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Mikrowelleneinsatz gegen Bettwanzen auf der Berghütte | BR24

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Bettwanzen reisen genauso gerne wie wir. Auf ihren Reisen haben sich die Parasiten abgehärtet und Resistenzen gegen Bekämpfungsmittel entwickelt. Deswegen sind die Wanzen jetzt wieder da.

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Mikrowelleneinsatz gegen Bettwanzen auf der Berghütte

Bettwanzen reisen wohl genauso gerne wie wir. Die Plagegeister breiten sich wieder aus. Hüttenwirte in den Alpen reagieren mit kreativen Methoden, auch Mikrowellen-Geräte kommen zum Einsatz.

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Erst einmal geht's zur Mikrowelle. Wer auf dem Weg zur Zugspitze an der Knorrhütte ankommt und dort vor dem Anstieg auf Deutschlands höchsten Berg übernachten möchte, muss seinen Hüttenschlafsack am Eingang in das Küchengerät stecken: 30 Sekunden bei 600 Watt. Denn im Schlafsack reisen gelegentlich ungebetene Gäste mit: Wanzen. Auch Nachbarhütten haben solche Geräte angeschafft. Nicht nur im Zugspitzgebiet, sondern auch im Kaisergebirge, im Allgäu und in Österreich haben sich die Plagegeister in der Vergangenheit in einigen Unterkünften des Deutschen Alpenvereins (DAV) eingenistet. Nun verstärken die Wirte ihre Maßnahmen.

Wanzen "reisen" meist mit Hüttenschlafsäcken

"Der Bergwandertourismus hat zugenommen - und damit die Möglichkeit der Verbreitung von Bettwanzen", sagt Thomas Gesell, Hüttenreferent der DAV-Sektion München. Der Hüttenschlafsack sei der Übertragungsweg Nummer eins; zu 70 Prozent würden die Tiere darüber eingeschleppt. Die Mikrowelle habe sich schon bewährt. Das sei sinnvoll und gut zu handhaben.

"Die Gäste nehmen das an." Thomas Gesell, DAV

Teils basteln Wirte an Bettgestell-Fallen aus Doppelklebestreifen, damit die Blutsauger hängen bleiben, wenn sie nächtens aus ihren Verstecken krabbeln, um sich an die Schlafenden heranzumachen. Manche Wirte lassen Wanzenspürhunde durch die Schlafräume schnüffeln.

Angelockt werden die blutsaugenden Insekten vom Schweißgeruch getragener Kleidung. Er verheißt die Nähe eines Menschen - und sein Blut.

Blutflecken auf blauen Hüttendecken

Die DAV-Sektion Garmisch-Partenkirchen hat nun teilweise ihre Decken ausgewechselt: statt braun oder rötlich jetzt hellblau. "Blutflecken sieht man da besser", sagt Toni Bräckle, zuständig für Hütten bei der Sektion. Auch die ein bis acht Millimeter großen Tiere sind besser zu erkennen, die Decken sind zu 50 Prozent aus Polyester und werden bei bis zu 60 Grad gewaschen. Denn den 30-Grad-Waschgang einer Wolldecke kann eine Wanze schon mal überleben.

Weltweite Ausbreitung der Bettwanzen

Die Hütten sind mit dem Problem nicht alleine. Unterkünfte weltweit kämpfen mit der Plage. Schlimm war es eine Zeit lang in Australien, auch aus den USA berichten Heimkehrer von den lästigen Bettgenossen.

"Seit den 1990er-Jahren beobachtet man weltweit eine Zunahme beim Auftreten dieser Wanzen", sagt die Biologin und Schädlingsexpertin beim Umweltbundesamt, Carola Kuhn. Die Tiere werden aus dem Urlaub im Reisegepäck mit nach Hause genommen, etwa in gebraucht gekauften Gegenständen.

"Reisen weltweit - das ist der typische Ausbreitungsweg für die Wanzen. Die wesentliche Ursache für die Zunahme wird darin gesehen, dass sie resistent sind gegen Wirkstoffe, deshalb schwerer zu bekämpfen sind und sich stärker ausbreiten." Carola Kuhn, Schädlingsexpertin beim Bundesumweltamt

Günstige Absteigen genauso betroffen wie teure Hotels

Mario Heising, Vorsitzender des Landesverbandes Berlin/Brandenburg des Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbandes, berichtet von einer Zunahme der Einsätze der Mitgliedsunternehmen in dieser Region und von seinen eigenen Erfahrungen. "In der DDR habe ich pro Jahr vielleicht eine Bettwanze bekämpfen müssen, weil grad mal Studenten aus Moskau zurückkamen und Bücher mitgebracht haben", sagt Heising. Mitte der 1990er-Jahre nach der Öffnung der Grenzen sei es etwa einmal im Monat gewesen. "Jetzt ist es jeden Tag."

Günstige Absteigen seien genauso betroffen wie teure Hotels. "Das hat mit billig oder teuer nichts zu tun. Das größte Problem sehe ich in der Unehrlichkeit", sagt Heising. Lange wurde das Thema tabuisiert. Viele wussten nicht einmal, was da krabbelt: Da seien diejenigen gewesen, die meinten, einen Käfer im Hotel zerdrückt zu haben, "und sich gewundert haben, warum sie zerbissen sind". Heising bekämpft die Tiere teils, indem er Räume extrem aufheizt, oder mit chemischen Mitteln, die etwa die Häutung der Tiere unterbinden oder deren Stoffwechsel stören.

Bettwanzen übertragen keine Krankheiten auf uns

Bettwanzen hätten nichts mit Hygienemängeln zu tun, sagt die Biologin Kuhn. "Das Problem ist, dass sie häufig gar nicht in den Decken sitzen, sondern hinter Leisten oder in Ritzen. Da können Sie putzen, wie sie wollen - da kommen Sie gar nicht dran."

Viele Menschen reagierten stark auf die Stiche - und manchen machten die Krabbeltiere auch psychisch zu schaffen. "Viele klagen über Schlafstörungen und psychische Belastungen, da die Tiere ja in den Rückzugsorten der Menschen leben – zum Beispiel im Bett", sagt Kuhn.

Dennoch gibt es eine gute Nachricht: Darüber hinaus sind Wanzen ungefährlich. "Sie sind nicht dafür bekannt und man konnte bisher nie nachweisen, dass sie Krankheitserreger auf den Menschen übertragen."