BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Seit einem Jahr hat die Nürnberg Messe mit Einbußen zu kämpfen. Doch auch dieses Jahr werden wieder viele Veranstaltungen abgesagt oder ins Internet verlegt. Eine große Belastung für Betreiber und zuliefernde Unternehmen.

4
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Messe Nürnberg: Corona-Krise kostet rund 900 Millionen Euro

Das Nürnberger Messezentrum steht leer. Wegen der Corona-Krise finden keine Präsenzveranstaltungen statt. Das hat massive Folgen für die Messe - und auch für die gesamte Region. Es fehlen rund 900 Millionen Euro Kaufkraft.

4
Per Mail sharen
Von
  • Michael Reiner

Die große Eingangshalle ist leer. Die Drehkreuze, durch die normalerweise die Besucher ins Messezentrum kommen, sind abgedeckt. An den Schaltern hängen Spender für Desinfektionsmittel. Alles ist vorbereitet. Eine gute Woche würde es dauern, bis der Betrieb wieder hochgefahren werden kann. Doch wann das sein wird, ist offen.

Stillstand des Messegeschehens

Für Roland Fleck, einen der Geschäftsführer der Nürnberger Messe, ist das eine völlig neue Erfahrung. In der Vergangenheit konnte die Messe einen Rekord nach dem anderen vermelden.

"Wir waren seit Jahren auf der Überholspur und sind quasi in Sekundenbruchteilen auf die Standspur gezwungen worden. Vollbremsung." Roland Fleck, Geschäftsführer NürnbergMesse

Die Vollbremsung hatte Auswirkungen auf das gesamte Unternehmen. Der Umsatz der Messe ging um zwei Drittel auf rund 115 Millionen Euro zurück. Gleichzeitig stieg der Verlust der Gesellschaft im Jahr 2020 auf rund 60 Millionen Euro. Wenn überhaupt, dann fanden die Veranstaltungen, wie die Biofach Anfang Februar, für einige Tagen digital statt. Die Teilnehmer trafen sich in Videokonferenzen. Vorträge wurden live übertragen. Rund 14.000 Menschen waren als Aussteller, Besucher und Kongressteilnehmer online dabei.

Digitale Formate sind Hoffnungsschimmer

Auch wenn es zum Teil etwa holprig war, für Messechef Fleck sind digitale Angebote ein Hoffnungsschimmer. Das Geschäftsmodell Messe werde weiterhin funktionieren. Allerdings nicht eins zu eins, wie Fleck sagt. "Wir gehen davon aus, dass es in einer Art Stufenkonzept wieder nach vorne gehen wird. Dass wir es schaffen, wieder Präsenzveranstaltungen zu machen. Aber künftig immer verknüpft mit einem digitalen Modul".

Persönliche Kontakte sind wichtig

Ein Blick zurück auf die Biofach im vergangenen Jahr: Die Hallen sind voll, an den Ständen drängen sich die Menschen. Die Hersteller präsentieren ihre Produkte, es wird viel geredet und verhandelt. Ganz ohne persönliche Kontakte werden solche weltweiten Branchentreffs wie die Biofach nicht funktionieren. Schmecken, testen und probieren klappt online eben nicht.

Messe wichtig für exportorientierten Standort

Die Messe sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die gesamte Metropolregion, sagt Nürnbergs Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU). Die Region sei ein extrem exportorientierter Standort. "Wir haben einen sehr starken produzierenden Mittelstand. Wenn der seine Waren in die Welt liefern will, dann ist es wichtig, dass die Welt in Form von Messen auch zu uns kommt", so Fraas.

Handel, Hotels und Gaststätten leiden

Auch in der Stadt selbst sind die Folgen zu spüren. Die Messe ist ein großer Wirtschaftsfaktor. Rund 900 Millionen Euro Kaufkraft im Jahr fallen in der gesamten Region weg, weil die Messe in der Corona-Krise steckt, sagt Fraas. Das hat das Ifo-Institut errechnet. Der Handel in der Innenstadt, wie zum Beispiel Gaststätten und Hotels, sind betroffen. Und die gesamte Infrastruktur rund um die Messe. Überall fehlt das Geld, das die Messebesucher sonst ausgeben.

Eine Messehalle ist derzeit Impfzentrum

Jetzt hoffen alle darauf, dass das Geschäft nach dem Lockdown wieder anspringt. Und Messe-Chef Fleck hofft darauf, dass die digitalen Formate der Messe Lust auf Nürnberg gemacht haben und sich "die Menschen auch wieder in den Flieger setzen und nicht mehr das Virus um den Globus fliegt, sondern die Aussteller und die Besucher". Die Messe beteiligt sich auch am Kampf gegen das Virus. In der Halle 3C hat das kommunale Impfzentrum Platz gefunden. Hier herrscht, anders als auf dem Rest des Messegeländes, wenigstens etwas Betrieb.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!