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Merkels "Lernstunde" bei Ehrenamtlichen in Deggendorf | BR24

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Ein Gipfel für die Ehrenamtler in Deggendorf. Landrat Bernreiter hat es geschafft, hohen Besuch nach Niederbayern zu locken. Die Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten.

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Merkels "Lernstunde" bei Ehrenamtlichen in Deggendorf

Bundeskanzlerin Merkel hat auf der Veranstaltung "Ehrenamt im Dialog" in Deggendorf 2.500 Ehrenamtliche gewürdigt. Sie will die Rahmenbedingungen für das Ehrenamt verbessern. Am Rande der Veranstaltung demonstrierten Bauern gegen die Agrarpolitik.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei ihrem Besuch in Deggendorf am Montag ihre Wertschätzung für das Ehrenamt ausgedrückt. "Sie setzen Ihre Zeit ein. Und Zeit ist wohl das knappste Gut im 21. Jahrhundert", sagte die Bundeskanzlerin zu den 2.500 eingeladenen Ehrenamtlichen. Sie wolle sich deren Anregungen zu Herzen nehmen: "Das ist für mich eine Lernstunde, um herauszufinden, wo der Schuh drückt, denn wir wollen in dieser Legislaturperiode die Rahmenbedingungen für das Ehrenamt verbessern." Geplant sei, so die Bundeskanzlerin, ein Ehrenamtsgesetz.

Steuerfreie Aufwandspauschale soll angehoben werden

Eine Besucherin fragte, ob es möglich sei die steuerfreie Aufwandspauschale, also die finanzielle Anerkennung für ehrenamtliches Engagement, höher zu setzen. Die Kanzlerin teilte mit, dass bereits diskutiert werde, diese von 2.400 auf 3.000 Euro jährlich anzuheben. Sie wolle das Thema gleich mit dem Finanzminister besprechen, wenn sie zurück in Berlin sei, sagte sie.

Merkel warnt vor "bürokratischem Monster"

Eine andere Teilnehmerin schlug vor, ehrenamtliche Arbeit auf die Rente anzurechnen. Laut Merkel ist das aber nicht so einfach umsetzbar. Es gebe zu viele unterschiedliche Möglichkeiten, sich für die Gesellschaft zu engagieren. Sie befürchtet, wenn ehrenamtliche Arbeit in Rentenpunkte umgerechnet werde, bestehe die Gefahr, dass das Ehrenamt zu einem "bürokratischen Monster" werde.

Ein weiterer Teilnehmer äußerte den Wunsch nach einer Beratungsstelle oder einer Homepage mit Informationen zum Beispiel zur Steuererklärung für Vereine oder zur Vereinsgründung. Merkel erklärte daraufhin, dass eine Stiftung namens "Ehrenamt und Engagement" gegründet werden solle. Diese solle auch bei der Digitalisierung der Vereine helfen und Hilfestellung im Umgang mit Vorschriften und Gesetzen geben.

Angela Merkel geht in ihrer Ansprache auf Bauern ein

Vor den Deggendorfer Stadthallen demonstrierten derweil Landwirte mit rund 50 Traktoren. Auch auf sie ging die Kanzlerin in ihrer Ansprache ein. "Die Bauern brauchen für ihre Produkte faire Preise und Berechenbarkeit in dem, was sie tun. Wenn wir regionale Produkte essen und kaufen wollen, dann müssen wir denen, die die Lebensmittel produzieren, Achtung und Ehre entgegenbringen und ihre Arbeit schätzen", so Merkel. Die Bauern würden sich an Regeln halten und hätten eine gute Ausbildung. Man dürfe sie nicht unter Generalverdacht stellen.

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BR-Reporter Christian Riedl in Deggendorf zum Besuch der Kanzlerin bei den Ehrenamtlichen.

Markus Söder: "Unser Land wäre ohne Sie nichts."

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) betonte in seiner Rede, dass der Freistaat seine Menschlichkeit von den tausenden Menschen habe, die nicht nur für sich, sondern für andere etwas tun würden, die immer wieder trotz der vielen Bürokratie oder der Datenschutzgrundverordnung ein Stück weit ihr Herz geben würden, um es anderen angenehm zu machen. "Unser Land wäre ohne Sie nichts. Wir sind stolz, dass wir sie haben", so der Ministerpräsident. Er könne verstehen, dass viele Auflagen die Ehrenamtlichen entmutigen und betonte, dass es nicht sein könne, dass man "für die Abhaltung eines Grillfestes eine Doktorarbeit schreiben" müsse. Wer etwas leiste, sollte Unterstützung bekommen und nicht durch Bürokratie behindert werden.

50 Prozent im Landkreis Deggendorf engagieren sich ehrenamtlich

Landrat Christian Bernreiter (CSU) bedankte sich in seiner Ansprache bei der Kanzlerin für ihr Kommen und den Ehrenamtlichen für ihren Einsatz. Von 120.000 Einwohnern im Landkreis würden sich rund 60.000 ehrenamtlich engagieren. Deggendorfs Oberbürgermeister Christian Moser (CSU) bezeichnete das Ehrenamt als "die Basis für ein Miteinander." Ihm war besonders das Thema "Bürokratie im Ehrenamt" wichtig. Viele Ehrenamtliche würde diese belasten oder sogar abschrecken, sich ehrenamtlich zu engagieren. Er betonte, dass das Ehrenamt die Gesellschaft zusammenhalte und er sich sehr freue, dass sich die Kanzlerin dafür Zeit nehme.

Guter Draht zur Kanzlerin

Dass Angela Merkel die Veranstaltung "Ehrenamt im Dialog" besucht, ist hauptsächlich dem Deggendorfer Landrat Christian Bernreiter zu verdanken. Er und die Bundeskanzlerin pflegen ein gutes Verhältnis. Dieses sei 2015 entstanden, als viele Flüchtlinge ins Land kamen und die Bundeskanzlerin und der Landrat sich häufig austauschten. Sie habe ihn dadurch kennen und auch schätzen gelernt, sagte Merkel in Deggendorf.

Die Podiumsdiskussion mit den Ehrenamtlichen wurde moderiert vom Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, Christian Nitsche.

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Rund 2.500 Ehrenamtliche sind in die Stadthalle nach Deggendorf gekommen

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Bürgermeister Christian Moser, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Landrat Christian Bernreiter

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Christian Bernreiter, Landrat von Deggendorf, am Rednerpult