Pressekonferenz nach einem Angriff auf Passanten in Ansbach: Hinweise für einen islamistischen Hintergrund gebe es derzeit nicht.

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Bauernfeind
  • Artikel mit Video-Inhalten
>

Messerattacke Ansbach: Keine Hinweise auf terroristisches Motiv

Messerattacke Ansbach: Keine Hinweise auf terroristisches Motiv

Nach einem Angriff auf Passanten in Ansbach gehen die Ermittler von einem Alleintäter aus. Hinweise auf ein terroristisches oder extremistisches Motiv gebe es bislang nicht. Der Angreifer wurde bei der Attacke von Polizisten niedergeschossen.

Der Mann, der am Donnerstagabend südlich des Ansbacher Bahnhofs Passanten mit einem Messer angegriffen hat, soll nicht aus islamistischen Hintergründen gehandelt haben. Das teilte die Polizei bei der extra einberufenen Pressekonferenz in Ansbach mit.

Über den Täter wird berichtet, er habe "Allahu Akbar", also übersetzt "Gott ist groß", gerufen. Daher wollten die Ermittler eine politisch-religiöse Motivation zunächst nicht ausschließen. Der 30-jährige Mann wurde von der Polizei niedergeschossen und dabei tödlich verletzt.

Bislang keine Hinweise auf Unterstützer

Den Angaben zufolge wurde die Wohnung des Mannes durchsucht und sein Handy sichergestellt. Es wird derzeit von Kriminalisten in Nürnberg auf Hinweise untersucht. Bislang seien darauf aber noch keinerlei Tatmotive gefunden worden. Es bestehe auch kein Hinweis auf Unterstützer, er habe als Einzeltäter gehandelt, so die Ermittler.

Täter ist polizeibekannt

Nach Angaben der Polizei ist der Verdächtige wegen Drogendelikten, Körperverletzungsdelikten und einer sexuellen Belästigung schon vor der Attacke der Polizei bekannt gewesen. Als islamistischer Extremist sei er den Sicherheitsbehörden bislang nicht aufgefallen.

Abgelehnter Asylbewerber

Der 30-jährige Mann war als Asylbewerber in Deutschland abgelehnt worden. Der Afghane habe lediglich einen Duldungsstatus besessen, der in einer Woche abgelaufen wäre, sagte der Leiter der polizeilichen Ermittlungen, Dieter Hegwein auf der Pressekonferenz.

Der Mann sei demnach im Jahr 2015 nach Deutschland gekommen und war seit zwei Jahren in einer Gemeinschaftsunterkunft in Ansbach untergebracht. Offenbar war er depressiv, bei ihm in der Unterkunft seien Antidepressiva gefunden worden. Ob die Tat mit dem ablaufenden Duldungsstatus zusammenhängt, ist nicht bekannt. Die Motivlage ist nicht eindeutig geklärt, sagt Hegwein.

Innenminister Herrmann: Es war "Notwehrsituation"

Nach Angaben des bayerischen Innenministers, Joachim Herrmann, war der Messerangreifer in psychischer Behandlung. Von Polizei und Staatsanwaltschaft müsse nun sorgfältig ermittelt werden, ob es Kontakte in den islamistischen Bereich oder ob es Interesse am radikalen Islamismus gab. Leider habe es sich in der "Notwehrsituation" nicht vermeiden lassen, dass der Angreifer tödlich verletzt wurde, so Herrmann weiter. Er sei "sehr froh", dass die Polizei "sehr schnell" vor Ort war und verhindern konnte, dass weitere Menschen "ernsthaft verletzt wurden".

Passanten angegriffen

Der 30-jährige Mann hatte den Angaben zufolge am Donnerstag (08.09.2022) in der Nähe des Ansbacher Bahnhofs einen 17-jährigen Schüler mit einem Messer attackiert. Er kniete dabei auf ihm mit zwei Küchenmessern in der Hand. Ein 20-jähriger Passant kam dem Schüler zu Hilfe und rettete ihm so vermutlich das Leben, berichtet Roman Fertinger, Präsident des Polizeipräsidiums Mittelfranken.

Der Angreifer rannte daraufhin weg, wurde jedoch kurze Zeit später von der Polizei in der Draisstraße, südlich des Bahnhofs, gestellt. Dabei verhielt er sich nach Polizeiangaben aggressiv und sei mit zwei Messern auf Polizisten zugegangen. Daraufhin hätten zwei Beamte drei Mal auf den 30-jährigen Afghanen geschossen. Alle drei Schüsse trafen den Mann. Bodycams der Polizisten hätten die gesamte Tat aufgezeichnet. Trotz sofortiger Rettungsmaßnahmen erlag der 30-Jährige noch vor Ort den tödlichen Schussverletzungen.

Schüsse der Polizei: Bayerisches Landeskriminalamt ermittelt

Die Staatsanwaltschaft geht derzeit von einem rechtmäßigen Schusswaffengebrauch der Polizisten aus, sagte die Leitende Oberstaatsanwältin Gabriele Hofmeier in Ansbach. Zum genauen Hergang haben Beamte des Bayerischen Landeskriminalamts die Ermittlungen aufgenommen. Diese übernehmen routinemäßig die Ermittlungen, wenn Schüsse aus Polizeiwaffen abgegeben werden.

Die Polizei ermittelt nun vor allem im Umfeld des Messerstechers – was hat den 30-jährigen Afghanen zu dieser Tat motiviert?

Bildrechte: News5

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!