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Bildrechte: pa/dpa/Armin Weigel

Der Passauer Bischof Stefan Oster hat zugegeben, die kirchlich-systemische Dimension des sexuellen Missbrauchs unterschätzt zu haben. Das wurde heute bekannt, nachdem diese Woche die Aufarbeitungskommission ihre Arbeit aufnahm.

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Missbrauch: Passauer Bischof Oster überrascht von Dimension

Im Bistum Passau hat sich die Aufarbeitungskommission zu Missbrauchsfällen zum ersten Mal in einer Online-Sitzung getroffen. Bischof Stefan Oster gibt zu, dass er die kirchlich-systemische Dimension des Missbrauchs unterschätzt hat.

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  • BR24 Redaktion

Die unabhängige Aufarbeitungskommission zu Fällen von Missbrauch hat sich im Bistum Passau konstituiert. Die erste Sitzung fand diese Woche coronabedingt als Online-Treffen statt, wie die Pressestelle der Diözese mitteilte.

Bischof Oster: "Missbrauch künftig verhindern"

Bischof Stefan Oster gibt sich zuversichtlich. Er hoffe, dass mit der Aufarbeitung solche Bereiche aufgedeckt und beseitigt werden können, "damit Betroffene wirklich gehört und gesehen werden und Missbrauch künftig so gut wie irgend möglich verhindert werden kann". Oster gab zu, die Dimension zunächst nicht richtig eingeschätzt zu haben.

"Bis vor einigen Jahren habe ich die kirchlich-systemische Dimension des Missbrauchs unterschätzt." Passaus Bischof Stefan Oster

Kommission mit kirchenexternen Experten

Der Kommission gehören laut Mitteilung sieben Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Fachpraxis und öffentlicher Verwaltung sowie Betroffene sexuellen Missbrauchs in der Kirche an. Mit dabei seien der Erziehungswissenschaftler Guido Pollak, der Historiker und Journalist Stefan Rammer sowie der Regensburger Kinder- und Jugendpsychiater Martin Linder. Weiter hätten sich der frühere Polizeipräsident Josef Rückl und die Sozialpädagogin Michaela Müller bereit erklärt, mitzuwirken. Die "unentbehrliche Perspektive" der Betroffenen sei durch Michael Steindorfner und Udo Holy vertreten.

Bei der ersten Sitzung waren auch Bischof Oster, Generalvikar Josef Ederer, die Interventionsbeauftragte des Bistums, Antonia Murr, und die Präventionsbeauftragte Bettina Sturm anwesend, wie es heißt.

An bestehenden Projekten orientieren

In einem nächsten Treffen der Kommission sollen eine Vorsitzende oder ein Vorsitzender gewählt sowie weitere Themen und Vorgehensweisen festgelegt werden. "Wir müssen das Rad nicht neu erfinden", sagte Steindorfner. Er plädierte dafür, sich an bereits erfolgreich bestehenden Projekten zu orientieren.

Betroffene sollen sich melden

Zugleich rief das Bistum erneut Betroffene auf, sich zu melden. Denn Ziel sei es, neben der Aufarbeitungskommission auch einen unabhängigen Betroffenenbeirat einzurichten. Aufarbeitung brauche die "maßgebliche Beteiligung von Menschen, die von sexuellem Missbrauch im Bereich der katholischen Kirche betroffen sind". Zugleich seien diese auch wichtige Impulsgeber für die Entwicklung von Maßnahmen.

Arbeit öffentlich machen

Zur Einrichtung einer Kommission hatten sich die deutschen Bistümer in einer gemeinsamen Erklärung mit dem unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Missbrauchs, Johannes-Wilhelm Röhrig, verpflichtet. Deren Arbeit solle später in Form von Berichten, Presseveröffentlichung, Vorträgen und Informationsveranstaltungen transparent gemacht werden.

Mit Material der Katholischen Nachrichten-Agentur

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