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Mathe-Abi zu schwer? Deutscher Lehrerverband widerspricht | BR24

© pa/dpa/Armin Weigel

Heinz-Peter Meidinger ist davon überzeugt, dass das Mathe-Abitur dieses Jahr nicht schlechter ausfällt als sonst.

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Mathe-Abi zu schwer? Deutscher Lehrerverband widerspricht

Das Mathe-Abitur war nicht zu schwer. Davon ist der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, überzeugt. Der ehemalige Präsident Josef Kraus bezeichnet die Proteste als "Affenzirkus der Generation Schneeflocke".

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Nach den Schülerprotesten gegen die Abiturprüfung in Mathematik, sieht der Präsident des Deutschen Lehrerverbands und Schulleiter am Robert-Koch-Gymnasium in Deggendorf, Heinz-Peter Meidinger, keinen Grund für die derzeit große Aufregung der Abiturienten:

"Nach meinen Rückmeldungen von Lehrkräften, die das Abitur schon einmal durchkorrigiert haben, gibt es keinen Anlass dafür, dass dieses Abitur zu schwer war oder jetzt besonders schlecht ausfällt." Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands

Internet für schnelle Mobilisierung

Im BR-Interview äußerte sich Meidinger verständnisvoll, dass Schüler nach einer Mathematikprüfung aufgeregt seien. Hinsichtlich der Online-Petition, bei der bereits über 56.000 Menschen unterschrieben haben, meint Meidinger aber: "Im Internet lassen sich Erregungen momentan sehr schnell mobilisieren."

Unterschiede zwischen Bundesländern werden angeglichen

Vor allem der B-Teil des Mathe-Abiturs, der in Bayern gestellt wird, wird von den Abiturienten kritisiert. Meidinger räumt hierzu tatsächliche Unterschiede zwischen den Bundesländern ein. Aber man sei dabei, diese anzugleichen.

"Allerdings kann man nicht davon sprechen, dass jetzt der bayerische Teil besonders schwer war oder im Vergleich zu den Vorjahren nicht lösbar war. Es bewegte sich alles im Rahmen. Manche Aufgaben waren halt textlastiger, als früher. Das ist aber auch die Absicht der KMK (Kultusministerkonferenz), mathematische Aufgaben mehr in Texte einzubinden." Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands

Bayerisches Abitur als Chance und Vorteil

Die derzeit noch herrschenden Unterschiede zwischen den Bundesländern sieht Meidinger aber als Chance für die bayerischen Abiturienten: "Sie haben eine höhere Chance, an der Uni dann auch zu bestehen und einen erfolgreichen Abschluss zu machen - das ist das Entscheidende." Den Abiturienten rät Meidinger: "Cool down." Sie sollten sich auf die nächste Prüfung am kommenden Mittwoch konzentrieren. Denn gewiss sei: In der Summe werde kein schlechteres Abiturergebnis rauskommen, als in den letzten Jahren. "Die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler wird zufrieden sein", so Meidinger weiter.

"Affenzirkus der Generation Schneeflocke"

Der langjährige Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus aus dem Landkreis Landshut, bezeichnet in einem BR-Interview die Schülerproteste nach dem Mathe-Abitur als "Affenzirkus". Bisher haben 55.000 Menschen die Online-Petition unterschrieben, laut Kraus:

"Lächerlich! Wir haben in Bayern 37.000 Abiturienten, aber 55.000 haben unterschrieben - das ist eine typische Reaktion der Generation Schneeflocke." Josef Kraus, ehem. Präsident des Deutschen Lehrerverbandes
© picture alliance/Geisler-Fotopress

Der ehemalige Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, bezeichnet die Schülerproteste als "Affenzirkus der Generation Schneeflocke".

Die Schüler seien es laut Kraus nicht mehr gewohnt, sich "durchzubeißen". Die Pädagogik habe sie die letzten Jahre immer mehr verschont. "Mathematik aber ist ein wichtiges Fach, das muss man üben." Die Tatsache, dass jede Hochschule mittlerweile Mathematiknachholkurse anbiete, zeige, dass "die jungen Leute nichts mehr draufhaben!", so Kraus. Die Schülerproteste stellen für Kraus eine "aufgesetzte Hysterie" dar.

"Wahrscheinlich werden wir neben Freitagsdemos künftig auch Montagsdemos haben: Abitur für alle." Josef Kraus

Forderung: Schulen und Kultusministerium müssen konsequent bleiben

Kraus fordert das Kultusministerium und alle Schulen dazu auf, konsequent zu bleiben und den Schülern damit zu zeigen: "Ihr müsst das können, sonst seid ihr nicht studierfähig. Die Schüler müssen sich daran gewöhnen, dass das nicht geht. Wir können die Schüler nicht bis ins 20. Lebensjahr in Watte packen - Generation Schneeflocke."

© BR

Prof. Hans-Stefan Siller vom Lehrstuhl für Mathematik-Didaktik der Uni Würzburg