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Friedrich Merz (l.) beim digitalen CDU-Parteitag am 16.01.21 - im Hintergrund Norbert Röttgen (M.) und Armin Laschet (r.).

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Merz und die Frauen: "Eine Runde Mitleid, wenn ich bitten darf!"

Mit seinem "Wort zu den Frauen" beim CDU-Parteitag am Samstag hat Friedrich Merz für viel Stirnrunzeln gesorgt - auch zwei bayerische Ministerinnen üben Kritik. Die Frauen-Union der CSU sieht derweil in der eigenen Partei "weiterhin Handlungsbedarf".

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Von
  • Maximilian Heim

"Auch diejenigen, die sozial schwach sind, finden gerade bei uns ein Herz und Zuwendung", hat Friedrich Merz auf dem virtuellen CDU-Parteitag betont. Dann beginnt er "in diesem Zusammenhang ein Wort zu den Frauen". Er höre und lese teilweise, dass er da "ein altes Bild vor Augen" hätte, sagt Merz. Und schränkt gleich ein: "nicht in unserer Partei, aber außerhalb". Schließlich ergänzt er: "Liebe Freundinnen und Freunde, wenn das so wäre: Dann hätten mir meine Töchter schon längst die gelbe Karte gezeigt - und meine Frau mich auch vor vierzig Jahren nicht geheiratet."

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Friedrich Merz versuchte in seiner Bewerbungsrede für den CDU-Vorsitz, sein Image als nicht sehr frauenfreundlicher Politiker aufzupolieren. Seine Worte zogen aber viel Kritik nach sich.

Schon diese Passage sorgt im Anschluss in den sozialen Netzwerken teilweise für großes Stirnrunzeln. "Ich finde auch, Feministinnen und Frauen im Allgemeinen könnten sich langsam mal bei Friedrich Merz bedanken, dass er Frauen so sehr mag, dass er sogar eine geheiratet hat", twittert die Autorin und Designerin Marie von den Benken kurz nach der Bewerbungsrede für den Parteivorsitz.

CSU-Politikerin Scharf: "...dann ist das sehr dünn"

Merz' "Wort zu den Frauen" stößt in der Frauen-Union der CSU ebenfalls auf Kritik. Die Vorsitzende Ulrike Scharf sagt auf BR-Anfrage: "Ich war über diese Passage auch verwundert - besonders über den Satz, dass ihn seine Frau nicht vor vierzig Jahren geheiratet hätte, wenn er wirklich ein Frauenproblem hätte. Wenn das die ganze Legitimation ist, um Frauen zu fördern, dann ist das sehr dünn. Denn grundsätzlich gilt ja: Der Frauenanteil in den Parlamenten - im Bundestag und in den Landtagen - ist beschämend niedrig." Zur Einordnung: Im Bayerischen Landtag liegt der Frauenanteil derzeit bei 27 Prozent - rund drei von vier Parlamentariern sind also Männer.

Derweil sorgt eine weitere Merz-Äußerung für Unmut - ebenfalls beim CDU-Parteitag und zum gleichen Thema. Denn seinen Verzicht auf eine Kandidatur für das CDU-Präsidium begründet Merz nach der Niederlage bei der Vorsitzendenwahl wie folgt: "Ins Präsidium wären bei meiner Bewerbung noch weniger Frauen gewählt worden." Zudem könne die Partei "nicht nur von Männern aus NRW geführt werden", erläutert Merz, der früher Unionsfraktionschef im Bundestag war. "Ich habe mich deshalb entschlossen, zugunsten der Frauen auf eine Kandidatur zu verzichten."

Bayerische Ministerinnen kritisieren Merz

Kurz darauf erklärt Merz dann seine Bereitschaft, sofort das Bundeswirtschaftsministerium zu übernehmen (was Bundeskanzlerin Merkel umgehend ablehnte). Nun schaltet sich via Twitter auch eine bayerische CSU-Politikerin ein - und zwar Digitalministerin Judith Gerlach. "Eine Runde Mitleid, wenn ich bitten darf!", schreibt Gerlach. "Es war doch sooo großzügig von ihm, dass er den unbezahlten Posten im Parteivorstand mit wenig Öffentlichkeitswirkung dann doch einer Frau überlassen wollte...". Und unter Gerlachs Beitrag kommentiert die bayerische Bau- und Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU): "Aber den bezahlten als Bundesminister würde er schon nehmen".

"Erst zugunsten von Frauen auf einen Sitz im CDU-Präsidium zu verzichten und dann quasi im gleichen Atemzug sofort das Bundeswirtschaftsministerium zu beanspruchen, das ist schon irritierend", sagt die bayerische Frauen-Union-Vorsitzende Scharf. Sie bemüht sich allerdings auch, die Wogen etwas zu glätten: "Dass Friedrich Merz weiter in die Union eingebunden werden sollte, ist aber klar - viele wünschen sich seine Wirtschafts- und Finanzkompetenz für unsere Politik."

Söders Ankündigung: "Jünger, weiblicher, digitaler"

Tatsächlich sieht die Frauen-Union der CSU auch bei der Frauenförderung in der eigenen Partei weiterhin Handlungsbedarf. Man sei innerhalb der Christsozialen zwar "auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel", sagt Scharf. "Die gleiche Teilhabe von Frauen und Männern ist unsere Mission. Wichtig ist, dass Frauen zunehmend präsenter werden und Entscheidungen, auch bei der Besetzung von Posten, kritisch und konstruktiv hinterfragen."

"Jünger, weiblicher, digitaler" - diese Devise hat CSU-Chef Markus Söder schon vor längerer Zeit ausgegeben. Beim Parteitag 2019 scheiterte die Parteispitze allerdings damit, die interne Frauenquote auf die CSU-Kreisverbände auszuweiten. Vor einem halben Jahr sagte Landtagspräsidentin Ilse Aigner, auch Chefin der Oberbayern-CSU, die Partei brauche mehr weibliche Mitglieder.

Bayerns Kabinett: zwei Drittel Männer, ein Drittel Frauen

Derweil betonte Söder immer wieder, dass die CSU-Ministerriege innerhalb der Staatsregierung je zur Hälfte mit Männern und Frauen besetzt sei. Das hat sich zuletzt durch die Ernennung von Klaus Holetschek zum neuen Gesundheitsminister wieder etwas verschoben. Innerhalb der ganzen Staatsregierung kann besonders wegen der Freien Wähler (drei Minister, eine Staatssekretärin, keine Ministerin) nicht von einer paritätischen Besetzung die Rede sein. Derzeit umfasst das bayerische Kabinett zehn Minister, fünf Ministerinnen, zwei Staatssekretäre und eine Staatssekretärin. Oder noch einfacher: zwei Drittel Männer, ein Drittel Frauen.

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