Bild

Bischof Stefan Oster aus Passau
© picture-alliance/dpa/Armin Weigel

Autoren

Martin Gruber
© picture-alliance/dpa/Armin Weigel

Bischof Stefan Oster aus Passau

Der Passauer Bischof Stefan Oster bittet um Verzeihung für die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Bezugnehmend auf die vorab bekannt gewordenen Ergebnisse einer Studie zu Missbrauchsfällen in Deutschland ging Oster in einer Videobotschaft mit seiner Kirche hart ins Gericht. Am Ende der gut zwölf Minuten langen Botschaft sagte Oster:

"Ich bitte Sie im Namen der Kirche von Passau aufrichtig um Vergebung. Danke, dass Sie sie mir so lange zugehört haben. Gott segne sie." Stefan Oster

Die Botschaft beginnt mit den Worten: "Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Menschen, die Sie an der Kirche leiden - wieder einmal."

"Kirche braucht radikale Selbstkritik"

Details aus der von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen Studie kennt Oster noch nicht. Zu den vorab bekannt gewordenen Zahlen zeigte er sich selbstkritisch und sagte, die Studie bringe die Verbrechen in ihrem Umfang noch einmal schonungslos ans Licht.

"All zu häufig ging es zuerst um den Schutz der Institution Kirche oder um den Ruf des Priestertums. Viel zu wenig waren Betroffene im Blick. Viel zu häufig ging es um klerikale Macht, um Abhängigkeit, um Ausbeutung. Viel zu selten ging es um die Frage: 'Wie schaut es wirklich hinter der Fassade aus?'" Schließlich stellt Bischof Oster die Frage: "Sind wir wirklich in der Lage, ein System zu ändern, das eher zum Selbstschutz, als zum Opferschutz neigt?" Die katholische Kirche brauche eine radikale Form der Selbstkritik.

"Die meisten Priester sind glaubwürdige Männer"

Die Gläubigen bittet Oster, in der Kirche zu bleiben und mitzuhelfen bei der Reinigung der Kirche, bei der schonungslosen Aufklärung, bei der Fürsorge für die Betroffenen. Außerdem solle man sich hüten vor Generalverdacht. "Die allermeisten Priester sind glaubwürdige Männer, Priester, die es in dieser Zeit nicht leicht haben werden."

Die deutschen Bischöfe wollen die komplette Untersuchung zu den Missbrauchsfällen am 25. September in Fulda vorstellen. Wissenschaftler haben in der Langzeit-Studie Akten aus allen 27 deutschen Bistümern ausgewertet.