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Missbrauch: Bistum Würzburg gibt 13 Akten an Staatsanwaltschaft | BR24

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Das Bistum Würzburg hat von einer Anwaltskanzlei Personalakten auf den Verdacht des sexuellen Missbrauchs untersuchen lassen. Sie stammen aus den Jahren 1946 bis 1999 und wurden bislang noch nicht überprüft.

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Missbrauch: Bistum Würzburg gibt 13 Akten an Staatsanwaltschaft

Das Bistum Würzburg hat Personalakten einer Anwaltskanzlei auf den Verdacht des sexuellen Missbrauchs untersuchen lassen. Sie stammen aus den Jahren 1946 bis 1999 und wurden bislang nicht überprüft. Die Ergebnisse stellte das Bistum am Freitag vor.

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Es handelt sich um 2.922 Personalakten des gesamten pastoralen Personals im Zeitraum von 1946 bis 1999. Darin fanden sich insgesamt 94 auffällige Vorgänge, darunter 47 mit "Hinweisen auf grenzüberschreitendes Verhalten mit sexuellem Bezug", so das Bistum. In 29 Fällen hätte es Hinweise auf "grenzüberschreitendes Verhalten ohne sexuellen Bezug" gegeben. "Bei den restlichen 18 Akten blieb unklar, ob überhaupt ein relevantes Verhalten im Sinne des Projekts vorlag", sagte Rechtsanwalt Hans-Jochen Schrepfer. Das Bistum hatte seine Kanzlei mit der Prüfung der Akten beauftragt.

Die Akten von 13 Priestern hat das Bistum nun an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet – sie sind also unter Umständen strafrechtlich relevant. Zuvor waren in Würzburg schon die Akten von 2000 bis 2015 vollständig überprüft worden.

Bislang nur Teil der Akten vollständig ausgewertet

Welches Ausmaß die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche hatten – davon zeugte im vergangenen Herbst bereits die Studie der Deutschen Bischofskonferenz. Der Analysezeitraum umfasste dabei die Jahre 1946 bis 2014. Allerdings unterschieden sich die Zeiträume, zu denen die 27 Bistümer Unterlagen einreichten.

Im Falle des Bistums Würzburgs gingen 1.131 Akten in die damalige Studie ein. Darunter waren sämtliche Personalakten von 2000 bis 2015. Ältere Akten wurden teilweise, aus dem sogenannten Geheimarchiv des Bistums zur Studie eingereicht. Die vom Bistum beauftragte Kanzlei hat sich jetzt also erstmals einen umfassenden Überblick über den Rest der Akten seit 1946 gemacht.

Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaft

Bischof Franz Jung kündigte bereits im vergangenen Dezember an mit der Staatsanwaltschaft kooperieren zu wollen. Allerdings sind dabei nur alle Verdachtsfälle seit 1970 relevant. Ältere Fälle sind bereits verjährt.

Würzburg ist nicht das einzige Bistum, das Verdachtsfälle an die Justizbehörden weiterreichen will. Bei ihrer letzten Herbstvollversammlung hatten sich die bayerischen Bischöfe darauf verständigt.

💡 Was stand bereits in der Missbrauchstudie?

Im September 2018 veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz die Ergebnisse der sogenannten MHG-Studie zu sexuellem Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester. Alle 27 deutschen Bistümer nahmen daran teil. In den 38.156 ausgewerteten Akten fanden sich bei 1.670 Klerikern Hinweise auf Beschuldigungen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger. Insgesamt 3.677 Kinder und Jugendliche sind als Opfer dieser Taten dokumentiert. Allein im Bistum Würzburg wurden in diesem Zusammenhang 62 Kleriker des Missbrauchs beschuldigt. 157 Personen sollen von ihnen missbraucht worden sein.

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Die Katholische Kirche und die Missbrauchsvorwürfe. Eine unendliche Geschichte. Das Bistum Würzburg hat die Personalakten aus den Jahren 1946 bis 1999 überprüfen lassen. Dabei sind weitere Fälle von Missbrauch und Gewalt ans Tageslicht gekommen.