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Missbrauch an Nonnen: Wie reagieren Frauenorden in Bayern? | BR24

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Viel Nonnen sind Opfer von sexuellen Übergriffen innerhalb der katholischen Kirche

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Missbrauch an Nonnen: Wie reagieren Frauenorden in Bayern?

Die katholische Kirche kommt nicht zur Ruhe, der Missbrauchsskandal weitet sich aus: Auch Nonnen sind Opfer von Übergriffen geworden. Ordensfrauen in Bayern beginnen damit, die Missbrauchsgeschichte ihrer Klöster aufzuarbeiten.

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In Tutzing leben 70 Nonnen nach der Regel des Heiligen Benedikt: Beten und Arbeiten. Ein idyllischer Ort für ein Kloster, direkt am Starnberger See. Doch die heile Welt hat Risse bekommen, seit sich die Berichte über den Missbrauch von Ordensfrauen häufen. "Wir sind natürlich auch immer wieder betroffen von den Meldungen in den Medien", sagt Schwester Elisabeth-Magdalena Zehe. "Wir informieren uns und haben gemeinsam das Interview von Doris Wagner und Kardinal Schönborn gesehen. Es ist wichtig für uns, darüber ins Gespräch zu kommen."

In dem Film erhebt die ehemalige Ordensfrau Doris Wagner den Vorwurf, sexuell missbraucht worden zu sein. Bei einigen älteren Schwestern seien dadurch Erinnerungen an ihr Noviziat, ihre Ausbildung wach geworden, so Schwester Elisabeth-Magdalena. Manche hätten angefangen darüber nachzudenken, ob das, "was sie selber in der Noviziatszeit, in der Ausbildung, erlebt haben, nicht auch grenzwertig war".

Ordensfrauen für Menschenrechte

Schwester Elisabeth-Magdalena aus Tutzing hat sich mit anderen Schwestern im Netzwerk "Ordensfrauen für Menschenrechte" zusammengeschlossen. Thema ist auch hier der Missbrauch von Nonnen. So kennt Schwester Karolina Schweihofer von den Missionarinnen Christi ebenfalls Fälle, in denen Priester übergriffig wurden, ihre Macht missbraucht haben.

In den afrikanischen Niederlassungen der Ordensgemeinschaften sei das allerdings ein noch viel größeres Problem: "Da ist ja vieles noch gar nicht aufgedeckt."

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Auch in Bayern wurden Nonnen missbraucht.

Anselm Grün: "Tiefes Unrecht"

Der Benediktinerpater und Bestsellerautor Anselm Grün aus Münsterschwarzach hat in seiner Beratungspraxis die Erfahrung gemacht: "In der Begleitung, vor allem von Ordensfrauen, stoße ich in den letzten zehn Jahren immer wieder auf das Phänomen des sexuellen Missbrauchs." Im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk sagt er: "Der Priester hat Macht durch sein geistliches Amt. Er schafft Vertrauen. Und wenn dieses Vertrauen missbraucht wird, indem ich sexuell eine Schwester missbrauche, dann ist das ein tiefes Unrecht."

Ordensfrauen haben Gehorsam und Keuschheit versprochen, das mache es doppelt schwer, möglichen Missbrauch zu thematisieren, sagt Schwester Elisabeth Magdalena von den Benediktinerinnen in Tutzing. "Viele wissen nicht, wie sie in ihrer Ordensgemeinschaft dastehen würden, wie der Rückhalt ist. Da ist so viel Scham und Unsicherheit da. Es braucht noch Zeit und sicher auch so mutige Frauen wie Doris Wagner, um sich dranhängen zu können."

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Autor
  • Tilmann Kleinjung
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