BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Hermann Scholz
Bildrechte: BR/Hermann Scholz

Mia san mia: Japaner in Bayern

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Mia san mia: Japaner in Bayern

Rund 8.000 Japaner leben in Bayern. Aber nicht alle werden morgen mitfiebern, wenn die Olympischen Sommerspiele in Tokyo eröffnet werden: Zu groß ist bei vielen die Skepsis, dass die vielen Olympia-Gäste die Pandemie in Japan wieder beschleunigen.

1
Per Mail sharen
Von
  • Hermann Scholz
  • BR24 Redaktion

Die Japanerin Kiriko Nishiyama weiß, was Deutsche von Japanern unterscheidet. Denn die Wahlmünchnerin gibt Kurse für interkulturelles Training, in denen sie Deutsche auf Japan vorbereitet. Größter Unterschied, sagt sie: Deutsche sind in der Kommunikation sehr direkt, sie legen Wert auf Ehrlichkeit. Japaner deuten vieles nur an und gehen davon aus, dass das Gegenüber zwischen den Zeilen lesen kann.

Mia san mia: So denken auch Japaner

Eines aber, sagt sie, haben Bayern und Japaner gemeinsam – ein Gefühl der eigenen Besonderheit. In den Augen von Kiriko Nishiyama ist die bayerische Mia-san-mia-Haltung auch typisch japanisch. Der Grund: Japan sei ein Inselstaat, wo viele Menschen davon ausgingen, Nicht-Japaner würden sie gar nicht verstehen. Japaner denken wie die Bayern, dass sie ein bisschen anders seien als der Rest der Welt, sagt die Kulturvermittlerin.

Olympia in einem Japan der Pandemie

Von den Olympischen Spielen gerade jetzt, mitten in einer Pandemie, ist sie nicht begeistert. Dass die japanische Regierung eine sportliche Großveranstaltung mit zehntausenden Gästen aus aller Welt zulasse, sei gegen den Willen der eigenen Bevölkerung.

Ganz anders Mika Yoshimura-Jordan aus Lappersdorf bei Regensburg. Die 49-Jährige will sich Olympia im Fernsehen anschauen.

Weniger Stress in Bayern als in Japan

Vor 20 Jahren ist Yoshimura-Jordan mit ihrem Mann nach Regensburg gekommen. Und hat es nicht bereut – die Leute in Bayern seien fröhlich, Essen und Bier gut – und hier gebe es viel weniger Stress. In Japan herrsche nämlich sehr viel Druck auf Kinder und Erwachsene. In Deutschland fühlt sie sich frei zu tun, was sie möchte, und zu sein, wie sie sein will.

Yoshimura-Jordan arbeitet in Regensburg als Stadtführerin. Die Stadt entspreche für japanische Touristen genau ihrem Bild von Deutschland, mit der Altstadt, den roten Ziegeldächern und der Donau. Leider seien die meisten Touristen aus Japan nur für 90 Minuten in der Stadt – so viel Zeit lässt ihnen ihre gebuchte Tour.

Japanerin spricht deutsch mit bayerischem Akzent

Yoshimura-Jordan aber fühlt sich in Bayern angekommen. Als Kind hat sie mehrere Instrumente gelernt, aber erst in Regensburg Zeit gefunden, sich wieder der Musik zu widmen. Sie spielt Trompete in der Lappersdorfer Blaskapelle, daneben Kirchenmusik bei den Karether Bläsern und in einer Big Band. Und mittlerweile, sagt sie, werde sie schon manchmal darauf angesprochen, dass in ihrem Deutsch der bayerische Einschlag zu hören sei.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

© BR
Bildrechte: BR/megaherz gmbh/Hans-Florian Hopfner

Checker Julian in Japan. Zuerst geht er in der Hauptstadt Tokio auf Erkundungstour und reist danach durch die Region Ymanashi, in der auch der höchste und berühmteste Berg Japans steht: der Fuji.