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Memminger Stadtrat berät über Amazon-Verteilzentrum | BR24

© BR/Christian Wagner

Seit Wochen wird in der Region Memmingen über die Pläne von Amazon diskutiert: Der Versandhändler will sich in der Nähe des Allgäu Airport ansiedeln. Am Nachmittag entscheidet der Memminger Stadtrat. Aber es haben auch noch andere Akteure mitzureden.

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Memminger Stadtrat berät über Amazon-Verteilzentrum

Seit Wochen wird in der Region Memmingen über die Pläne von Amazon diskutiert: Der Versandhändler will sich in der Nähe des Allgäu Airport ansiedeln. Am Nachmittag entscheidet der Memminger Stadtrat. Aber es haben auch noch andere Akteure mitzureden.

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Von
  • Christian Wagner
  • Johanna Kempter

Der US-Versandhändler Amazon will sich in der Nähe des Memminger Flughafens mit einem Verteilzentrum ansiedeln. Geplant sind eine Halle und Abstellflächen für etwa 500 Lieferwagen. Das Areal nahe dem Autobahnkreuz A7/A96 ist seit drei Jahren in kommunaler Hand, es gehört der "Gewerbepark am Allgäu Airport GmbH". Diese soll nach den Vorstellungen von Amazon das Grundstück über eine Tochtergesellschaft erschließen, bebauen und dann an Amazon vermieten – für zunächst 15 Jahre, heißt es.

Memminger Stadtrat berät am Nachmittag

Größter Anteilseigner der GmbH ist die Stadt Memmingen: Der Stadtrat berät am Nachmittag über die Pläne. Aber auch die weiteren Teilhaber haben mitzureden, etwa die Kreissparkasse Biberach jenseits der Landesgrenze sowie die Landkreise Lindau und Neu-Ulm. Schon seit vergangenem Dezember diskutieren Stadträte, Kreistage und Sparkassen in der Region nun über die Wünsche von Amazon.

Amazon verspricht 140 Jobs

Der Konzern spricht von etwa 140 Mitarbeitern, die im Verteilzentrum beschäftigt werden könnten. Größtenteils handelt es sich um Jobs für ungelernte Kräfte. Amazon geht davon aus, dass am Tag rund 30 Lkw versandfertige Pakete anliefern würden. Die sollen dann den Tag über auf rund 300 Lieferwagen verteilt und zum Kunden gebracht werden. In Spitzenzeiten rechnet der Konzern mit 500 Lieferwagen, die das Verteilzentrum am Tag verlassen. Dabei stellt Amazon eine "Elektrifizierung auf der letzten Meile" in Aussicht, es sollen also Elektro-Fahrzeuge zum Einsatz kommen.

Gewerkschaft kritisiert Löhne und Arbeitsbedingungen

Der amerikanische Konzern verspricht Transparenz, soziales und ökologisches Engagement sowie die Zahlung von Gewerbesteuern am Sitz des Verteilzentrums, also an die Gemeinde Memmingerberg. Gerade die vielfach kritisierte Praxis, Abgaben zu vermeiden und – niedrige – Steuern nur am Hauptsitz des Konzerns zu zahlen, war in der bisherigen Diskussion ein Argument gegen eine Ansiedlung. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert zu geringe Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen.

Grundstücksverkauf würde wohl viel Geld bringen

Andererseits haben die Landkreise Ober-, Unter- und Ostallgäu sowie die Städte Kempten, Kaufbeuren und Memmingen mit ihren kommunalen Sparkassen als größte Anteilseigner der "Gewerbepark am Allgäu Airport GmbH" ein Interesse daran, die betreffenden Grundstücke möglichst bald zu Geld zu machen. Der angesetzte Verkaufspreis wurde nicht öffentlich gemacht. Er liege aber "deutlich über den bisherigen Verkaufspreisen für Gewerbegrundstücke", heißt es in der Beschlussvorlage für den Memminger Stadtrat.

Politiker müssen Konsequenzen für den lokalen Handel abwägen

Für die Kommunalpolitiker ist die Entscheidung schwierig, weil sie ihre Innenstädte und den dortigen lokalen Einzelhandel fördern wollen. Die Memminger Stadtverwaltung schreibt allerdings in ihrer Beschlussvorlage an die Memminger Stadträte: "Die geänderten Ansprüche der Bürger und den aufgrund der Corona-Beschränkungen weiter zunehmenden Trend zum Online-Handel lassen sich durch die Stadt Memmingen alleine jedenfalls nicht aufhalten." Die Stadtverwaltung verweist darauf, dass sich Amazon in jedem Fall in der näheren Umgebung ansiedeln wird. Die Verkehrsanbindung durch die Autobahnen A7 und A96 sei einmalig und die Bürger würden weiterhin zunehmend online bestellen.

Zweidrittelmehrheit der Anteilseigner ist nötig

Wie die Abstimmung im Memminger Stadtrat ausgehen wird, ist offen. Entscheiden kann der Stadtrat ohnehin nicht allein. Damit das Immobiliengeschäft mit Amazon zustande kommt, müssten alle beteiligten Städte, Landkreise und die Sparkassen mit einer Zweidrittelmehrheit zustimmen.

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