchsaufarbeitung überschattet "Synodalen Weg" | BR24

© picture alliance/dpa | Andreas Arnold

Der "synodale Weg" ist der Reformprozess der katholischen Kirche.

5
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Missbrauchsaufarbeitung überschattet "Synodalen Weg"

Eigentlich sollten bei der Online-Konferenz zum "Synodalen Weg" Reformvorschläge erarbeitet werden. Doch das Treffen, das am Donnerstag und Freitag stattfindet, wird überschattet von der Diskussion um die Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Köln.

5
Per Mail sharen
Von
  • Andrea Neumeier
  • BR24 Redaktion

Die nächste große Etappe des "Synodalen Weges" steht bevor. Am Donnerstag und Freitag geht der Dialog zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland weiter. Wegen der Corona-Pandemie treffen sich die Teilnehmer nicht zu einer Vollversammlung in Präsenz, sondern zu einer Online-Konferenz. Dabei werden die Mitglieder nicht nur diskutieren, wie die Kirche von morgen aussehen soll, sie müssen sich auch mit den Fehlern der Vergangenheit beschäftigen. Denn ein großes Thema wird auch die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle sein.

Umgang mit Missbrauch erneut auf der Tagesordnung

Nicht zuletzt die Debatte um die Aufarbeitung im Erzbistum Köln hat dem Thema Missbrauch eine neue Dringlichkeit verschafft. Katholiken in Köln treten in Scharen aus der Kirche aus. Denn Kardinal Rainer Maria Woelki hält seit längerem ein Gutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl zum Umgang der Bistumsleitung mit Missbrauch wegen angeblicher methodischer Mängel zurück. Der Diözesanrat der Katholiken, die offizielle Laienvertretung hat dem Kardinal die Zusammenarbeit beim diözesanen Reformprozess bereits aufgekündigt.

Themen: Macht, Zölibat, Sexualmoral und Rolle der Frau

Neben dem Thema Missbrauch soll bei der Online-Konferenz auch über die Arbeit der vier Foren gesprochen werden. Erste Beschlussvorlagen gibt es bereits. Thematisch geht es um die zentralen Themen: Macht, Zölibat, Sexualmoral und die Rolle der Frauen. Die vier Foren legen jeweils einen "Grundtexte" vor, die theologisch begründen, auf welchen Feldern Handlungsbedarf besteht. Hinzu kommen "Handlungstexte", die sich mit der konkreten Umsetzung befassen, beispielsweise der Zulassung von Frauen zum Diakonat.

Forum "Macht" hat schon Beschlussvorlage erarbeitet

In den zurückliegenden Monaten sind die Foren unterschiedlich weit mit ihren Diskussionen gekommen. Am weitesten scheinen die Arbeiten im Forum "Macht" zu sein. Hier gibt es schon einen Grundlagentext, und eine Beschlussvorlage für die Zulassung von Laienpredigern, mehr Transparenz bei Finanzen und der Einrichtung von Schiedsstellen für Konflikte.

Die vier Untergruppen des Priesterforums beschäftigen sich etwa mit möglichen Reformen bei der Priesterausbildung, der Zukunft des Zölibats, also der verpflichtenden Ehelosigkeit von Priestern sowie dem Umgang mit Vereinsamung von Priestern. Das Frauenforum geht der Frage nach, wie sich mehr Geschlechtergerechtigkeit verwirklichen lässt und ob Frauen der Zugang zu Weiheämtern ermöglicht werden kann.

Forum zur Sexualmoral: Reformer in der Mehrheit

Im Forum zur Sexualmoral scheinen die Reformer eine Mehrheit zu haben. Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp war deshalb aus dem Forum ausgestiegen, weil eine Mehrheit auf eine Veränderung der kirchlichen Sexualmoral abzielte. Schwaderlapp hatte im Mai unter anderem mit dem Passauer Bischof Stefan Oster einen Beitrag erstellt, der sich auf die Ehe zwischen Mann und Frau konzentriert. Es gibt aber auch einen Text aus dem Forum, der "Perspektiven trans-, intergeschlechtlicher und gleichgeschlechtlich liebender Menschen" in den Blick nimmt. In welche Richtung der Grundlagentext des Forums geht, steht noch nicht fest.

Zentralrat der Katholiken für entschlossene Reformen

Zu einer entschlossenen Reform der katholischen Kirche hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, im Vorfeld des Treffens aufgerufen. Es habe "verheerende Konsequenzen, wenn man wichtige Debatten nicht führt, sondern versucht, sie wegzudrücken", sagte Sternberg. Das betreffe auch die Sexualmoral und das Zölibat. Den Vorwurf, die deutschen Katholiken gingen einen Sonderweg, bezeichnete er als "abenteuerlich" und "daneben". Der Synodale Weg stoße gerade deshalb international auf große Aufmerksamkeit, weil die Probleme in vielen Ländern die gleichen seien.

Auf Online-Konferenz wird nichts beschlossen

Aber: Beschlossen wird auf der virtuellen Konferenz nichts. Das passiert erst auf einer Vollversammlung in Präsenz. Das nächste Treffen des "Synodalen Weges" ist nach derzeitigen Planungen für den Herbst angesetzt.

© BR

Der Synodale Weg tagt derzeit online. Das Forum von Geistlichen und Laien diskutiert über Reformen in der katholischen Kirche

Interessieren Sie sich für Themen aus Religion, Kirche, Glaube und Spiritualität? Unser Newsletter hält sie auf dem Laufenden - jeden Freitag frei Haus. Hier geht's zum Abo.