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Metzgereien schließen: Niederbayerische Wurst in Gefahr? | BR24

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Niederbayerische Metzgereien schließen, da zunehmend Fachpersonal und Nachwuchs fehlt. Ein neues Image für das Handwerk ist nötig für eine Trendwende. Sind Wurstautomaten die Zukunft?

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Metzgereien schließen: Niederbayerische Wurst in Gefahr?

Niederbayerische Metzgereien schließen, da zunehmend Fachpersonal und Nachwuchs fehlt. Ein neues Image für das Handwerk ist nötig für eine Trendwende. Sind Wurstautomaten die Zukunft?

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Weil den niederbayerischen Metzgereien zunehmend der Nachwuchs und das Personal fehlen, müssen sie tageweise schließen oder den Wurstverkauf per Automat abwickeln. Das bestätigt der Geschäftsführer des Fleischereiverbandes Bayern auf BR-Anfrage. Seit Juni weist beispielsweise ein Schild bei der Metzgerei Steinleitner in Deggendorf und Osterhofen darauf hin, dass montags geschlossen sei.

30 Prozent Metzgereien seit 2015 geschlossen

Seit 2015 mussten rund 30 Prozent der Metzgereibetriebe in Niederbayern aufgeben, so Lars Bubnick vom Fleischereiverband. Vielfach finde sich kein Nachfolger mehr. Eine weitere Ursache für den Nachwuchsmangel sieht er in der Jugend: Die meisten wollten studieren und es gelte als „uncool, sich die Hände schmutzig zu machen.“ Dies belegen auch die Zahlen der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. In den letzten Jahren gab es beispielsweise in 2014 noch 162 Auszubildende im Bereich Fleischereihandwerk, 2018 waren es nur noch 144.

Ursachen des Nachwuchsmangels

Das Problem, dass im Lebensmittelhandwerk immer weniger Interesse an einer Ausbildung besteht, gebe es bereits seit rund zehn Jahren, so Hans Schmidt von der Handwerkskammer. Da mittlerweile in allen Branchen, auch in der Industrie, Pflege etc. Personal fehle, suchten alle Branchen gleichzeitig nach Azubis, und daher verstärke sich dieser Trend. Ferner habe sich der Markt in den letzten Jahren verändert, unter anderem durch Billigangebote der Discounter, aber auch durch ein schlechtes Image der Arbeitszeiten in Handwerksbetrieben. Viele Betriebe müssten daher, trotz hoher Auslastung, ihre Öffnungszeiten einschränken oder ganz aufgeben.

Neues Image für Handwerk nötig

Jahrelang wurde die berufliche Bildung in Deutschland vernachlässigt. Es gehe aber darum, das Image für die Qualität der Handwerksbetriebe zu stärken. Dazu trage unter anderem bei, dass wieder Meistertitel in verschiedenen Berufen eingeführt würden. In Landshut würden aktuell Meister im Fleischereihandwerk ausgebildet, zum Beispiel zu Fleisch- und Wurstsommeliers. Hohe Qualität und fachliches Know-how, aber auch Nachwuchswerbung über Social-Media-Kanäle sei eine Chance für eine Trendwende in der Ausbildung.

Wurstautomaten bieten Alternative

Ein weiterer Trend bei Metzgern sind laut Fleischereiverband-Geschäftsführer Lars Bubnick Wurstautomaten. Der Metzger Wolfgang Schmalhofer aus Vilsbiburg (Lkr. Landshut) verkauft seine Wurst hier nicht mehr an der Theke, sondern über Automaten - aus Personalnot. Schmalhofer selbst sieht einen Vorteil darin: Seine Kunden können jetzt sieben Tage in der Woche von sechs bis 21 Uhr die Wurst kaufen. Wurstautomaten können laut Bubnick die Fachbetriebe zwar nicht ersetzen, seien aber eine sinnvolle Ergänzung.

Neue Ideen für die Zukunft

Die Betriebe, die es aktuell noch gibt, rüsten sich jetzt auch mit neuen Ideen für die Zukunft: Trends wie Food-Trucks, eine Nischenspezialisierung auf Barbecue und Grillen oder der Vorteil der regionalen Wurst kommen bei den Kunden an. Dank einer Vielzahl von kleineren Schlachtbetrieben könne in Bayern garantiert werden, dass viele Metzgereien ihr Fleisch noch aus der Region beziehen. Verschwinden wird die deutsche Wurst laut Bubnick daher nicht.