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Mensch gegen Mücke: Wie weit geht der Artenschutz? | BR24

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In einigen Gegenden Bayerns wurde mit der Bekämpfung einer drohenden Mückenplage begonnen. Ein Bakterium soll die Mücken-Larven abtöten. Angesichts der Diskussion um den Artenschutz eine umstrittene Methode, Umweltschützer protestieren.

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Mensch gegen Mücke: Wie weit geht der Artenschutz?

Einige Gegenden Bayerns sagen der befürchteten Mückenplage den Kampf an: Ein Bakterium soll die Mücken-Larven abtöten. Angesichts der Diskussion um den Artenschutz eine umstrittene Methode - Umweltschützer protestieren.

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Die starken Regenfälle der vergangenen Wochen und das Hochwasser einiger Flüsse haben die Befürchtungen verstärkt, dass es im Freistaat zu einer Mückenplage kommen könnte.

Mit Bakterien gegen Insekten

Deshalb wurde an der Donau zum Beispiel in Pförring (Landkreis Eichstätt) und Neustadt in den Donauauen das Mittel BTI (Bacillus thuringiensis israelensis) dort ausgebracht, wo von Biologen mit Schöpfkellen die Anzahl der Mückenlarven festgestellt wurde und diese eine bestimmte Größe überschritten hat.

Notfalls wird per Hand gestreut

Häufig wird BTI als Eisgranulat von einem Hubschrauber gezielt abgeworfen, aber wegen technischer Defekte stehen die Hubschrauber in diesem Jahr nur eingeschränkt zur Verfügung. In Pförring hat man sich von Landwirten Düngemittelstreuer ausgeliehen und dort, wo man mit diesen nicht hingelangte, sogar händisch gestreut. In Neustadt an der Donau benutzt man dazu eine Gebläse-Spritze. Auch an der Isar bei Plattling wird in Überschwemmungsgebieten das Granulat gestreut.

Ausstieg aus der Bekämpfung wegen Artenschutz

Ein Streit entzweit die Gemeinde Seeon-Seebruck. Dort hat der Gemeinderat beschlossen, ab dem kommenden Jahr die Stechmückenbekämpfung mit BTI einzustellen. Die Mehrheit im Gemeinderat argumentiert mit dem Artenschutz, andere wiederum befürchten eine Mückenplage, die Touristen verscheuchen könnte:

"Ich sehe schon ein Problem, wenn die Gäste sich nicht mehr in den Biergarten raussetzen können, ohne von Mücken zerfressen zu werden. Nur für diesen Fall wird das Bioeiweiß ausgebracht. Viele Jahre haben wir zurecht nichts gegen die Mücken gemacht. Sondern nur für den Fall der Plage, und die kommt nicht so oft vor. Schließlich ist das Mittel auch sehr teuer. Aber es wird jetzt so lange diskutiert, bis jeder denkt: Am Chiemsee gibt´s nur Mücken – und das ist nicht der Fall!" Carolin Velten, Besitzerin Hotel Landgasthof Lambach

BTI ist nicht unumstritten

Die restlichen Gemeinden der Kooperation zur Stechmückenbekämpfung am Chiemsee wollen die Bekämpfung mittels BTI fortsetzen. Dabei ist das Bakterium umstritten. Der Eiweißstoff führt dazu, dass die Darmzellen der Larven zerstört werden. Deshalb kommt es auch darauf an, BTI auszubringen, bevor sie sich verpuppen.

Gefahr für die Zuckmücke?

Aber der Bund Naturschutz weist darauf hin, dass dieses Bakterium eine sehr breite Wirkung hat, also nicht nur die Entwicklung von Stechmücken verhindert, sondern auch von anderen Insekten, wie zum Beispiel von Zuckmücken-Arten. Diese sind für den Menschen ungefährlich, aber wichtig, weil sie Nahrung für viele Tiere sind, zum Beispiel Fische, Spinnen und Libellen. Außerdem – auch das ist ein Kritikpunkt des Bund Naturschutz – ist die Wirkung von BTI auf andere Lebewesen noch nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht.

"Milliarden Lebewesen werden ausradiert"

Während sich viele Anwohner in Mücken-geplagten Gegenden, wie beispielsweise auch am Ammersee, eine Mückenbekämpfung wünschen, wollen Naturfreunde, dass das Insektensterben der letzten Jahre nicht auch noch gezielt vorangetrieben wird:

"Es ist schlichtweg eine Versündigung an der Natur, wenn weiterhin Millionen, ja Milliarden Lebewesen ausradiert werden, nur um des Freizeitwerts willen." Dr. Marion Kotrba, Zoologische Staatssammlung München
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In einigen bayerischen Gegenden wurde in der letzten Woche damit begonnen, eine drohende Mückenplage zu bekämpfen. Die Larven der Mücken sollen von einem biologischen Mittel getötet werden. Umweltschützer protestieren.