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Mehrwertsteuer-Senkung: Das sollten Verbraucher wissen | BR24

© dpa

Kassenzettel mit Mehrwertsteuer-Angabe

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    Mehrwertsteuer-Senkung: Das sollten Verbraucher wissen

    Für ein halbes Jahr sinkt in Deutschland die Mehrwertsteuer. Ab heute gelten die neuen Steuersätze. Ein Überblick.

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    Für ein halbes Jahr sinkt in Deutschland die Mehrwertsteuer – von 19 auf 16 Prozent. Der ermäßigte Steuersatz, der auf viele Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs erhoben wird, geht von 7 auf 5 Prozent zurück. So hat es der Bundestag am Montag beschlossen. Seit Mittwoch gelten die neuen Steuersätze. Damit soll neuer Schwung in die Konjunktur kommen.

    Was kommt beim Verbraucher an?

    Das liegt beim Händler. Er kann die Steuerersparnis in Form von niedrigeren Preisen an die Kunden weitergeben – oder er behält die Differenz ein. Da einige Großhändler schon massiv mit der Steuersenkung werben und Verbraucher diese auch einfordern dürfen, herrscht für die Händler schon ein gewisser Druck, die Preise zu senken, sagt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern. Verglichen mit vielen freiwilligen Rabatt-Aktionen von 30 oder mehr Prozent sei die Ersparnis durch die Mehrwertsteuer-Senkung für den Kunden oft eher gering. Lohnen könne es sich "gerade bei größeren Anschaffungen", etwa beim Autokauf oder im Möbelhaus.

    Dort macht sich die niedrigere Mehrwertsteuer laut Ohlmann eher bemerkbar als im Getränkemarkt. Insgesamt hofft der Handel darauf, dass die Kauflaune der Verbraucher angekurbelt wird.

    Welcher Preis gilt ab sofort?

    Laut Preisangaben-Verordnung sind Händler verpflichtet, den Endpreis ihrer Ware mit gültigen Preisschildern auszuzeichnen.

    Heißt im Fall der Mehrwertsteuer-Senkung, der Händler kann die Preise für einzelne Waren reduzieren – und muss dann das Preisschild entsprechend anpassen. Bei 10.000 oder mehr Artikeln allerdings ein „gigantischer Aufwand“, sagt Handelsverbands-Sprecher Ohlmann. Daher hat das Bundeswirtschaftsministerium hier eine Ausnahme-Regelung eingeführt.

    Um nicht alle Preisschilder einzeln austauschen zu müssen, können die Händler einen pauschalen Kassenrabatt gewähren. Das heißt, die Preise bleiben gleich und der Kunde erhält dafür beim Bezahlen an der Kasse einen pauschalen Rabatt – also die drei Prozent Differenz bei der Mehrwertsteuer - auf seinen gesamten Einkauf. In beiden Fällen lässt sich die Preissenkung leicht auf dem Kassenbon nachprüfen.

    Wohl kaum Preissenkungen in der Gastronomie

    Nicht wenige Gastronomie-Betriebe dürften sich dafür entscheiden, den reduzierten Mehrwertsteuersatz vorerst nicht an ihre Gäste weiterzugeben. Um dadurch die Umsatzeinbußen der vergangenen Monate wenigstens etwas auszugleichen.

    Das hat sich auch Paul Seitz, Geschäftsführer des Würzburger Uni-Cafés, vorgenommen: „Ich nehme diese Mehrwertsteuer-Senkung dafür, die Verluste die ich die letzten Monate hatte, etwas erträglicher zu machen.“ Denn: Schwarze Zahlen schreibt er noch immer nicht. Seitz will das Café und die rund 30 Mitarbeiter über die Runden bringen – für ihn ist die Mehrwertsteuer-Senkung eine Existenzsicherung.

    Viel Aufwand - vor allem für kleine Läden

    Besonders kleinere Läden haben mit der Umstellung auf die neuen Preise zu kämpfen. Kassen umstellen, Ware neu auszeichnen, das kostet Zeit und Geld. Dieter Selmair, Inhaber eines Spielzeuggeschäfts in Regensburg, glaubt daher nicht, dass die Mehrwertsteuersenkung beim Einkauf in kleinen Geschäften ganz bei den Kunden ankommt. Der Aufwand sei schlicht zu groß:

    "Wir haben allein vom Steuerberater zwei Seiten von Anmerkungen zum Beachten bekommen. Vom Einführen neuer Buchungskonten über natürlich die Software umbauen. Das ist ja nur ein Bruchteil. Ich mag es gar nicht alles aufzählen - und in einem halben Jahr alles wieder rückwärts. Also da fehlt mir das Verständnis." Dieter Selmair, Inhaber eines Spielzeuggeschäfts

    Der durchschnittliche Kunde kauft bei Selmair für etwa dreißig Euro ein und würde sich durch die Senkung der Steuer sechsundsiebzig Cent sparen, rechnet er vor. Selmairs Idee: Er will die Entscheidung über den tatsächlichen Preis seinen Kunden überlassen:

    "Wir lassen uns von unserem Software-Administrator eine Taste einbauen. Wenn der Kunde sagt, er will die Senkung, dann drücken wir drauf und die Kasse rechnet blitzschnell aus, wie viel der Kunde sich spart. Und wenn der Kunde dann sagt: ‚Nein, das ist mir nicht so wichtig, nehmt es selber‘, dann behalten wir es selbst.“ Dieter Selmair

    Übrigens: Die Umsatzsteuer wird nicht nur im Einzelhandel erhoben, sondern auch bei so genannten Dauerleistungen wie etwa der Telefonrechnung oder der monatlichen Leasing-Rate fürs Auto. Es lohnt sich auf jeden Fall, beim jeweiligen Vertragspartner nachzufragen.

    Private Mieter profitieren aber nicht: Denn in der Regel sind Mietzahlungen für Wohnungen sowieso von der Umsatzsteuer befreit.

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