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Mehrwertsteuersenkung: Oberpfalz wird kein Schnäppchen-Paradies | BR24

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Ab morgen gilt ein reduzierter Mehrwertsteuersatz. So sollen Unternehmen und Privatleute schneller aus der Corona-Krise kommen. Aber werden auch Verbraucher davon profitieren?

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Mehrwertsteuersenkung: Oberpfalz wird kein Schnäppchen-Paradies

Ab morgen gilt ein reduzierter Mehrwertsteuersatz. So sollen Unternehmen und Privatleute schneller aus der Corona-Krise kommen. Aber werden auch Verbraucher davon profitieren? Geschäftsleute und Experten aus der Oberpfalz jedenfalls sind skeptisch.

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Von
  • BR24 Redaktion

Dieter Selmair, der Inhaber eines Spielzeuggeschäfts in der Regensburger Altstadt, glaubt nicht, dass die Mehrwertsteuersenkung ganz bei den Kunden ankommt. Der durchschnittliche Kunde kauft bei ihm für etwa 30 Euro ein. Damit würde er sich durch die Senkung der Steuer nur 76 Cent sparen, sagt der Spielwarenhändler.

Selmair fürchtet außerdem die Bürokratie, die auf ihn zukommt: "Wir haben alleine vom Steuerberater zwei Seiten voller Anmerkungen zum Beachten bekommen. In einem halben Jahr dann alles wieder Rückwärts. Also da fehlt mir das Verständnis."

Umsatzsteuersatz wird auf 16 Prozent gesenkt

Vom 1. Juli bis zum 31. Dezember wird der Umsatzsteuersatz von 19 auf 16 Prozent gesenkt. Außerdem sinkt der reduzierte Steuersatz für sogenannte Güter des Grundbedarfs – das sind zum Beispiel Nahrungsmittel oder Bücher – von sieben auf fünf Prozent.

Laut bayerischem Landesamt für Statistik sind in der Oberpfalz knapp 44.800 Unternehmen von der Steuersenkung betroffen. Der Handel wurde aufgefordert, die Steuersenkung an die Kunden weiterzugeben, doch die Geschäfte können nicht gezwungen werden.

Weitergabe wird nicht jedem möglich sein

Auch Martin Kammerer von der IHK Regensburg glaubt, dass es nicht allen Unternehmern möglich sein wird, die Vergünstigungen an ihre Kunden weiterzugeben. "Das wird aus wirtschaftlichen Gründen sicher nicht jedem möglich sein", sagt Kammerer.

Dies gilt zum Beispiel auch für Herbert Hottner, den Eigentümer des Café Zentral am Marktplatz in Amberg. Durch die monatelange Schließung des Cafés hat er starke Umsatzeinbuße erlitten. Auch er kritisiert, dass die Steuererleichterung in keinem Verhältnis zum organisatorischen Aufwand steht. Bei einer Tasse Kaffee würde sich für den Kunden eine Ersparnis von sieben Cent ergeben. "Da kostet ja das Drucken der Speisekarte mehr", kritisiert Hottner.

Das bestätigt auch Fabian Kindermann, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Regensburg:

"Wenn die Steuersenkung weitergegeben wird, dann werden sich die Preise nur gering unterscheiden. Niemand wird auf seiner Speisekarte etwas für 15,67 Euro ausschildern. Das wird nicht passieren." Prof. Fabian Kindermann

Aldi, Rewe und Co. geben die Steuersenkung weiter

Immerhin: Einige große Unternehmen wollen ihre Kundschaft von der Steuersenkung profitieren lassen. Bei der Deutschen Bahn soll das Bayern-Ticket 25 statt 26 Euro kosten und jede weitere Person wird mit sieben statt bisher acht Euro berechnet. Handelskonzerne wie Edeka, Aldi, Lidl, Rewe und Netto haben ebenso bekannt gegeben, dass sie die Senkung an ihre Kunden weitergeben wollen.

Hoffnung auf Verständnis bei den Kunden

Der Steuerberater Stefan Penka aus Regensburg hofft, dass die Verbraucher Verständnis zeigen, wenn von der Steuerermäßigung nichts bei ihnen ankommt:

"Diese Steuersenkung sollte den Unternehmen zugunsten kommen. Da appelliere ich auch an den Verbraucher, dass sie menschlich sind und nicht verlangen, dass die Senkung weitergegeben wird. Für uns ist das meist nicht viel Geld, aber für Unternehmer, die erst wieder durchstarten, ist das schnell eine große Summe." Stefan Penka, Steuerberater

Und auch IHK-Experte Kammerer verweist darauf, dass viele Unternehmen in der Region immer noch überdurchschnittlich belastet sind wegen der Corona-Pandemie: "Die Unternehmen haben einen ungeheuren bürokratischen Aufwand, der auf sie zukommt, zusätzlich zu den weiter bestehenden Hygienemaßnahmen."