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Mehr zahlen für gute Lebensmittel? Das sagen die BR24-User | BR24

© picture alliance / Klaus Ohlenschläger

Breites Warenangebot im Supermarkt

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    Mehr zahlen für gute Lebensmittel? Das sagen die BR24-User

    Faire Preise für Bauern - darüber wird heute im Kanzleramt gesprochen. Doch würden die Verbraucher höhere Preise für Lebensmittel bezahlen, wenn es Landwirten und Tieren zugute käme? Die BR24 User sind uneinig - und haben eigene Lösungsvorschläge.

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    Der Einzelhandel ist heute zu einem Treffen ins Kanzleramt eingeladen, bei dem es um die aktuelle Preispolitik geht. Der Handelsverband Deutschland wehrt sich im BR gegen den Vorwurf, dass der Handel den Landwirten Dumpingpreise aufzwingt. Die Landwirte haben in der Nacht auf Montag schon ihren Standpunkt deutlich gemacht und vor sieben Edeka-Zentrallagern in Bayern protestiert.

    "Angebot und Nachfrage regulieren den Preis"

    Die BR24 User sehen den Gipfel im Kanzleramt und die Bauernproteste differenziert. Man solle das dem Markt überlassen, dann regele sich das von selbst, schreibt Carlos Rosa auf Facebook und führt weiter aus: "Allein was die EU hier an Eingriffen macht, Subventionen und Förderung zur Überproduktion, beeinflusst die Erträge der Erzeuger. Wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt, fallen die Preise. Das bedeutet, dass dann eben das Angebot sinken muss und schon verdient der Erzeuger mehr. Aber die Bauern wollen marktwirtschaftliche Preise in einem planwirtschaftlichen System. Das kann nicht funktionieren."

    Ebenso sieht das Jürgen Dreier, er schreibt:

    "Man sollte den Landwirtschaftsminister*innen und den Landwirten den ökonomischen Grundsatz 'Angebot und Nachfrage regulieren den Preis' zumindest mal ansatzweise nahebringen. Was machen die Landwirte, sie produzieren bei steigenden Preisen mehr und bei hohen Preisen auf Teufel und komm raus. Die Folgen sind zunächst ein steigendes Überangebot und sinkende Preise, dann folgt der totale Preisverhau." Jürgen Dreier auf BR24-Facebook

    Einkaufen auf dem regionalen Markt - mit Einkaufsliste

    Anderer Meinung ist da Anette Reiss, aus deren Sicht Landwirte "selbstverständlich" so viel bezahlt bekommen müssen, "dass sie davon auch gut leben können und zwar ohne Subventionen." Von den Politikern fordert sie: "Es muss aufhören, dass unsere Lebensmittel mit der ganzen Welt konkurrieren müssen. Hier muss die Globalisierung ein Ende haben."

    Auch Tanja Morhart hat kein Problem damit, für gute Lebensmittel mehr zu bezahlen. Sie habe schon lange umgestellt, meide Discounter und kaufe auf Märkten in der Region, wo ihr Geld auch in der Region bleibe. Sie ist überzeugt, dass dies auch nicht wesentlich teurer ist als im Discounter, denn: "Das zusätzliche Mitnehmen von Sonderangeboten fällt komplett weg. Kaufe nur noch nach Einkaufsliste, früher hat man viel noch zusätzlich mit, was man gar nicht benötigt hat."

    © BR

    Kommentare auf der BR24-Facebookseite

    Skepsis: Kommt Geld wirklich bei Bauern an?

    Wieder andere User würden zwar mehr Geld ausgeben, zweifeln aber, ob es auch wirklich an der richtigen Stelle ankommt. So befürchtet Stefan Gockeln: "Das Problem ist, dass bei den meisten Preiserhöhungen nur die großkopfigen Konzerne den Reibach einstecken und gleichzeitig die Lieferanten, also die Erzeuger, im Preis drücken, wo es nur geht. DAS Leid unserer Zeit: Die endlose Gier... :-("

    Auch Gaby Gieseler ist skeptisch:

    "Es ist doch völlig egal, wieviel wir bezahlen, die Bauern verdienen doch nicht mehr, weil sich die Hersteller und Einzelhändler alle Gewinne einstecken. Außerdem gehen Millionen Tonnen an Fleisch in den Export! Da nutzt es gar nichts, wenn wir ein paar Cent mehr bezahlen!" Gaby Gieseler auf BR24-Facebook

    "Wieso teuer einkaufen, wenn es auch billig geht?"

    Patrick Küpper sieht die Sache aus einem anderen Blickwinkel: Sicher könne er sich teure Lebensmittel leisten, "aber wer ist so dumm, teuer einzukaufen, wenn es auch billig geht?" Und Tobias Weber hat im Supermarkt schon oft die Erfahrung gemacht, dass "wenn neben der deutschen Milch eine polnische steht, die 10ct. billiger ist, wird zu der gegriffen."

    Das zu den billigsten Produkten beim Discounter gegriffen werde, liege nicht nur am Geiz, meint Sigi Martin: "Wenn man die Renten und die Löhne anschaut, versteht man, warum viele beim Discounter Fleisch und Gemüse kaufen." Dieser Meinung sind auch ganz viele andere BR24-User, von denen viele auch noch die hohe Steuerlast als Grund anführen, dass der Verbraucher nicht genug Geld für höherwertige Lebensmittel habe.

    "Wir sollten die Lebensmittel wertschätzen, was wir nicht tun."

    Das sieht Achim Ulrich Schweimler allerdings anders. Ob man genügend Geld zur Verfügung habe, sich hochwertige Lebensmittel zu einem angemessenen Preis leisten zu können, hänge mit der Prioritätensetzung beim eigenen Konsumverhalten zusammen, ist er überzeugt.

    "Heutzutage geben die Verbraucher hierzulande durchschnittlich nur noch 10-15% des verfügbaren Einkommens für Lebensmittel (inkl. Genussmittel) aus, Tendenz sinkend - das ist enorm wenig! Smartphones, Flatscreen-Fernseher, Autos und Urlaubsreisen haben - leider - bei vielen einen höheren Stellenwert als Lebensmittel........... 😢" Achim Ulrich Schweimler auf BR24-Facebook

    Ute Glasemann vertritt die selbe Meinung: "Preise sind relativ. Ich bin Rentnerin und kann mir Bio leisten, es geht um die Menge. Ich muss nicht jeden Tag Fleisch essen... Wir sollten die Lebensmittel wertschätzen, was wir nicht tun. Lebensmittel verkommen zur Ramschware." Und Beatrice Raue pflichtet ihr bei: "Ich würde mal sagen: Wir würden mehr bezahlen und etwas bewusster und daher weniger konsumieren!"

    © BR

    Kommentare auf der BR24-Facebookseite

    Wertschätzung für gute Produkte muss in Schule geweckt werden

    Neben dem Preis werden auf der BR24-Facebookseite aber auch andere Lösungsvorschläge diskutiert. So schreibt Nadja Ursula: "Vielleicht sollte in den Schulen Hauswirtschaftsunterricht, Lebensmittelkunde und Handarbeit eingeführt werden. Damit das Bewusstsein für Selbstgemachtes, die Zubereitung von Lebensmitteln, die Wertschätzung für gute Produkte schon früh geweckt wird." Martina Herfurth sieht auch den Handel in der Pflicht:

    "Warum muss der Handel immer ein Überfluss anbieten. Am Abend werden dann massenhaft Lebensmittel weggeworfen und vernichtet. Das muss ja auch bezahlt werden. Warum kann man diese Lebensmittel nicht Krankenhäusern, Schulen oder Kitas, Altenheimen oder eben der Tafel überlassen? Lebensmittel, die am nächsten Tag verarbeitet und gegessen werden, muss man nicht vernichten." Martina Herfurth auf BR24-Facebook

    Vorschlag: Bereiche im Supermarkt mit nur regionalen Produkten

    Doch auch die Kunden könnten etwas rücksichtsvoller beim Einkauf sein, schreibt Lydia Bechmann. Sie hat schon beobachtet, dass in Obst und Gemüse gewühlt werde, Kisten von unten herausgeholt "und mit den Ecken rücksichtslos in die oberen Kisten" gestellt würden. So würde viel Ware kaputt und damit unverkäuflich gemacht. Nicht zuletzt würde Ware aus dem Kühlregal genommen und irgendwo in ein Regal abgelegt, wenn man sich umentschieden hätte: "auch das muss alles bezahlt werden."

    Brigitte Hirmer würde sich in jedem Supermarkt außerdem einen Bereich wünschen, "in dem nur regionale Produkte angeboten, sprich aufgelegt werden dürfen, das würde dem Endverbraucher bei der Auswahl helfen." Und Karl Stultulo stellt sogar das ganze System in seiner heutigen Form in Frage: "Solange im Januar frische Heidelbeeren aus Chile billiger sind als heimische im Sommer ist etwas faul!! Und wir machen da mit."

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