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Milchautomaten: Top oder Flop für Bauern? | BR24

© BR/Henning Biedermann, Christine Schneider

Klappt nicht bei jedem Landwirt: Milch per Automat verkaufen

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Milchautomaten: Top oder Flop für Bauern?

Durchschnittlich 36 Cent zahlen Molkereien für den Liter Milch. Ein Landwirt, der selbst vermarktet, kann indes einen Euro oder mehr bekommen – zum Beispiel mit einem Milchautomaten. Doch das funktioniert nicht überall.

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Milchautomaten und Zapfstellen sind theoretisch eine Möglichkeit, für die eigene Milch einen guten Preis zu erzielen. Aber die Kunden möchten bequem einkaufen, ohne weite Wege und ohne zusätzlichen Aufwand.

Täglich 150 Liter, doch bald brach der Absatz ein

Familie Hartmann betreibt in Bergenstetten im Landkreis Neu-Ulm einen Milchviehstall mit 70 Kühen. Vor drei Jahren sind die Hartmanns in die Direktvermarktung eingestiegen. Sie investierten rund 300.000 Euro, bauten einen Raum zum Pasteurisieren, kauften drei Milchautomaten und stellten sie im Herbst 2016 vor drei Supermärkte in ihrer Region: in Illertissen, Dietenheim und Vöhringen.

"Wir haben gehofft, dass wir zehn Prozent der Supermarkt-Kunden unsere Milch verkaufen können. Das hat am Anfang auch ganz gut geklappt. Aber wie es so ist: Am Anfang ist alles toll und dann kommt der Alltag." Christian Hartmann, Landwirt

Der tägliche Absatz von 130 bis 150 Liter pro Automat ging bald zurück. Obwohl die Hartmanns Werbung machten, Kundengespräche vor den Supermärkten führten, ihre Facebook-Seite pflegten und noch einen vierten Automaten Gerät aufstellten.

Nach Preiserhöhung sprangen die Kunden ab

Doch nach einem Jahr musste Christian Hartmann den Literpreis von einem Euro um 20 Cent erhöhen. Das kam bei Teilen der Kundschaft nicht gut an.

"Es hat mich einer angerufen: Er findet das eine Sauerei, dass ich um 20 Prozent aufschlage. Ich hab ihn gefragt, wie viel Liter Milch er mir abkauft? Die Antwort war: jeden Tag einen. Da hab ich gesagt: 'Das sind in 30 Tagen 6 Euro'."

Nach zwei Jahren verkaufte Christian Hartmann an seinen vier Milchautomaten nur noch gut die Hälfte der anfänglichen Menge. Gemessen am täglichen Arbeitsaufwand war ihm das zu wenig: "Meine Stunden und die von meiner Frau und die von meiner ganzen Familie, die dazu geholfen hat, die sind nie bezahlt worden." Wenn man diese Arbeitszeit in Vergleich zum Ertrag setze, "dann geht die Rechnung nicht auf". Im Februar 2019 war dann Schluss. Die Hartmanns verkauften ihre Automaten an einen anderen Landwirt.

Hat ein anderer Landwirt mehr Glück?

Auf dem Allgäu-Hof von Michael Müller, bei Bad Wurzach in Baden-Württemberg, stehen 200 Braunvieh-Kühe. Dreimal so viele wie bei den Hartmanns. Michael Müller betreibt 14 Milchautomaten und vermarktet 15 bis 20 Prozent seiner Milchproduktion selbst. Nicht nur über die Automaten, sondern auch über Supermärkte, Dorfläden und Bäckereien. An fünf Tagen in der Woche sind vier Fahrer auf verschiedenen Routen zwischen Ulm und dem Bodensee unterwegs, um die Automaten zu befüllen und diverse Kunden zu beliefern.

An den meisten der Automaten kostet der Liter 1,30 Euro. Auch Müller verspricht sich momentan noch keinen großen Gewinn, angesichts des Zeitaufwands und der Personalkosten. Ihm geht es aber darum, in der Region als Marke präsent zu sein – nicht nur im Supermarkt, sondern auch gut sichtbar auf der Straße. Er hofft, dass sich dies langfristig auszahlt.

"Ich habe andere Betriebszweige, die sich derzeit besser rechnen als Milch: Energieerzeugung oder Ferienhäuser. Aber Milcherzeugung ist für mich eine Herzensangelegenheit." Michael Müller, Landwirt

2.000 Milchautomaten in Deutschland

Wie viele Landwirte ihre Milch wirklich wirtschaftlich über Automaten absetzen, darüber gibt es keine Statistik. Nach Angaben der drei relevanten Hersteller stehen in Deutschland circa 2.000 Milchautomaten, davon circa 1.600 auf den Höfen der Erzeuger. Den Schritt "nach draußen", vor die Supermärkte, haben bislang nur wenige Bauern gewagt.

Grundsätzlich geht es nicht nur um den richtigen Standort und den Arbeitsaufwand, es sind auch viele rechtliche Regelungen zu beachten. Zwar muss kein Gewerbe angemeldet werden, aber es gibt Vorschriften zur Lebensmittelhygiene, zum Baurecht, zum Mess- und Eichgesetz und sogar zur Straßenverkehrsordnung, falls der Milchautomat in der Nähe einer Straße aufgestellt wird. Landwirte können sich bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft informieren.

© BR

Direktvermarktung mit Milchautomaten - rechnet sich das? Für einen schwäbischen Landwirt lautet die Antwort nein. Er hat vor drei Jahren drei Automaten vor Supermärkten aufgestellt. Erst lief alles gut, doch dann ging der Absatz zurück.