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Menschenrechtspreis für Kampf um sauberes Wasser | BR24

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Durch den Klimawandel wird in immer mehr Regionen der Welt das Wasser knapp. In der chilenischen Provinz Petorca setzt sich der Agraringenieur Rodrigo Mundaka für die Trinkwasser-Versorgung der Bewohner ein.

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Menschenrechtspreis für Kampf um sauberes Wasser

Beim Nürnberger Menschenrechtspreis steht in diesem Jahr der freie Zugang zu sauberem Wasser im Fokus. Preisträger ist der Chilene Rodrigo Mundaca, der dafür in seiner Heimat kämpft.

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Sein Kampf für einen freien Zugang zu Wasser hat dem Chilenen Rodrigo Mundaca den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis eingebracht. Der 58-jährige Agraringenieur wurde am Sonntag im Nürnberger Opernhaus geehrt.

Wie Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) bei seiner Ansprache erklärte, sei Wasser und vor allem Trinkwasser für uns selbstverständlich. Dies ist in Chile aber ganz anders. 80 Prozent aller Krankheiten des globalen Südens seien, so Maly, auf verschmutztes Wasser oder den Mangel an sanitären Anlagen zurückzuführen. All das mache deutlich: "Der Zugang zu sauberem Trinkwasser kann und muss ein universelles Menschenrecht sein. Ist es leider aber nicht", so Maly, und das sei der Kern der Arbeit von Rodrigo Mundaca und seiner Organisation.

Der 58-jährige Agraringenieur Mundaca setzt sich mit der Organisation Modatima in Chile dafür ein, dass Bürger in der Provinz Petorca im Zentrum Chiles Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten. Agrarunternehmen, die großflächige Avocadoplantagen betreiben, entziehen den Bewohnern der Region das Wasser.

Preisträger als Vorbilder

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck erklärte in seinem Grußwort, dass der Nürnberger Menschenrechtspreis eine Würdigung von Menschen sei, die Verantwortung übernehmen, weit über die eigene Existenz hinaus, Menschen, die ihre Angst besiegt haben. Diese Menschen seien Vorbilder und machten uns bewusst, dass die Menschenrechte universell gelten und keine nationale Angelegenheit seien.

"Tage wie diese erinnern uns daran, dass der Kampf für Menschenrechte nicht nur eine Sache von Institutionen ist, sondern von Bürgern, von wachen Bürgern, die ein Herz haben im Leib und einen Verstand, den sie benutzen sollen, im Sinne der Aufklärung." Joachim Gauck, ehemaliger Bundespräsident

Gauck sagte, er sei dankbar für die Arbeit der Jury, die alle zwei Jahr einen Preisträger, eine Preisträgerin auswählt, den es zu unterstützen und zu fördern gelte.

Einsatz unter Gefahren

Menschenrechtspreis-Jury-Mitglied und Europapolitikerin Anne Brasseur sprach die offizielle Laudatio. Auf Spanisch gratulierte die Luxemburgerin dem Preisträger und dankte ihm für seinen Mut, seine Ausdauer, seine Entschlossenheit und seinen Einsatz im Kampf um den freien Zugang zu sauberem Wasser.

"Für diesen unermüdlichen und kühnen Einsatz möchte ich mich bei Ihnen von ganzem Herzen bedanken", so Brasseur. Mundaca setze sich gemeinsam mit seiner Organisation ungeachtet von Morddrohungen und Einschüchterungen dafür ein, dass die Bevölkerung von Petorca Zugang zu Wasser, einem elementaren Menschenrecht, bekomme. Die Stadt Nürnberg hofft, dass die Auszeichnung Mundaca den notwendigen Schutz gibt, sein Engagement unter weniger Gefahren fortzusetzen.

Aufstehen für das wichtigste Lebensmittel der Welt: Wasser

Rodrigo Mundaca widmete seinen Preis ermordeten und verhafteten Bürgerinnen und Bürgern Chiles und sagte in seiner Dankesrede: "Es ist eine unerwartete Auszeichnung. Wir haben immer wieder gesagt, wir möchten keine Ehrerbietung – wir sind nur Teil eines Volkes, das es leid ist, dass ihm das Wasser genommen wird. Wir möchten aufstehen für das wichtigste Lebensmittel der Welt: das Wasser."

Appell für internationale Solidarität

Seit 39 Jahren seien in Chile die Wasserrechte in Privathand. "Wir haben jetzt einen Markt für Wasser", betonte der Preisträger. 90 Prozent der chilenischen Anbaufläche werde für den Anbau von Avocado genutzt, einer tropischen Frucht, die sehr viel Wasser brauche, und für deren Anbau das Wasser aus 100 Meter Tiefe geholt werde. "Die Kinder, die hier geboren werden, kennen keine Flüsse mehr", erklärte Mundaca. Zum Schluss seiner kämpferischen Rede appellierte der Menschenrechtspreisträger an das Publikum: "Wir brauchen die internationale Solidarität!"

Der Nürnberger Menschenrechtspreis wurde in diesem Jahr zum 13. Mal vergeben. Eine internationale Jury vergibt ihn alle zwei Jahre an Menschenrechtsaktivisten aus der ganzen Welt. Er ist mit 15.000 Euro dotiert.

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Sein Kampf für einen freien Zugang zu Wasser hat dem Chilenen Rodrigo Mundaca den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis eingebracht. Die mit 15 000 Euro dotierte Ehrung wurde dem 58-jährigen Agraringenieur im Nürnberger Opernhaus verliehen.