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Milchviehbauern wollen andere Agrarpolitik | BR24

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Wie lässt sich das Image der Landwirtschaft verbessern? Das war eines der Themen beim "Milchfrühstück" des Bundesverbands der Milchviehhalter am Dienstag im Oberallgäu.

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Milchviehbauern wollen andere Agrarpolitik

Die Landwirtschaft hat ein Image-Problem, nicht erst seit den Bildern vom brutalen Umgang mit Rindern in einem Stall im Unterallgäu. Die Landwirte im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) wollen dem etwas entgegensetzen.

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Von
  • Rupert Waldmüller

Tierwohl-Verstöße im Stall, Gefahren für die Artenvielfalt auf dem Feld, Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen: Das Image von Landwirtschaft und Ernährungsindustrie ist angekratzt.

Bauern kämpfen um ihre Existenz

Auf der anderen Seite kämpfen viele Bauern ums Überleben. Die Lage für viele Milchbauern ist nicht leicht. Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und zu sagen, was sich aus ihrer Sicht ändern muss, hat der BDM, der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, zu einem "Milchfrühstück" auf dem Hof der Familie Steidele in Sulzberg im Oberallgäu geladen.

Milchbauer Steidele schmerzt die Kritik

Auf dem Hof von Simon Steidele in der Nähe von Kempten stehen 64 Milchkühe im Stall. Gemeinsam mit seinen Eltern und seiner eigenen Familie bewirtschaftet der 28-Jährige den Hof. Dass zurzeit die Bauern ein schlechtes Image in der öffentlichen Wahrnehmung haben, schmerzt den Landwirt: "Wir geben uns sehr viel Mühe und man versucht, das Beste zu machen. Für uns ist es schon schade, wenn das nicht anerkannt wird."

Der Wunsch: Mit den Verbrauchern reden

Schwarze Schafe gebe es - und gegen die müsse man auch vorgehen, sagt Simon Steidele. Die meisten würden aber gut mir ihren Tieren umgehen. Wenige Skandalbetriebe dürften nicht eine ganze Branche in Verruf bringen. Ein offener Stall, Gespräche mit Besuchern, das sei "das einzige und Beste, was wir machen können".

Die Steideles bieten unter anderem auch deshalb Urlaub auf dem Bauernhof an. Sie betrieben aber auch eine Biogas- und eine Photovoltaikanlage, weil die beiden Familien allein von der Milchwirtschaft nicht mehr leben könnten. Das müsse sich ändern, findet Hans Foldenauer vom BDM, dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter. Er fordert, dass sich die Arbeit der Milchbauern endlich wieder lohnen muss.

Milchbauern-Verband fordert mehr Mitsprache der Landwirte

Das Haupteinkommen in der Landwirtschaft müsse wieder aus den Erlösen von Milch und Fleisch kommen. Im Moment, so Foldenauer, sei Agrarmarktpolitik Ausbeutung der Menschen, der Tiere und der Umwelt. Nur die großen Konzerne würden letztlich profitieren.

Der BDM fordert deshalb, dass die Bauern eine bessere Stellung auf dem Markt bekommen müssten, um selbst beeinflussen zu können, wie viel Milch und Fleisch auf den Markt kommt. Dann hätten sie deutlich mehr Einfluss auf die Preise – und es bliebe auch mehr Geld übrig zur Förderung von Umwelt- Klima- und Artenschutz. Aber auch unter Bauern ist dieser Vorschlag des BDM nicht unumstritten.

Landwirt Simon Steidele sagt, es werde immer schwieriger. Aber aufzugeben, das sei der falsche Weg.

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