BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: pa/dpa/Lukas Barth

CSU-Tourismuspolitiker kiritisert Söders pauschales Ski-Verbot

207
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Söders Vorstoß zu Ski-Verbot stößt auf immer mehr Kritik

Ministerpräsident Söders Forderung, die Skisaison erst nach den Weihnachtsferien zu starten, stößt auf viel Widerstand. Nach den Freien Wählern stellen sich nun auch die FDP und der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung gegen diese Idee.

207
Per Mail sharen
Von
  • BR24 Redaktion
  • Lasse Berger

Gegen die Forderung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), die Skigebiete europaweit bis nach den Weihnachtsferien zu schließen, formiert sich auch in der Politik immer mehr Widerstand.

Bareiß: "Dinge möglich machen, wo man Sicherheit schaffen kann"

So äußerte sich nun nach FDP und Freien Wählern auch der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, kritisch zu einem generellen Verbot der Skisaison. Der CDU-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch: "Sicherheit geht auch im Winter vor. Aber ich bin davon überzeugt, dass Skifahren in einem gewissen Umfang und unter klaren Kriterien, wie zum Beispiel einer maximal erlaubten Anzahl von täglichen Skipässen, ohne Probleme möglich ist. Wir sollten Dinge möglich machen, wo man Sicherheit schaffen kann. Ein generelles Verbot halte ich für falsch."

Tourismusbranche wirtschaftlich an der Belastungsgrenze

Neben dem nachvollziehbaren Wunsch vieler Menschen, mal raus zu kommen, sei die Skisaison auch für viele Regionen Deutschlands ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

Die gesamte Reise-, Tourismus- und Veranstaltungsbranche sei wirtschaftlich an einer Belastungsgrenze angekommen, so Bareiß. "Weitere Lockdown-Maßnahmen und Finanzhilfen müssen Hand in Hand gehen. Es wird eine finanzielle Herausforderung, aber die Menschen können sich drauf verlassen, wir lassen niemanden im Regen stehen." Bund und Länder wollen den Teil-Lockdown in Deutschland voraussichtlich bis kurz vor Weihnachten verlängern. Der Bund plant weitere Finanzhilfen.

U-Bahn ja, Sessellift nein?

Vorher hatten sich bereits der Fraktionschef der Freien Wähler, Florian Streibl, und der tourismuspolitische Sprecher der FDP im Landtag, Albert Duin, gegen die Idee einer Schließung von Skigebieten ausgesprochen. Es erschließe sich ihm nicht, warum Menschen in einer voll besetzten U-Bahn mit Maske zusammensitzen, aber nicht unter freiem Himmel in einem Sessellift fahren dürfen, so Duin. Mit guten Hygienekonzepten ließe sich der Ski-Betrieb sehr wohl coronakonform gestalten.

Söder für europaweite Einigung

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte will Skigebiete angesichts der Corona-Pandemie mindestens bis zum 10. Januar geschlossen halten. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte den Vorstoß unterstützt. "Wenn wir Grenzen offen halten wollen, brauchen wir auch eine klare Übereinkunft, was das Skifahren betrifft. Ansonsten wird es eine schwierige Entwicklung", sagte er am Dienstag in München.

Wer in Risikogebieten Skifahren gehe, müsse zehn Tage in Quarantäne. "Mir wäre lieber, wir würden ein einheitliches Übereinkommen auf europäischer Ebene haben: Keine Skilifte offen, kein Urlaub überall."

Ausfall der Wintersportsaison wäre "Fiasko"

Auch Tourismus-Beschäftigte und die Betreiber von Bergbahnen kritisierten Söders Vorstoß. Der Geschäftsführer der Hörnerbahn im Oberallgäu, Wilfried Tüchler, sagte dem BR, ein späterer Saisonstart hätte gravierende wirtschaftliche Folgen. Ähnlich sieht das der Tourismusdirektor der Gemeinde Bad Hindelang im Allgäu, Maximilian Hillmeier: "Wintertourismus ohne Bergbahnen funktioniert nicht."

Ebenso zeigte sich die Tourismuschefin von Sankt Englmar im Bayerischen Wald, Astrid Piermeier, alarmiert: "Das wäre für uns eine Katastrophe. Die Liftbetreiber haben keine Kosten und Mühen gescheut, um Hygienekonzepte aufzustellen, dafür teils fünfstellige Beträge investiert."

Für die Tourismus-Branche in der Region rund um den Ochsenkopf im Fichtelgebirge wäre ein coronabedingter Ausfall der Wintersportsaison ein "Fiasko". Die diskutierte Maßnahme würde schließlich nicht nur Liftbetreiber und Skischulen betreffen, sagte der Geschäftsführer der Tourismus und Marketing GmbH Ochsenkopf, Andreas Munder, im Gespräch mit dem BR. Der gesamte Bereich um Restaurants, Hotels und Privatunterkünfte würde bis zu 45 Prozent des Jahresumsatzes in den Wintermonaten einnehmen.

Österreich droht mit Entschädigungsforderungen

Auch Österreich, das seit Monaten betont, die Skigebiete mit entsprechenden Vorkehrungen um jeden Preis öffnen zu wollen, reagierte mit vehementer Ablehnung. Finanzminister Gernot Blümel forderte Entschädigungen in Milliardenhöhe von der EU, falls Skilifte tatsächlich über die Weihnachtsferien stillstehen sollen.

Ebenso lehnt Bundeskanzler Sebastian Kurz eine länderübergreifend spätere Öffnung der Wintersportgebiete in der Corona-Krise ab. Öffnungsschritte in allen Bereichen, darunter der Sport, würden von den Staaten unterschiedlich gehandhabt, sagte Kurz am Mittwoch auf eine Frage bei einer Pressekonferenz in Wien. "Das hängt immer mit den Infektionszahlen zusammen und zwar den Infektionszahlen bei uns in Österreich. Ich kann Ihnen nur sagen, wenn jemand alleine laufen geht im Moment, dann ist das ähnlich gefährlich, wie wenn jemand alleine eine Skitour geht", so Kurz. "Wenn jemand einen Lift verwendet, dann ist das ähnlich, wie wenn er ein öffentliches Verkehrsmittel verwendet. Anhand dieser Gesichtspunkte muss man Entscheidungen treffen."

Die österreichische Tourismusministerin Elisabeth Köstinger sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: "Ich kann den Vorstößen nach der Schließung von Skigebieten über Weihnachten nichts abgewinnen." Winterurlaub in Österreich werde sicher sein: "Unsere Betriebe haben bereits umfassende Sicherheitskonzepte für den Skiurlaub."

Auch Naturschützer sprechen sich gegen Ski-Verbot aus

Für die Umwelt werde eine kürzere Skisaison vermutlich keinen positiven Effekt haben, sagte Thomas Frey, Regionalreferent fürs Allgäu beim Bund für Umwelt und Naturschutz. "Ich habe eher die Befürchtung, dass dann Individualsportler querfeldein durch die Berge marschieren." Dadurch würden bedrohte Arten wie Auer- und Schneehuhn in ihren letzten Rückzugsbereichen gestört.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!