Rainer Schaller, die Spieler der SpVgg Bayreuth beim Feiern der Meisterschaft und Erzbischof Ludwig Schick.
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Themen in Oberfranken 2022: Der Tod Rainer Schallers, die Meisterschaft der SpVgg Bayreuth und der Rücktritt des Erzbischofs Ludwig Schick.

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Menschen, Feste und Tragödien: Das Jahr 2022 in Oberfranken

Wetterkapriolen, Energiekrise und Corona: Das Jahr 2022 hat einige Herausforderungen bereit gehalten. In Oberfranken ist aber noch mehr passiert. Ein Rückblick auf Feste und Tragödien, auf Erfolge, Niederlagen und besondere Menschen.

Januar

Wie in ganz Deutschland sind auch in Oberfranken im Januar viele Verbraucher von der Insolvenz- und Kündigungswelle von Energieversorgern betroffen. Weil die Kosten für Strom und Gas wegen des Kriegs in der Ukraine Anfang des Jahres nur noch nach oben gehen, können die Billiganbieter ihr Preisangebot nicht halten, kündigen Verträge oder müssen gar Insolvenz anmelden. Alleine im Raum Bamberg müssen die Stadtwerke zu Jahresbeginn mehr als 1.000 mal einspringen, damit die Menschen nicht mitten im Winter ohne Strom und Gas dastehen.

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit besorgt die Menschen in Forchheim

Ebenfalls im Januar geht in und um Forchheim herum die Angst vor einer seltenen Krankheit um. Ein Mensch erkrankt an Creutzfeldt-Jakob. Die unheilbare Krankheit schädigt das Gehirngewebe und führt zum Tod. Das Gesundheitsamt kann ausschließen, dass der Patient zuvor mit BSE verseuchtes Rindfleisch gegessen hat, was ein Grund für die Erkrankung sein könnte. Stattdessen soll es sich um eine Form der Krankheit handeln, die sich bei älteren Menschen ohne erkennbare Ursachen entwickeln kann. 2020 wurden laut Gesundheitsamt in ganz Deutschland nur 63 Fälle dieser Erkrankung gemeldet.

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In Forchheim tritt im Januar die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) auf.

Währenddessen lassen anhaltende Regenfälle die Pegel vieler fränkischer Flüsse teils stark ansteigen - am stärksten in den Landkreisen Coburg und Kulmbach, dort wird die Meldestufe drei von vier erreicht. In Mainleus ist der Pegel des Mains seit Neujahr um rund einen Meter gestiegen. Im Landkreis Coburg lagen die Pegel von Itz und Steinach zum Jahreswechsel noch um rund 90 Zentimeter niedriger. Die Lage in Oberfranken ist vor allem aufgrund der Schneeschmelze im benachbarten Thüringen angespannter als andernorts in Bayern.

Sprengungen von Bankautomaten in Franken häufen sich

Und noch eine ganz andere Angst beschäftigt die Menschen in Oberfranken im Januar: Immer häufiger werden hier nachts die Bankautomaten gesprengt, im Januar kracht es zum Beispiel in Zapfendorf. Die Kriminellen gehen mit Sprengstoff vor und flüchten in stark motorisierten Autos. Die Banken versuchen, ihre Automaten besser zu schützen. Neuere Geräte werden mit einem System ausgestattet, um eingeleitetes Gas zu neutralisieren, die Vorräume von Banken werden mit Vernebelungssystemen ausgestattet. Nach Angaben des Landeskriminalamts werden in Bayern im Jahr 2022 mehr als 30 Geldautomaten gesprengt – viele davon inmitten von Wohngebieten. Ein Jahr zuvor war es noch etwa die Hälfte.

Räuber sprengen Geldautomaten
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Mehrere Täter haben in Lichtenau (Lkr. Ansbach) einen Geldautomaten gesprengt. Die Diebe konnten nach der Tat in Richtung Autobahn fliehen.

Tausende demonstrieren in Franken gegen Corona-Maßnahmen

An einem Montagabend Ende Januar gehen mehrere Tausend Menschen auf die Straße, um gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung zu protestieren. Viele der Protestzüge sind nicht angemeldet. Auch das von den Kommunen vorgeschriebene Maskengebot wird vielerorts nicht eingehalten, aber auch nicht kontrolliert. Unter anderem in Hof findet eine große Gegenveranstaltung statt. In Bayreuth setzen die Veranstalter die Gegendemos wegen hoher Inzidenzwerte hingegen erst einmal aus. Bayreuth weist nach Angaben des Robert Koch-Instituts dieser Tage einen Inzidenzwert von etwa 1.400 auf und ist damit Spitze in Oberfranken.

Prozess: Mord aus Bewunderung für einen Serienmörder

Ebenfalls Ende Januar beginnt in Bamberg der Prozess gegen eine 19 Jahre alte Frau, die bei Ebermannstadt einem willkürlich ausgewählten Mann bei einem Date ein Messer in den Hals gestochen haben soll. Die Frau soll aus Mordlust gehandelt und einem amerikanischen Serienmörder nachgeeifert haben. Im Februar wird die Frau zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Sie soll weitere Morde geplant haben.

Richter und weitere Prozessbeteiligte mit Masken stehen im Gericht hinter ihren Bänken.
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Das Landgericht Bamberg hat eine 19-Jährige Frau wegen Mordes an einem 39 Jahre alten Mann zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Bürgerentscheid pro Edeka-Logistikzentrum in Hirschaid

Bei einem Bürgerentscheid stimmt in Hirschaid bei Bamberg schließlich eine Mehrheit für die Ansiedlung eines Logistikzentrums des Lebensmittelhändlers Edeka. Eine Initiative hatte zuvor versucht, das Projekt zu verhindern. Mehr als 400 Märkte sollen künftig von Hirschaid aus mit Lebensmitteln sowie Frischfleisch- und Wursterzeugnissen versorgt werden. Zuvor belieferte Edeka von seinen "Franken-Gut-Werken" in Nürnberg und Rottendorf aus die Märkte. Im September wird mit dem Bau der Frischemanufaktur begonnen.

Februar

Die steigenden Energiekosten machen im Februar auch der Glasindustrie in Oberfranken schwer zu schaffen. Die Energiepreise sind in den Monaten zuvor um mehr als 500 Prozent in die Höhe geschossen. Schließlich senden Unternehmen aus dem Landkreis Kronach einen Hilferuf an die Bundesregierung. Die IHK sieht mehrere tausend Arbeitsplätze bedroht.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger stattet danach dem Unternehmen Heinz Glas in Kleintettau im Landkreis Kronach einen Besuch ab und fordert Steuersenkungen für die Branche. Im Juli gibt die EU grünes Licht: Deutschland darf energieintensive Unternehmen mit Milliarden unterstützen. Noch Ende des Jahres werden Pläne bekannt, wonach im Kreis Kronach ein neuer Wind- und Wasserstoffpark entstehen könnte. Er soll Energie für die Glasindustrie liefern.

Reichsbürger treffen sich in Coburger Waldorfschule

Anfang Februar treffen sich auch 55 Reichsbürger in einer Waldorfschule in Coburg. Mit einem Großaufgebot löst die Polizei das Treffen auf, von dem die Schulleitung nichts wusste. Wenige Tage später wird der Hausmeister der Schule entlassen, der den Teilnehmern mit einem Generalschlüssel Zugang zu der Schule verschafft hatte.

Offenbar aufgrund einer fehlerhaften Bedienung der Sprinkleranlage entsteht Anfang Februar im frisch sanierten Theater Hof ein großer Wasserschaden. 15.000 Liter Wasser fluten den komplette Bühnenbereich und den Orchestergraben, der Spielbetrieb muss wochenlang ausgesetzt werden. Der Schaden geht in die Millionen.

Leeren Kühltheken in einem Supermarkt
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Alles ausverkauft: Die Produkte sind schon weg, nun soll auch das Mobiliar raus aus der ehemaligen Real-Filiale in Bayreuth.

Real-Märkte in Franken verschwinden von der Bildfläche

Zwischen Januar und Februar verschwinden außerdem einige Real-Märkte in Oberfranken von der Bildfläche. Die Filiale in Bayreuth schließt komplett, viele andere, darunter in Kronach und Kulmbach, werden zu Kaufland-Filialen. Nur wenige Real-Filialen bleiben unangetastet, darunter die in Hallstadt im Landkreis Bamberg. Zuvor war die Supermarktkette von der Metro-Gruppe an den Finanzinvestor SCP verkauft worden. Vielerorts, so auch in Bayreuth, werden die Einrichtungsgegenstände der früheren Real-Märkte versteigert.

Ylenia, Zeynep und Antonia sorgen für Wirbel in Oberfranken

Wer erinnert sich noch an die richtige Reihenfolge? Auf Ylenia folgte Zeynep und nach Zeynep kam Antonia. Ende Februar richten drei Sturmtiefs innerhalb weniger Tage in Oberfranken große Schäden an. Hunderte Male rücken die Einsatzkräfte aus. In vielen Landkreisen und kreisfreien Städten fällt wegen Sturms die Schule aus.

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Weil Bäume auf Stromleitungen fallen, sind am 17. Februar bayernweit bis zu 10.000 Haushalte ohne Strom, in Oberfranken trifft es vor allem die Menschen in Himmelkron, Helmbrechts, Naila, Röslau und Bindlach. Der größte Schaden wird in Kulmbach gemeldet, wo ein alter Baum mit 1,5 Metern Durchmesser auf das Dach einer Druckerei stürzt. Noch Tage später gilt der Aufenthalt im Wald als lebensgefährlich. Die Behörden warnen vor herabstürzenden Ästen und umstürzenden Bäumen, die nach drei Stürmen gelockert sein könnten.

Alle Daten zur großen Sturmwoche in Bayern gibt es in der BR24-Datenanalyse.

Feuerwehrleute zersägen Bäume, die Sturm Ylenia umgeworfen hat.
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Das Sturmtief Ylenia hat in ganz Franken Spuren hinterlassen.

Erste Flüchtlinge aus der Ukraine kommen in Oberfranken an

Ende Februar kommen die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine im Bamberger Ankerzentrum an. Die Solidarität in der Region ist groß. Die Menschen spenden, stellen Lebensmittel, Wohnraum und Einrichtungsgegenstände zur Verfügung, helfen bei der Organisation von Behördengängen. Hunderte Flüchtlinge werden spontan in Turnhallen und Hotels untergebracht. Wie viele Hilfsbedürftige im nächsten Bus sitzen, weiß niemand. Auch der zu diesem Zeitpunkt noch wichtige Impfstatus ist oft nicht bekannt. Ende März sind bereits 6.000 ukrainische Flüchtlinge in Oberfranken registriert.

März

Anfang März steht in Hof ein 28 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Wunsiedel vor Gericht, der seine beiden Säuglings-Zwillinge misshandelt haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die beiden schreienden Babys derart heftig traktiert zu haben, dass er einem Kind ein Bein und dem zweiten den Schädel gebrochen hat. Damit habe er billigend in Kauf genommen, dass die Misshandlungen auch zum Tod der Kinder hätten führen können. Das Gericht verurteilt den Mann schließlich zu drei Jahren Gefängnis.

Aufwendige Sanierung nach schwerem Öl-Unfall auf der Rodach

Ebenfalls im März beginnt in Oberfranken die aufwendige und deutschlandweit einzigartige Sanierung eines Flusses. Ende September des Vorjahres waren bei einem Unfall auf dem Gelände eines ehemaligen Sägewerks in Erlabrück im Landkreis Kronach 1.000 Liter Schweröl in die Rodach gelaufen. Die Fische aus dem Fluss dürfen noch ein halbes Jahr später nicht verzehrt werden. Weil das Schweröl, anders als Diesel oder Heizöl, nicht auf der Wasseroberfläche schwimmt, kann es nicht mit einer Sperre aufgefangen werden. Stattdessen muss die Rodach trockengelegt werden um das Flussbett zu reinigen. Eine solch aufwendige Sanierung ist nach Einschätzung der Experten einzigartig.

Höchste Corona-Inzidenzen Deutschlands in Franken

Ende März sind in einigen Landkreisen in Oberfranken die Inzidenzwerte deutlich höher als in anderen Regionen in Deutschland. Demnach verzeichnet der Landkreis Forchheim bei den Corona-Neuinfektionen einen Inzidenzwert von 3.405. Das ist der dritthöchste Wert in ganz Deutschland. Den bundesweit fünfthöchsten Wert meldet der Landkreis Bamberg mit 3.256. Auch in den Landkreisen Hof und Lichtenfels sowie in der Stadt Coburg liegen die Werte weit über dem bayerischen Durchschnitt. Die Kliniken in Oberfranken bringt das an ihre Belastungsgrenze.

Nach langem Streit: Größter Solarpark im Frankenwald genehmigt

Auf einer Fläche von 58 Hektar soll in Issigau im Landkreis Hof der größte Solarpark im Frankenwald entstehen. Monatelang wurde gestritten und die Bürger befragt. Mitte März schließlich genehmigt der Gemeinderat das umstrittene Projekt mit großer Mehrheit. Ende Juni schließlich ist Baubeginn, voraussichtlich ab Mitte 2023 soll der Park 80 Megawatt Sonnenstrom liefern. Unternehmen und Privathaushalte in Issigau können danach verbilligten Strom aus dem Solarpark beziehen.

Solarmodule stehen auf einer Wiese. Ein Mann geht zwischen den Modulen hindurch.
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Auf einer Fläche von 56 Hektar soll in Issigau ein Solarpark entstehen. Am Montag hat der Gemeinderat dem Projekt zugestimmt. (Symbolbild)

Oberfrankens Krankenhäuser: Aufschiebbare Behandlungen verboten

Ende März weist die Regierung von Oberfranken ihre Covid-19-Schwerpunktkrankenhäuser an, aufschiebbare Behandlungen abzusagen. So sollen Kapazitäten für die Behandlung von Notfällen und Corona-Patienten vorgehalten werden. Betroffen sind 16 Krankenhäuser in Oberfranken. Das sehr hohe Infektionsgeschehen sorgt für erhebliche Personalausfälle in den Krankenhäusern. Anders als in früheren Phasen der Corona-Pandemie sind diesmal nicht die Intensiv-, sondern die Normalstationen besonders betroffen. Die Anzahl der Patienten mit Covid-19 ist dort von unter 100 Ende Januar auf 614 Ende März gestiegen.

Und apropos Corona: Die Stadt Hof schaltet im März mitten in der Pandemie 359 Luftfilter in den Klassenzimmern der Schulen aus Sicherheitsgründen ab. Bei Geräten soll die Anzeige auf dem Display nicht mit der tatsächlichen Filterkapazität übereinstimmen, heißt es zur Begründung. Der Hersteller streitet alle Mängel ab. Im Mai beschließt der Stadtrat, den Vertrag mit dem Hersteller zu kündigen. Alle Geräte werden zurückgeschickt.

April

Ende April wird bekannt: Der Bau der Interimsspielstätte des Landestheaters Coburg, das Globe, wird sich verzögern. Der Grund: Ein für die Bühnentechnik zuständiges Unternehmen hat Insolvenz angemeldet. Die Arbeiten müssen neu ausgeschrieben werden, was zu einer Bauzeitverlängerung von einem halben Jahr und einer deutlichen Kostensteigerung führen wird. Die Verantwortlichen sprechen von einem Super-GAU.

Globe-Theater
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Der Bau der Kulturstätte Globe in Coburg verzögert sich: Eine Baufirma ist insolvent.

Ebenfalls in Coburger findet im April eine Diskussion statt, die bayernweit Beachtung findet. Der Stadtrat stimmt schließlich mit großer Mehrheit gegen die Pläne zweier Räte der FDP, die eine Vignette für Fahrradfahrer einführen wollten. Nach den Plänen der Antragssteller sollten Radfahrer in der Stadt Coburg künftig mit zehn Euro jährlich den Ausbau des Radwegnetzes zu einem Teil mitfinanzieren. So sollte der Druck auf die Stadt erhöht werden, die Infrastruktur für Radfahrer zu verbessern und die Sicherheit zu steigern. Allerdings hält selbst der Fahrradfahrerverband ADFC nicht viel von den Plänen.

Nach mehr als 20 Jahren: Sterbliche Überreste von Peggy beigesetzt

Knapp 21 Jahre nach ihrem Verschwinden werden im April die sterblichen Überreste von Peggy Knobloch beigesetzt. Peggys Mutter lässt mitteilen, die Ermittler hätten Wort gehalten und ihr Kind nach Hause gebracht. Die damals neun Jahre alte Peggy Knobloch verschwand am 7. Mai 2001 in Lichtenberg im Landkreis Hof, ohne eine Spur zu hinterlassen. Es folgten aufwändige Suchaktionen im bayerisch-thüringischen Grenzgebiet, auch in Tschechien und der Türkei wurden Spuren verfolgt. Im Juli 2016 wurden in einem Waldstück bei Rodacherbrunn in Thüringen ihre sterblichen Überreste gefunden und mittels einer DNA-Analyse identifiziert.

Und auch ein anderer Fall um ein totes Kind beschäftigt die Region in diesem Monat: Denn vor dem Landgericht Bayreuth wird eine 20 Jahre alte Frau zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt, weil sie ein Jahr zuvor ihr neugeborenes Baby getötet hat. Die damals 19-Jährige hatte das Kind im Badezimmer der Wohnung eines Bekannten in Heinersreuth im Landkreis Bayreuth zur Welt gebracht und in den Mülltonnen des Mehrfamilienhauses entsorgt.

Mai

Im Mai nimmt der Versandhändler Amazon in Hof sein zweites großes Logistikzentrum in Bayern in Betrieb. Ein Großteil des Lagers wird von Robotern geführt, Menschen übernehmen das Annehmen und das Verpacken der Ware. Rund 1.200 Menschen sind dort beschäftigt - 200 mehr als ursprünglich geplant. Später sollen es einmal 1.700 werden. Auch Langzeitarbeitslose und Geflüchtete finden bei Amazon neue Jobs.

Amazon-Logistikzentrum
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Das neue Amazon-Logistikzentrum ist in Hof an den Start gegangen.

Wo wir gerade bei Wirtschaft sind: Im Mai setzt auch ein oberfränkisches Unternehmen ein klares Zeichen im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine: Nach 30 Jahren zieht sich nämlich der Kunststoff-Spezialist Rehau komplett aus Russland zurück. Die Entwicklung der vergangenen Wochen habe weiterreichende Entscheidungen nun unumgänglich gemacht, heißt es zur Begründung. Die russischen Geschäftsteile werden an das dortige Management verkauft.

Und wirtschaftlich auch interessant: Auf dem Gelände des Bayernhafens in Bamberg eröffnet im Mai der Automobilzulieferer Bosch ein neues Logistikzentrum. Durch den ICE-Ausbau in Bamberg musste der alte Standort weichen. Durch das hochmoderne Logistikzentrum entsteht mehr Platz für die neuen Produkte von Bosch und das ist auch nötig, denn die sind deutlich größer und schwerer als bisher. Dazu gehören zum Beispiel Brennstoffzellen und Einspritzsysteme für Motoren.

International Radelite - mit "Ladies Tour" erstmals in Bayern und Hof

Sportlich macht im Mai die Stadt Hof von sich Reden. Dort startet Ende des Monats eines der anspruchsvollsten Radrennen für Frauen, die "Ladies-Tour". 100 Profi-Fahrerinnen aus fünf Kontinenten treten an. Das renommierte Rennen ist zum ersten mal in Bayern zu Gast. Die 25-jährige Australierin Alexandra Manly holt sich schließlich den Etappensieg.

Aber auch nach Bayreuth blickt im Mai die Sportwelt: Dort feiert man sozusagen die Wiedergeburt eines Aushängeschilds: Die Spielvereinigung ist Regionalliga-Meister und spielt in der kommenden Saison in der 3. Liga. Damit kehrt die SpVgg Bayreuth nach 32 Jahren Abstinenz in den Profifußball zurück, nachdem sie 1990 aus der Zweiten Liga abgestiegen war. Allerdings: Erfolgscoach Timo Rost verlässt die "Altstadt" in Richtung Erzgebirge Aue. Neuer Trainer wird Thomas Kleine.

Spielvereinigung Bayreuth - Meister der Regionalliga Bayern in der Saison 2021/22
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Spielvereinigung Bayreuth - Meister der Regionalliga Bayern in der Saison 2021/22

Und Wechsel auch an der Seitenlinie des Basketball-Bundesligisten Medi Bayreuth: Headcoach und Publikumsliebling Raoul Korner verlässt den Verein und sucht in Hamburg eine neue Herausforderung. Der langjährige Assistenztrainer Lars Masell wird Nachfolger des Österreichers.

Juni

In einem Teich im Landkreis Wunsiedel wird im Juni eine Frau von einem Hecht angegriffen. Das kommt nach Ansicht von Experten nur sehr, sehr selten vor. Das Tier attackiert die Schwimmerin und verletzt sie mit seinen langen Zähnen an der Hand. Bei dem Gewässer, das dem Bund Naturschutz gehört, handelt es sich um einen Moorteich mit einem sehr hohen Säuregehalt. Experten zufolge könnten unter diesen Bedingungen nur sehr wenig Fischarten leben. Für die fleischfressenden Hechte könnte in dem Teich deshalb der Druck bei der Nahrungssuche höher sein. Weil dadurch auch der Reiz, auf mögliche Beute zu reagieren, ausgeprägter sei, könnte der Hecht die Schwimmerin angegriffen haben.

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In einem Teich im Landkreis Wunsiedel ist eine Frau von einem Hecht angegriffen worden.

Sonnwendfeuer wegen hoher Waldbrandgefahr untersagt

Damit Sonnenwendfeuer nicht in einen katastrophalen Waldbrand ausarten, werden im Juni in Oberfranken die Sonnwendfeuer untersagt. In Hof heißt es, man wolle damit verhindern, dass sich aufgrund der Trockenheit das Feuer unkontrolliert ausbreiten kann. Für Hof hatte der Deutsche Wetterdienst zuvor mit der Stufe fünf die höchste aller Gefahrenstufen ausgerufen. Auch die Stadt Bayreuth verbietet wegen der hohen Waldbrandgefahr jegliche Feuer im Freien.

Was stattfinden kann, ist hingegen die Bamberger Sandkerwa - allerdings anders als gewohnt: Wer in diesem Jahr auf die Sandkerwa will, muss dafür erstmals 2,50 Euro Eintritt bezahlen. Das wird Ende Juni bekannt und in Bamberg stößt der Plan auf viel Kritik. Viele glauben, dass das Erheben einer Eintrittsgebühr aufgrund der Vereinschronik gar nicht erlaubt sei. Die Veranstalter hingegen sehen keine Alternative. Denn vor allem die steigenden Kosten beim Sicherheitspersonal, die Reinigung und das Abschlussfeuerwerk kosten viel Geld.

Oberfrankens erster Fall von Affenpocken wird in Wunsiedel festgestellt

Im Landkreis Wunsiedel wird Ende Juni der erste Fall einer Infektion mit Affenpocken in Oberfranken bestätigt. Affenpocken sind zu diesem Zeitpunkt in mehr als 50 neuen Ländern außerhalb Afrikas, wo das Virus endemisch ist, nachgewiesen worden. Seit Mai gab es mehr als 3.400 Fälle von Affenpocken und einen Todesfall. Im September wird der zweite Fall in Oberfranken nachgewiesen, diesmal im Landkreis Bamberg.

Juli

Weil sich bei Küps im Landkreis Kronach ein Waldbrand ausbreitet, wird dort im Juli der Katastrophenfall festgestellt. Mehr als 300 Einsatzkräfte sind mit dem Löschen des Brandes beschäftigt. Bei dem Brand werden circa zwei Hektar Fläche zerstört, verletzt wird niemand. Wegen der anhaltenden Trockenheit kommt es im Juli vor allem im Osten Deutschlands zu starken Waldbränden. Schon an den Vortagen hatten zahlreiche Feld- und Waldbrände die Feuerwehren in Atem gehalten. Auch Mähdrescher fangen in diesem Sommer bei Erntearbeiten auf den Feldern immer wieder Feuer.

Rauchverbot und Angst vor Infektionen auf dem Annafest

Ende Juli startet in Forchheim das traditionelle Annafest. In diesem Jahr läuft für die Gäste allerdings einiges anders als gewohnt. Wegen des Bahnausbaus sind einige Zufahrtsstraßen zum Festgelände gesperrt. Im Vorfeld hatten neue Sicherheitsauflagen der Stadt zu Ärger bei den Wirten geführt. Durch die Auflagen würden unter anderem bis zu 40 Prozent der Sitzplätze wegfallen, bemängelten sie. Davor wiederum hatte die Stadt Forchheim ein Rauchverbot erlassen sowie ein Verbot von offenem Feuer auf dem Festgelände ausgesprochen. Und im Klinikum Bamberg rechnet man im Anschluss an das Fest mit einem Anstieg der Corona-Fälle und einem Ausfall des Pflegepersonals.

Nach zwei Jahren Corona-Pause kommen Mitte Juli auch beim Samba-Festival in Coburg wieder die Menschen zusammen - allerdings auch hier anders als gewohnt. Erstmals findet bei dem größten Saba-Fest außerhalb Brasiliens ein neues Konzept Anwendung - mit einem Festivalgelände am Schlosspark anstelle der Bühne am Marktplatz. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder spricht davon, dass sich in Coburg der Franke als heimlicher Brasilianer entpuppe.

Auf der Straße sind Frauen mit Trommeln unterwegs und machen Musik.
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Nach zwei Jahren Pause wegen Corona startet in Coburg wieder das Samba-Festival. Coburg wird drei Tage lang zur "nördlichsten Stadt Brasiliens".

Jahrelange Haftstrafe für Ex-Mitarbeiter von HWK-Tochter

Ebenfalls im Juli wird ein früherer leitender Angestellter der Gewebetreuhand Oberfranken (GTO), einer Tochter der Handwerkskammer (HWK), vor dem Landgericht Hof zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass sich der frühere Mitarbeiter der Veruntreuung in Millionenhöhe schuldig gemacht hat. Der Mann soll rund zwei Millionen Euro von Konten der GTO und HWK für private Zwecke abgezweigt haben.

Kinder in Arzberg retten Seniorin das Leben

Fünf Jungs aus Arzberg im Landkreis Wunsiedel retten im Juli einer 83 Jahre alten Frau das Leben. Die Seniorin war im Gelände gestürzt und eine mehrere Meter tiefe Böschung hinabgefallen, wo ein elf Jahre alter Junge die Schwerverletzte schließlich findet und mit seinen Freunden die Rettung organisiert. Im September werden sie dafür vom Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder mit der Christophorus-Medaille ausgezeichnet.

Junge Helden von Arzberg
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Auf dem Heimweg hat Erik am Fuße eines steilen, etwa 20 Meter hohen Abhangs, eine alte, schwerverletzte Frau gefunden.

Medaille auch für die Bayreuther Triathletin Anne Haug. Sie gewinnt im Juli zum zweiten Mal in Folge den Challenge Roth - und das, obwohl sie beim Radfahren von einer Biene in den Hals gestochen wird.

Kreistag stimmt für Auflösung der Hotelfachschule Pegnitz

Ebenfalls im Juli beschließt der Kreistag von Bayreuth, die Hotelfachschule in Pegnitz zu schließen. Die Debatte um die Schule wird in der Region zuvor emotional geführt. Der Grund für die Schließung der Hotelfachschule und Berufsfachschule für Hotelmanagement in Pegnitz sind die massiv gesunkenen Schülerzahlen. Die Zahl war innerhalb von zehn Jahre um 80 Prozent zurückgegangen. Zum Zeitpunkt des Beschlusses besuchen nur 36 Schülerinnen und Schüler die beiden Einrichtungen. 2012 waren es noch 184.

Ende Juli gibt die Staatsanwaltschaft Hof zudem die Ergebnisse ihres Ermittlungsverfahrens in Sachen Bamberger Boni-Affäre bekannt. Strafbefehle gegen Oberbürgermeister Andreas Starke und drei weitere Mitarbeiter des Rathauses werden erlassen. Geldstrafen zwischen 9.000 und 24.000 Euro werden verhängt. Gegen Starke und weitere für die Stadt verantwortlich handelnde Personen war seit Mai 2021 wegen des Verdachts der Untreue ermittelt worden. Der Kommunale Prüfungsverband hatte aufgedeckt, dass im Rathaus Überstundenpauschalen, Prämien und Zeitzuschläge in Höhe von mehr als einer halben Million Euro an ausgewählte Mitarbeiter ausgezahlt wurden - ohne erkennbare Gegenleistung.

Sexismus-Vorwürfe überschatten Bayreuther Festspiele

In Bayreuth werden kurz vor Start der Bayreuther Festspiele Vorwürfe laut, die einen dunklen Schatten auf den Grünen Hügel werfen: Frauen berichten von sexistischen Sprüchen und körperlichen Übergriffen im Festspielhaus. Festspiel-Chefin Katharina Wagner bestätigt, dass sie selbst betroffen war.

Weitere Besonderheiten in dieser Saison: Zur Eröffnung der Festspiele besetzen Demonstrierende mehrere Bäume an der Auffahrt zum Festspielhaus. Auch die Neuinszenierung des "Ring des Nibelungen" von Regisseur Valentin Schwarz sorgt für Schlagzeilen, weil sie von weiten Teilen des Publikums heftig und gnadenlos ausgebuht wird. Und ein Bühnenunfall bei der "Walküre" sorgt für Aufsehen und zieht die Umbesetzung einer Hauptrolle nach sich. Die vielleicht prominentesten Gäste der Festspiele in diesem Jahr: Dauergast Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Und sportlich ist Ende Juli die SpVgg Bayreuth einer echten Fußballsensation nah: In der ersten Runde des DFB-Pokals spielt der frisch gebackene Regionalligameister vor fast 15.000 Zuschauern zuhause gegen den großen Hamburger SV, führt bis sieben Minuten vor Schluss und verliert schließlich doch in der Verlängerung mit 1:3.

Spielszene SpVgg Bayreuth gegen Hamburger SV
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Spielszene SpVgg Bayreuth gegen Hamburger SV

August

Im August wird bekannt: Dank dem Stück "Pinocchio" zählt die Freilichtbühne Luisenburg in der Spielzeit 2020/21 so viele Zuschauer wie sonst kein anderes deutsches Theater mit einem Kinderstück. Fast 14.000 Zuschauer sehen das Familienmusical. Das Stück belegt damit den ersten Platz in der Rubrik "Kinder- und Jugendstücke". Insgesamt stehen die Luisenburg-Festspiele bei der Zahl der Zuschauer auf Platz 5 unter 427 deutschsprachigen Theatern in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die dem Bühnenverein ihre Zahlen gemeldet haben.

Zeitgleich klagen die Getreidebauern in Oberfranken im August über hohe Ernteverluste. Es gibt bis zu 50 Prozent Ernteausfälle bei der Maisernte und bis zu 60 Prozent Verlust bei den Futterpflanzen. Vertreter des Bauernverbandes bezeichnen die Situation als "katastrophal". Mancherorts werden bis zu 30 Zentimeter tiefe Risse in der trockenen Erde gemeldet. Im Landkreis Forchheim beispielsweise sind im August nur zwei Liter Regen pro Quadratmeter gefallen.

Lebenslange Haft nach Doppelmord in Asylbewerberunterkunft

Weil er seine Ex-Freundin und ihre zwei Jahre alte Tochter in einer Asylbewerberunterkunft erstochen hat, wird ein 35-Jahre alter Mann im August vor dem Landgericht Coburg zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch die besondere Schwere der Schuld stellte das Gericht fest. Der Asylbewerber hatte nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Pfingsten vergangenen Jahres in einer Asylbewerberunterkunft in Kronach seine Ex-Freundin und deren zweijähriges Kind mit einem Messer getötet. Anschließend hatte sich der Mann selbst angezündet und erlitt dabei schwere Verletzungen. Er war nicht nur wegen Doppelmordes angeklagt, sondern auch wegen schwerer Brandstiftung.

Apropos Brand: Großeinsatz Anfang August für Feuerwehr und Rettungskräfte in Hof. Mehrere Häuser in der Innenstadt stehen in Flammen. Ein Wohnblock brennt aus, der Dachstuhl stürzt ein. Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig, weil die Häuser in der Innenstadt an dieser Stelle sehr eng aneinandergebaut sind. Für die betroffenen Bewohner der Mehrfamilienhäuser wird die Jahnhalle als Notunterkunft vorbereitet. Insgesamt müssen 60 Personen evakuiert werden. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf mehr als eine Million Euro. Sieben Personen, darunter drei Feuerwehrleute, werden verletzt.

Ein ausgebranntes Haus, betrachtet aus der Froschperspektive.
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Nach dem Großbrand in Hof haben circa 15 Personen die Nacht zum Dienstag in einer Notunterkunft verbracht. Circa 60 Personen wurden evakuiert.

Cyberangriff legt Medi in Bayreuth lahm

Das Bayreuther Unternehmen "Medi" wird im August Opfer eines folgenreichen Cyberangriffs. Der Betrieb sowie die Liefer- und Versandfähigkeit des Herstellers medizinischer Hilfsmittel ist daraufhin stark eingeschränkt. Für "Medi" arbeiten weltweit rund 3.000 Menschen. Das Unternehmen stellt unter anderem medizinische Kompressionsstrümpfe, Bandagen, Orthesen und orthopädische Einlagen her. Erst Wochen später ist das Unternehmen wieder uneingeschränkt für Kunden erreichbar und kann Medizinprodukte wieder herstellen und ausliefern.

Und sportlich sorgt Gina Lückenkemper für die Highlights in diesem Monat: Als erste deutsche Sprinterin seit zwölf Jahren gewinnt sie 100-Meter-Gold bei der EM. Die 25-Jährige ist damit Europas schnellste 100-Meter-Sprinterin. Auch die Stadt Bamberg hat Anteil an dem Erfolg: Dort trainiert die Spitzensporterlerin. Lückenkemper sagt: "Ich glaube, dass das ganz viele Bamberger gar nicht wissen, aber wahrscheinlich wissen sie es jetzt."

September

Im September wird in Wunsiedel Bayerns größte Elektrolyseanlage in Betrieb genommen. Mit einer elektrischen Leistung von 8,75 Megawatt soll die Anlage aus Sonnen- und Windstrom jährlich 1.350 Tonnen Wasserstoff erzeugen. Mittelfristig ist ein Ausbau der Kapazitäten auf eine Leistung von bis zu 20 Megawatt angedacht. Der Elektrolyseur soll größtenteils mit überschüssigem Wind- und Solarstrom laufen, der ansonsten gar nicht produziert würde, weil das Stromnetz ihn nicht aufnehmen könnte. 20 Millionen Euro hat die Anlage gekostet.

Bayerns größte Elektrolyse-Anlage ist in Betrieb. Sie steht im Energiepark im oberfränkischen Wunsiedel und stellt mit Hilfe von Öko-Strom Wasserstoff her.
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Bayerns größte Elektrolyse-Anlage ist in Betrieb. Sie steht im Energiepark im oberfränkischen Wunsiedel.

Coburg trauert um Queen Elizabeth II.

Nach dem Tod von Queen Elizabeth II. am 8. September ist auch in Coburg die Betroffenheit der Menschen hoch. Die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen dem englischen Königshaus und der Coburger Herzogsfamilie reichen weit zurück. Queen Elizabeth II. war eine Ururenkelin von Königin Victoria. Victoria heiratete 1840 ihren Cousin, Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Das Prinz Albert-Denkmal am Coburger Marktplatz erinnert noch heute an die Verbindung von Albert und Königin Victoria. Es war ein Geschenk von Queen Victoria an die Heimatstadt ihres verstorbenen Gatten, Prinz Albert.

Im Landkreis Kronach sitzt der Schock im September hingegen aus einem ganz anderen Grund tief: Dort wird einem katholischen Priester sexueller Missbrauch von Gemeindemitgliedern in seiner Zeit als Pfarrer in Wallenfels vorgeworfen. Es geht um einen Zeitraum von 25 Jahren zwischen 1970 und 1995. Der betroffene Priester ist im Jahr 2005 gestorben. In der Gemeinde Wallenfels zeigt man sich bestürzt und fassungslos ob der Nachricht.

Bäder in Oberfranken drehen wegen Energiekrise die Temperatur runter

Zu guter Letzt müssen im September angesichts steigender Energiepreise viele Hallenbäder in Oberfranken sparen. Die meisten Betreiber senken sowohl Wasser- als auch Lufttemperatur in ihren Bädern. Und auch Oberfrankens einziger Zoo in Hof muss Energie sparen. Allein bis März 2023 rechnet der Zoo mit Mehrkosten von etwa 55.000 Euro. Nur noch das Savannenhaus soll darum auf seine normale Temperatur geheizt werden. Andere Tiere sollen über die kalten Monate in dieses Gebäude umgesiedelt werden.

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Sternekoch Alexander Herrmann und Bezirkstagspräsident Henry Schramm präsentieren das neue oberfränkische Wort des Jahres.

Oktober

Alle Jahre wieder kürt der Bezirk aus meist mehreren Hundert Vorschlägen das oberfränkische Wort des Jahres. Gewinner in diesem Jahr: "waafn", also schwatzen oder plaudern. Der Begriff sei "Sinnbild für ein Miteinander im Gespräch und das Verbindende des Dialekts", heißt es zur Begründung. Das Wort geht nach Angaben des Bezirks auf das mittelhochdeutsche Wort "weifen" zurück, dass das Abwickeln des Garns von der Spule auf eine Weife bezeichnet, um einen Garnstrang zu erzeugen. Weifen war eine Frauenarbeit und meist hätten Frauen während der Tätigkeit ausgiebig miteinander geplaudert. Das Wort zeige daher auch sprachgeschichtlich eine Verbindung zur Textilwirtschaft, die in Oberfrankens Industriegeschichte eine große Rolle spielte.

McFit-Gründer Schaller stirbt bei Flugzeugabsturz

Ende Oktober macht die Meldung von einer vor Costa Rica vermissten Maschine mit deutschen Passagieren an Bord die Runde. Bald werden Trümmerteile im Meer entdeckt und es wird klar: Bei den Passagieren handelt es sich um die Familie des Bamberger Unternehmers und Gründers der Fitnessstudio-Kette McFit, Rainer Schaller. Gut eineinhalb Wochen nach dem Absturz stellen die Behörden die Suche ein. Vier von sechs Personen werden weiter vermisst. Zwei Tage später bestätigt das Unternehmen den Tod des Gründers. Schaller stammt aus Schlüsselfeld im Landkreis Bamberg, wo die Fitnesskette auch ihren offiziellen Sitz hat. Er war auch im Zusammenhang mit der Loveparade-Katastrophe 2010 in Duisburg mit 21 Toten und mehr als 650 Verletzten in die Schlagzeilen geraten. Als damaliger Chef der Veranstalter-Gesellschaft wurde aber nie gegen ihn ermittelt.

"McFit" bestätigt offiziell Tod von Gründer Rainer Schaller
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McFit: Schaller bei Flugzeugabsturz gestorben.

Das zweite große Thema in Oberfranken im Oktober: Der Prozessauftakt im Mordfall Mistelbach. Kaum ein Kriminalfall hat in den vergangenen Jahren die Menschen in Oberfranken so beschäftigt wie dieser mutmaßliche Doppelmord an einem Ärztepaar im Landkreis Bayreuth. Mitte Oktober kommt die Sache vor Gericht. 16 Verhandlungstage hat das Landgericht Bayreuth angesetzt - noch vor Weihnachten soll ein Urteil gegen die Tochter des Paares und ihren damaligen Freund fallen. Der 19 Jahre alte Mann soll die Ärzte erstochen haben, die heute 17 Jahre alte Tochter aus Hass auf die Eltern die zwei weiteren, minderjährigen Geschwister vor einem Eingreifen abgehalten haben. Der Prozess wird zum Schutz der jungen Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Das Urteil soll im Januar fallen.

Dynamo-Fans randalieren bei Fußballspiel in Bayreuth

14 verletzte Polizisten und ein hoher Sachschaden sind das Ergebnis von Ausschreitungen im Zuge eines Fußballspiels Anfang Oktober, dass die Region so bislang nicht kannte. Bei einem Spiel zwischen der SpVgg Bayreuth und Dynamo Dresden greifen Anhänger der Dresdner die Einsatzkräfte an und bewerfen sie mit Gegenständen. Andere Randalierer zerstören einen Imbissstand, mehrere Toilettenhäuschen sowie bei der Heimreise ein Zugabteil der Deutschen Bahn. Die Ermittlungen gegen die Übeltäter gestalten sich schwierig und dauern an. Auch in Dresden sorgt der Vorfall für Bestürzung.

November

Die im Landkreis Hof geplanten Frankenwaldbrücken sollen die längsten Fußgängerhängebrücken der Welt werden. Seit Jahren wird über Sinn und Unsinn des Projektes gestritten. Im November wird bekannt, dass sie fast doppelt so teuer werden könnten wie bisher berechnet. Die Kosten werden jetzt auf 40,8 Millionen Euro geschätzt. Mit den beiden Frankenwaldbrücken, die sich zwischen Lichtenberg und Issigau über das Lohbach- und das Höllental spannen sollen, soll der Tourismus in der Region gefördert werden. Mehrere hunderttausend Besuchern pro Jahr werden erwartet.

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Die Frankenwaldbrücken sollen die längsten Fußgängerbrücken der Welt werden. Eine Animation zeigt, wie die Fußgängerbrücke über das Tal führt.

Anfang November nimmt zudem Papst Franziskus den Rücktritt des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick an. Generell bieten Bischöfe nach Vollendung des 75. Lebensjahres dem Oberhaupt der katholischen Kirche ihren Rücktritt an. Schick tut das jedoch bereits zwei Jahre früher. Zur Begründung seines Rücktrittsgesuchs verweist der 73-Jährige auf anstehende langfristige Projekte im Bistum wie Personalentscheidungen und die anstehende Umsetzung der Reformbeschlüsse des Synodalen Wegs. Schick war 20 Jahre Erzbischof von Bamberg. Nun beginnt die Suche nach einem Nachfolger. Im Dezember wird Schick verabschiedet.

RSV-Welle trifft Kinder in Oberfranken

Ende des Monats hingegen schlagen die Kinderkliniken in Oberfranken Alarm: Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) breitet sich aus. Immer mehr Kinder leiden so schwer an der Atemwegserkrankung, dass sie in eine Klinik eingeliefert und dort sogar beatmet werden müssen. Die Situation sei "katastrophal", heißt es. Am Klinikum in Bayreuth beispielsweise zählt man schon im November doppelt so viele junge Patienten wie im gesamten Winter zuvor. In der Coburger Kinderklinik wird zwischenzeitlich ein Aufnahmestopp verhängt. Die Infektionswelle ebbt auch im Dezember nicht ab.

Ein Mann mit Bierbauch posiert für den Bierbauchkalender
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Bierbauchkalender: Vom Aprilscherz zum Verkaufsschlager

Die Schmonzette des Monats hingegen ist der Bierbauchkalender aus dem Fichtelgebirge. Der Kalender war in der ersten Auflage mit 250 Stück als Werbegag und Kundengeschenk der Brauerei Hütten in Warmensteinach gedacht. Inzwischen wird er nicht nur deutschlandweit verschickt, sondern auch aus Kanada, Italien und Mittelamerika bestellt. Und für die neuen Auflagen stehen die Modells bereits Schlange. Die wollen auch mit Lederhose, Hut, Biker-Weste, Vollbart und vor allem einem stattlichen Bierbauch vor die Kamera. Im November ist der Bierbauchkalender ausverkauft, Nachschub wird gebraucht. Und weil die Nachfrage derart groß wird, suchen Fotografin und Brauerei für folgende Auflagen einen Vertriebspartner.

Dezember

Bei einer bundesweiten Groß-Razzia gegen die sogenannte Reichsbürgerszene werden Anfang Dezember sechs Bayern festgenommen - vier davon in Franken. Die Festgenommenen sollen Umsturzpläne gehegt und unter anderem einen bewaffneten Angriff auf den Bundestag geplant haben. Schnell wird bekannt: Einer der Festgenommenen stammt aus dem Landkreis Bayreuth. Der Überlebenstrainer soll zum "militärischen Arm" der Verschwörer gehören. Dieser hätte laut Einschätzungen der Behörden während eines gewaltsamen Umsturzes Personen "festnehmen und exekutieren" sollen. Der 54-jährige ehemalige Elite-Soldat hatte offenbar schon seit Jahren Kontakte in die rechtsextreme Szene.

quer vom 15.12.2022
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quer vom 15.12.2022

Zerstörung durch Bagger: Erst Rappenalpbach, dann Eggersbach

Der nächste Aufreger ist ganz anderer Natur: Wegen eines regelrechten Naturfrevels im Landkreis Forchheim stellen Bund Naturschutz in Bayern und der Landesbund für Vogelschutz im Dezember Strafanzeige gegen Unbekannt: Durch Baggerarbeiten sind nördlich von Tiefenstürmig rund 25 Meter des Eggerbachs zerstört worden. Die Naturschützer sprechen von einem unwiederbringlichen Schaden für geschützte Tiere und Pflanzen. Weshalb und von wem der Abschnitt des Bachlaufs ausgebaggert wurde, ist noch unklar. Vieles erinnert an den Fall des Rappenalpbachs im Oberallgäu. Dort waren im November in einem Naturschutzgebiet offenbar nicht genehmigte Baggerarbeiten durchgeführt worden. Nach Ansicht von Umweltverbänden haben diese zu massiven Umweltzerstörungen geführt.

Zu guter Letzt häufen sich im Dezember die Krankheitsfälle auch in Oberfranken. In den Kinderkliniken sind die Stationen wegen des RS-Virus teils voll belegt. Und auch die Grippewelle fällt in diesem Jahr stärker aus als sonst. Das Klinikum Bayreuth kämpft mit einem ungewöhnlich hohen Krankenstand beim Personal, verhängt daher in der Mitte des Monats einen einwöchigen Besucherstopp und verschiebt alle aufschiebbaren Operationen. Man mache das, um an Weihnachten Besuche wieder zu ermöglichen, heißt es aus dem Klinikum.

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