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Schulstart: Meidinger lobt Maskenpflicht und fordert CO2-Ampeln | BR24

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Am Dienstag beginnt das neue Schuljahr in Bayern - unter Corona-Bedingungen. Das wirft viele Fragen bei Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern auf. Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, stellt sich diesen Fragen.

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Schulstart: Meidinger lobt Maskenpflicht und fordert CO2-Ampeln

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, ist vor dem neuen Schuljahr in Bayern recht guter Dinge. So hält er viel von der Maskenpflicht. Aber: Bei BR24 kritisiert er die Digitalausstattung der Schulen - und das Raumluftkonzept.

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Heinz-Peter Meidinger ist der Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Bis Juli war er zudem Direktor des Robert-Koch-Gymnasiums in Deggendorf. Seit August ist er nun im Ruhestand, ist jedoch nach wie vor als Präsident des Lehrerverbands tätig. Im Interview mit BR24 hat er sich nun den Fragen gestellt, die Lehrer, Schüler und Eltern vor dem Start des neuen Schuljahres in Bayern bewegen.

Reizthema Maskenpflicht: Lehrkräfte haben Ermessensspielraum

Bei vielen Eltern ist die Maskenpflicht für Schülerinnen und Schüler ein Reizthema. Das zeigten auch zahlreiche Userkommentare bei BR24. Meidinger sieht die Maskenpflicht dennoch als sinnvoll an; auch die Maskenpflicht während des Unterrichts in den ersten beiden Schulwochen.

Natürlich sei das Tragen einer Maske für zehn Stunden am Tag aber unzumutbar und er könne auch die Sorgen der Eltern verstehen, sagt Meidinger. Aber man müsse auch die Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen beachten. In dem Bundesland galt ebenfalls eine zweiwöchige Maskenpflicht während des Unterrichts zum Schuljahresstart. Die Erfahrungen dort sind laut Meidinger bisher positiv.

Lehrkräfte hätten aber auch einen pädagogischen Ermessensspielraum, dass in bestimmten Unterrichtssituationen die Maske von den Schülerinnen und Schülern abgenommen werden könne. Zum Beispiel, wenn der Sicherheitsabstand eingehalten werden kann.

"Dieser pädagogische, schulorganisatorische Ermessensspielraum steht ja ausdrücklich auch im bayerischen Hygieneplan drin." Heinz-Peter Meidinger bei BR24

Generell hält Meidinger die Maskenpflicht für richtig. Er geht davon aus, dass man diese an den Schulen so handhaben werde, dass es für Schülerinnen, Schüler und auch das Lehrpersonal zumutbar sei. Denn in der Summe müsse man klar sagen: Masketragen habe einen deutlichen Schutzeffekt.

Lüftungskonzepte: An vielen Schulen Investitionen nötig

Ein größeres Problem sieht Meidinger beim Thema Lüftung. So schreibe der Rahmenhygieneplan des Kultusministeriums mindestens alle 45 Minuten Stoßlüften vor, besser sogar alle 20 Minuten. In vielen Klassenzimmern ließen sich jedoch aus Sicherheitsgründen Fenster gar nicht vollständig öffnen. Hier müsse man sich Alternativen überlegen.

Die Anschaffung von Klimageräten wäre eine solche Lösung, allerdings kämen hier Kosten von 2.000 bis 3.000 Euro pro Klassenzimmer zustande. Meidinger plädiert deshalb für sogenannte CO2-Ampeln. Nach aktuellen Forschungsergebnissen stünden CO2-Belastung und Virenlast in einem Zusammenhang, so dass man mit CO2-Ampeln sehen könne, wann gelüftet werden müsse. Ein solches Gerät koste pro Klassenzimmer circa 50 Euro. Diese Investition sollten uns unsere Kinder wert sein, so Meidinger.

"Man muss Geld in die Hand nehmen. Gesundheitsschutz ist wichtig. Wir wollen alle Unterricht mit vollen Klassen. Deshalb müssen wir in vollen Klassen für Gesundheitsschutz sorgen." Heinz-Peter Meidinger

Bei Digitalisierung noch viel Arbeit

Enttäuscht zeigt sich Meidinger von den Anstrengungen zur Digitalisierung in Bayern. Da habe sich nach seinem Dafürhalten in den Sommerferien nicht viel getan. Zwar seien Leihlaptops für Schülerinnen und Schüler sowie Dienstlaptops für Lehrerinnen und Lehrer angeschafft worden, aber darüber hinaus sei nicht allzu viel passiert.

Großer Schwachpunkt ist für Meidinger vor allem die Infrastruktur in den Schulen. Oft sei das Internet zu langsam und es gebe keine WLAN-Ausleuchtung. Für Verbesserungen seien Baumaßnahmen nötig beziehungsweise wären nötig gewesen. Die Sommerferien seien hierfür jedoch leider nicht genutzt worden, kritisiert Meidinger.

Man sei zwar auf dem Weg, das Distanzlernen zu verbessern. Trotzdem habe man gemerkt, dass das beste Homeschooling nicht den Effekt von Präsenzlernen erreiche.

"Individuelle Förderung ist im Digitalen kaum möglich." Heinz-Peter Meidinger

Meidinger sieht keine Patentrezepte

Angesprochen auf Konzepte anderer Bundesländer und ob es hier Dinge gäbe, die sich Bayern abschauen könne, zeigt sich Meidinger skeptisch. Die meisten dortigen Hygienepläne seien mit den im Freistaat empfohlenen Maßnahmen beinahe identisch. Ohnehin gebe es kein Patentrezept zum Umgang mit Corona.

Generell sieht Meidinger Deutschland als bisher gut durch die Krise gekommen. So kennt er Schulen in Frankreich, an denen 40 Prozent der Lehrer und 30 Prozent der Schüler erkrankt seien. Solche Fälle habe man bisher hierzulande verhindern können.

Es werde natürlich auch in Deutschland "Kollateralschäden" geben, so Meidinger. Diese seien bedauerlich; aber eine Strategie ohne Beeinträchtigungen gebe es eben nicht. Sein Appell lautet deshalb: Zusammenhalten!

"Wir sollten als Schulfamilie zusammenhelfen, also Eltern, Schüler, Lehrkräfte, Schulleitungen, alles tun, damit der Schulanfang gut gelingt, auch das mit der Maskenpflicht mal auf sich nehmen. Ich glaube, es ist eine gute Vorsichtsmaßnahme. Und dann eben auch im engen Kontakt bleiben." Heinz-Peter Meidinger

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